Akteure in Trumps Skandalen Der Pitbull und andere Player

Es wird ungemütlich für den Präsidenten: Zwei seiner Ex-Vertrauten drohen Gefängnisstrafen, einer hat schon ausgepackt, um die eigene Haut zu retten. Ein Überblick über die wichtigsten Akteure in den Trump-Skandalen.

Michael Cohen, Donald Trump, Paul Manafort
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Michael Cohen, Donald Trump, Paul Manafort

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Der US-Präsident ist auf Twitter schon wieder zum Gegenangriff übergegangen. Über die "Hexenjagd" gegen ihn selbst und seine früheren Vertrauten empörte sich Donald Trump an diesem Mittwoch einmal mehr. Der Tag zuvor hat ihm zugesetzt, der Schuldspruch gegen seinen Ex-Berater Paul Manafort, die Aussage seines ehemaligen Anwalts Michael Cohen, inklusive seiner Ankündigung, vor Sonderermittler Robert Mueller auspacken zu wollen.

Noch ist Trump persönlich nicht betroffen, aber die Einschläge kommen näher. Um wen geht es? Wer sind die wichtigsten Akteure in diesem Drama?


Robert Mueller

Robert Mueller
REUTERS

Robert Mueller

Zweifelsohne der Antagonist des amerikanischen Präsidenten. Der Ex-FBI-Chef Robert Mueller ist seit Mai 2017 Sonderermittler des US-Justizministeriums und soll "jede Verbindung oder Koordination zwischen der russischen Regierung und jeder Person, die in Assoziation mit der Wahlkampfkampagne von Präsident Donald Trump steht" untersuchen. Darüber hinaus hat er das Recht, jedes Verbrechen aufzuklären, das während der Ermittlungen bekannt wird.

Die zwei Hauptfragen: Haben Trump und sein Team im US-Wahlkampf 2016 Absprachen mit Russland getroffen? Hat Trump dann versucht, die Justiz bei ihrer Aufklärung zu behindern?

Sowohl das Geständnis von Cohen als auch die Verurteilung von Manafort haben nicht direkt etwas mit diesen beiden Fragen zu tun. Doch Cohen war einer der engsten Vertrauten von Trump und könnte umfassend gegen ihn aussagen. Manafort wurde von Mueller angeklagt - auch seine Verurteilung ist also ein Sieg des Sonderermittlers.


Michael Cohen

Michael Cohen
JASON SZENES/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Michael Cohen

Cohen war Trumps langjähriger persönlicher Anwalt - Spitzname: "Pitbull". Nun scheint es, als würde der Pitbull aufbegehren, seinen Herren angehen.

Cohen war mit den sensibelsten Angelegenheiten des Präsidenten befasst. Seit April ist bekannt, dass die Behörden gegen Cohen unter anderem wegen Steuerbetruges und illegaler Wahlkampffinanzierung ermitteln.

Vor einem Gericht in New York hat Cohen ein umfassendes Geständnis abgelegt und unter anderem ausgesagt, er habe in zwei Fällen auf Anweisung des Kandidaten gehandelt. Dabei geht es um Schweigegeldzahlungen an Stormy Daniels und Karen McDougal, beide sollen mit Trump Affären gehabt haben. Cohen und Trump haben sich laut "New York Times" im März zu einem Abendessen in Trumps Golfclub Mar-a-Lago getroffen, gebracht hat das anscheinend nichts: Momentan sieht es so aus, als wolle Cohen mit den Behörden kooperieren. Was er wohl noch zu erzählen hat?


Paul Manafort

Paul Manafort
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Paul Manafort

Trump hält zu Manafort, und Manafort hält die Klappe. Trotzdem könnte er für Trump zum Problem werden. Von Juni bis August 2016 war er Trumps Wahlkampfmanager. Manafort ist als gewiefter bis skrupelloser Berater bekannt, war Lobbyist für Diktatoren und autokratische Führer.

Seine prominenteste Verbindung ist wohl jene zu Viktor Janukowitsch, dem abgesetzten ukrainischen Präsidenten. Manafort hatte Janukowitschs Wahlkampf beraten. Als Manafort vorgeworfen wurde, er verstecke Millionen Dollar, die er von dem Ukrainer bezogen hätte, zog er sich aus der Position des Wahlkampfmanagers zurück.

Nun wurde er unter anderem wegen Steuerhinterziehung in acht Fällen von einem Gericht in Virginia schuldig gesprochen. Das Verfahren war für Sonderermittler Robert Mueller der erste Sieg im Gerichtssaal. Unter anderem untersucht Mueller die Rolle von Trump im Russlandskandal. Das Strafmaß für Manafort steht noch aus. Er war in 18 Fällen angezeigt - in zehn Fällen konnte sich die Jury nicht auf ein Urteil einigen. Im September muss er zu einem Gerichtsverfahren in Washington D.C. erscheinen, unter anderem ist er wegen Geldwäsche und der Manipulation von Zeugen angeklagt.


Stephanie Clifford aka Stormy Daniels

Stormy Daniels
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Stormy Daniels

In jeder guten Geschichte spielt auch Sex eine Rolle. Die Pornodarstellerin Stephanie Clifford, besser bekannt als Stormy Daniels, hat nach eigenen Angaben eine Affäre mit Trump gehabt - damit sie schweigt, bekam sie eine Einmalzahlung von Cohen in Höhe von 130.000 Dollar. Sie und ihr Anwalt Michael Avenatti fühlen sich durch das Geständnis von Cohen bestätigt.


Karen McDougal

Karen McDougal
AFP

Karen McDougal

Das "Wall Street Journal" berichtete wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl 2016, dass Trump in den Jahren 2006 und 2007 eine Affäre mit dem Playboy-Model McDougal gehabt habe. A.M.I., Mutterfirma des Tratschblatts "National Enquirer", hatte McDougal demnach 150.000 Dollar für die Rechte an der Geschichte gezahlt - sie dann aber absichtlich nicht veröffentlicht, um Trump zu schützen. McDougal hat dem "New Yorker" gesagt, sie bereue es, den Vertrag mit A.M.I. unterzeichnet zu haben. Cohen hat angegeben, die Zahlungen an das Ex-Playmate organisiert zu haben.


Die Republikaner im Kongress

Vorsitzender des US-Repräsentantenhauses Paul Ryan
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Vorsitzender des US-Repräsentantenhauses Paul Ryan

Um Trump wirklich zu stürzen, bräuchte es ein Amtsenthebungsverfahren. So lange sich aber im Repräsentantenhaus keine einfache Mehrheit dafür ausspricht, kann auch keines eingeleitet werden. Noch haben die Republikaner die Mehrheit im Kongress, und obwohl es prominente republikanische Stimmen gegen Trump gibt, reichen diese noch nicht für ein Impeachment-Verfahren aus.

Das könnte sich nach den Zwischenwahlen im November ändern, sollten die Demokraten das Haus zurückerobern. Dazu müssten sie allerdings mindestens 218 Sitze gewinnen. Gründe für ein Impeachment-Verfahren können sein: Hochverrat, Bestechlichkeit oder andere "schwerwiegende Verbrechen oder Fehlverhalten".

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
celebraler_kortex 22.08.2018
1. Impeachment ist keine Lösung
Dann wäre zwar DT endlich weg, aber die korrupte Administration, ein Füllhorn von Inkompetenz, wäre weiter im Amt. Pence als Präsident kann auch niemand wollen. U.U. begnadigt der DT einfach, und sei es auf Druck der gläubigen Fangemeinde.
nahatschalah 22.08.2018
2. Eine Niederlage für Müller, Punktsieg für Trump
Betrachten wir die Fakten: 1. Manafort ist verurteilt worden für Sachen, die nichts mit dem Wahlkampf zu tun haben. Hätte Müller Beweise für eine Zusammenarbeit des Wahlkampfmanagers mit Russen, hätte er sie vorbringen müssen. Er hat also nichts in der Hand. 2. Bei Cohen und Trump werden am Ende Aussage gegen Aussage stehen. Selbst wenn er beweisen könnte, dass Trump von den Zahlungen gewusst und sie Auftrag gegeben hat, könnte er sich auf Argentos Verteidigungslinie zurückziehen: Zahlung ja, aber kein Sex. Er wollte - Trump wird sagen - diese Lügen aus dem Wahlkampf heraushalten, weil er natürlich nicht beweisen kann, dass er keinen Sex mit ihr hatte. Auch hier wird er Trump nichts wirklich schädliches nachweisen können (zwar sind schon die Zahlungen strafbar, aber für ein Impeachement wird dies nicht reichen). Betrachtet man nüchtern die Fakten, sieht es gut aus für Trump.
draco2007 22.08.2018
3.
Zitat von celebraler_kortexDann wäre zwar DT endlich weg, aber die korrupte Administration, ein Füllhorn von Inkompetenz, wäre weiter im Amt. Pence als Präsident kann auch niemand wollen. U.U. begnadigt der DT einfach, und sei es auf Druck der gläubigen Fangemeinde.
Da verstehe ich die amerikanische Verfassung auch nicht. WENN ein Präsident Impeached werden sollte, kann doch nicht einfach der nächste nachrücken. Vor allem, wenn es im Prinzip um Wahlbetrug geht. Wie kann es sein, dass Pence Präsident werden würde, wenn doch die ganze Wahl nicht mit rechten Dingen zugegangen ist? Aber die Verfassung gibt keine Neuwahlen her. Absolut unverständlich. Eigentlich sollte ja NIEMAND über dem Gesetz stehen, scheinbar ist es aber doch so...
sven2016 22.08.2018
4. @cerebraler_Cortex
Das muss man genau so sehen wie Sie es geschrieben haben. Pence ist von seinen Grundwerten eine Abzweigung von Bannon und mindestens so gefährlich, mit den unbelehrbaren Evangelikalen und Verschwörungstheorie-Qs im Hintergrund. Er würde das kriecherische White-House-Personal genauso missbrauchen wie Trump (Priebus damals: „Unsere Strategie: Wir verteidigen alles, was der Präsident sagt, als die Wahrheit. Punkt.“ Aus Republikanerkreisen heraus kann Amerika seine peinliche (selbst-)zerstörerische Fahrt nicht beenden.
Atheist_Crusader 22.08.2018
5.
Zitat von celebraler_kortexDann wäre zwar DT endlich weg, aber die korrupte Administration, ein Füllhorn von Inkompetenz, wäre weiter im Amt. Pence als Präsident kann auch niemand wollen. U.U. begnadigt der DT einfach, und sei es auf Druck der gläubigen Fangemeinde.
Pence ist kaum weniger radikal als Trump. Vielleicht sogar noch mehr - das merkt man nur nicht, weil er nachdenkt bevor er seinen Mund öffnet. Er ist besser darin, seine Agenda still und effizient umzusetzen. Aber genau deswegen wird er auch nicht gewählt werden. Während sein Boss eine unbestreitbare demagogische Begabung und ein gewisses Charisma hat, ist Pence ungefähr so einnehmend und fesselnd wie ein Stück nasse Wellpappe. Trump könnte wiedergewählt werden - Pence nicht. Und wenn die Republikaner in Zukunft nochmal gewählt werden, müssen sie bis zum nächsten demokratischen Präsidenten noch eine Menge demokratiezersetzende Legislatur unterbringen (z.B. Voter ID laws, die vorgeblich das nicht existente Problem des Wahlbetrugs bekämpfen sollen aber tatsächlich viele üblicherweise Demokraten-wählende Minderheiten aussperren). Denn die demographische Entwicklung arbeitet gegen sie und das wissen sie auch. Ihre Zielgruppen altern und schrumpfen, während die der Demokraten immer mehr zunehmen. Und sie haben sich so sehr den Extremisten (Ultrarechte, Evangelikale, Waffenfreaks, Libertäre, Verschwörungstheoretiker, etc.) angedient, dass jeder Versuch eines Kurswechsels um neue Wähler zu gewinnen automatisch alte Unterstützer verprellen würde. Wenn man es denn überhaupt wollte. Wenn sie nach den Regeln spielen, verlieren sie auf lange Sicht. Deswegen hängen sie ja unter Anderem so an Trump - das ist vielleicht ihre letzte Chance. Ihre letzten zwei Präsidenten kamen nur dank des Electoral College an die Macht - aber selbst dessen Verzerrungspotential ist begrenzt.
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