Ex-Generäle im Weißen Haus Die Trump-Dompteure

Harter Kurs gegenüber Nordkorea, neue Afghanistan-Strategie, mehr Ordnung im Weißen Haus - in der US-Regierung geben jetzt die Militärs den Ton an. Können sie auch den Präsidenten disziplinieren?

H.R. McMaster, John Kelly und Rex Tillerson (von links)
REUTERS

H.R. McMaster, John Kelly und Rex Tillerson (von links)

Von , Washington


Ein typischer Bürotag im Leben von US-Präsident Donald Trump lief bislang in etwa so ab: Er steht auf, twittert, schaut Frühstücksfernsehen, geht ins Oval Office. Dort steht die Bürotür offen, und er plaudert mit Freunden, Staatsgästen, Verwandten, wer eben gerade so vorbeikommt. Zwischendurch telefoniert er mit alten Kumpels. Kurz gesagt: Trump arbeitet so, wie er aus seiner Zeit als Reality-TV-Star und Immobilientycoon kennt.

Doch mit dem Lotterleben ist nun erstmal Schluss. Der neue Stabschef John Kelly, ein früherer General der US-Marines, hat eine strenge Ordnung im Weißen Haus eingeführt. Wer einen Termin beim Präsidenten haben will, muss zuvor Kelly informieren.

Alle Papiere oder Zeitungsartikel, die Trump zu Gesicht bekommen soll, müssen über seinen Tisch gehen. Und die Tür zum Oval Office bleibt ab jetzt geschlossen. So soll verhindert werden, dass Trump - so wie bisher - nach Belieben Mitarbeiter oder Freunde ins Büro ruft und seine kostbare Zeit mit Plaudereien verbringt.

Drei Soldaten mit Mission

Mit viel Disziplin versucht der neue Stabschef das Chaos zu ordnen, das Trump und seine bisherigen Chefberater Stephen Bannon und Reince Priebus in den vergangenen Monaten angerichtet haben. Ein funktionierendes Polit-Management gab es im Weißen Haus genauso wenig wie eine klare Strategie. Wichtige Beratungen über sicherheitspolitische Fragen kamen oftmals nur zufällig zustande. Die Trump-Regierung konnte noch nicht ein einziges wichtiges Gesetzesvorhaben verabschieden.

Das soll sich nun ändern. Kelly hält einen engen Draht zu den wichtigsten Anführern im Kongress, er stellt konkrete Zeitpläne für die Verabschiedung von Gesetzen auf und er beruhigt in Gesprächen Vertreter ausländischer Verbündeter, die sich um den Kurs der Supermacht unter Trump sorgen.

Unterstützung erhält Kelly bei seiner Mission von zwei Militärs, die er lange kennt und mit denen er eng zusammenarbeitet: Sicherheitsberater H.R. McMaster, viele Jahre General der US-Armee, und Verteidigungsminister James Mattis, wie Kelly ein Ex-General des Marine Corps.

Die schwierigste Aufgabe der drei ist, den völlig unberechenbaren Präsidenten in den Griff zu bekommen. Man glaubt es kaum, manchmal gelingt ihnen dies sogar schon. Aber immer wieder verlieren sie auch völlig die Kontrolle.

Handschrift der Militärs

Deutlich zu spüren ist die Handschrift der Militärs im Verhältnis zu Nordkorea: Im Wahlkampf hatte Trump noch so getan, als ließe sich das Problem dadurch lösen, dass auch Südkorea und Japan mit Atomwaffen ausgerüstet werden. Nun haben die Militärs Trump auf eine Strategie festgelegt, die darauf abzielt, Nordkorea wirtschaftlich und politisch vollständig zu isolieren. Für den Fall, dass das alles nichts bringt, lässt Verteidigungsminister James Mattis unterschiedliche Szenarien für einen Präventivschlag gegen Nordkorea vorbereiten.

Unter Trumps früherem Chefstrategen Stephen Bannon wäre eine solche Linie undenkbar gewesen. Er hatte Trump stets von allzu viel außen- und sicherheitspolitischer Einmischung in Asien abgeraten. Frei nach dem Wahlkampf-Motto: "America First".

Auch Trumps neue Afghanistan-Strategie trägt erkennbar die Handschrift von Kelly, Mattis und McMaster. Die von Trump jüngst verkündete Intensivierung des US-Einsatzes dort entspricht genau dem, was sich die Militärs gewünscht hatten. Trump war ursprünglich für einen raschen Abzug. Doch nun beugte er sich offenbar der Lageeinschätzung seiner Militärs, die ihn vor einem Wiedererstarken der Taliban warnten und deshalb neue Truppen forderten.

Generäle mit Härte, Erfahrung und Disziplin

Und dann ist da noch das Verhältnis zu Moskau: Eigentlich wollte Trump mit Russlands Präsident Wladimir Putin Freundschaft schließen. Doch die Militärs raten ihm wohl zu einer härteren Gangart gegenüber Putin. Sie trauen Putin erkennbar nicht über den Weg, wollen ihm Grenzen aufzeigen, etwa durch die spektakuläre Schließung des russischen Generalkonsulats in San Francisco in der vergangenen Woche.

Trump setzt auf die Generäle, ihre Härte, Erfahrung und Disziplin gefallen ihm. Er braucht sie dringend, um endlich Ordnung in seine Regierung zur bringen. Die Frage ist nur: Wie lange hält das ungewöhnliche Bündnis zwischen den Militärs und dem unberechenbaren Populisten? Schon gibt es erste Anzeichen dafür, dass Trump wenig Lust verspürt, sich von Kelly und Co. zu sehr einhegen zu lassen.

"Donald Trump hat seinen eigenen Kopf"

Die "New York Times" und die "Washington Post" berichten bereits über erste Streitereien zwischen dem Präsidenten und seinem neuen Stabschef. Er sei in seiner Laufbahn von einem Vorgesetzten noch nie so schlecht behandelt worden, soll Kelly intern über Trump geklagt haben.

Insbesondere rund um die Neonazi-Aufmärsche in Charlottesville gab es wohl heftige Konflikte zwischen Kelly und Trump. Kelly soll Trump zu einer klaren Verurteilung der Neonazi-Proteste geraten haben. Doch Trump entschied sich dafür, die Sache öffentlich zu verharmlosen.

Alte Trump-Vertraute wie der populistische Parteistratege Roger Stone glauben nicht, dass sich Trump von Kelly dauerhaft vorschreiben lässt, wen er treffen darf oder was er zu tun hat. Stones Prognose: "Donald Trump hat seinen eigenen Kopf, er wird sich am Ende jedem Versuch widersetzen, ihn zu kontrollieren."



insgesamt 23 Beiträge
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Mr T 04.09.2017
1. Die grosse FRage
Trump oder Militaerdiktatur - was ist das kleinere Uebel?
florian.metzger 04.09.2017
2. gruselig
Die mit Abstand größte Militärmacht der Welt wird nun von Militärs geführt...gruselig!
kuac 04.09.2017
3. Freidenstaube Trump?
Trump wollte Kriege beenden. Nun besteht sein Kabinett aus Militaristen. Wieder eine Lüge von Trump.
the_tetrarch 04.09.2017
4. Es läuft von schlimm zu schlimmer
Früher mussten Präsidenten die Falken bei den Militärs einhegen. Mittlerweile ist es umgekehrt. Hoffentlich übersteht die Menschheit unbeschadet das Regime dieses Wahnsinnigen. Die Figur ist ein klarer Kandidat für das 25th Amendment.
hugahuga 04.09.2017
5.
Welch eine Erkenntnis. Es ist so neu nicht, dass der Präsident nur als Werkzeug dient und real von anderen Kräften gesteuert wird. Bei dem einen Präsidenten sind es die Finanzeliten, bei dem anderen der militärisch industrielle Komplex. Mag sogar vorkommen, dass beide sich die Aufgabe teilen.
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