Vorwurf der Manipulation Trump droht Google, Twitter und Facebook mit Konsequenzen

"Sie sollten lieber vorsichtig sein": Der US-Präsident wirft Google, Facebook und Twitter vor, Trefferlisten zu seinem Nachteil zu beeinflussen. Sein Wirtschaftsberater kündigt an, man werde sich die Sache anschauen.

Donald Trump im Oval Office
AFP

Donald Trump im Oval Office


US-Präsident Donald Trump wirft Google, Facebook und Twitter die Unterdrückung konservativer politischer Stimmen vor und droht den Unternehmen mit Konsequenzen. "Sie sollten lieber vorsichtig sein, weil man Menschen das nicht antun kann", sagte Trump am Rande eines Treffens mit Fifa-Präsident Gianni Infantino im Weißen Haus. "Es ist eine sehr ernste Sache und ein sehr ernster Vorwurf."

Es würden Abertausende Beschwerden eingehen, sagte Trump. "Google und Twitter und Facebook - sie begeben sich wirklich auf sehr, sehr schwieriges Terrain, und sie müssen vorsichtig sein. Das ist nicht fair für einen Großteil der Bevölkerung."

Belege dafür, dass die Konzerne ihre Feeds manipulieren, präsentierte Trump nicht. Eine Google-Sprecherin wies die Vorwürfe zurück: Ziel der Suchmaschinesei es, Nutzern binnen Sekunden "die relevantesten Antworten", heißt es in einer Mitteilung. "Die Suche wird nicht dazu genutzt, um eine politische Richtung vorzugeben, und wir beeinflussen unsere Ergebnisse nicht nach einer politischen Ideologie." Jährlich gebe es Hunderte Verbesserungen des Suchalgorithmus, um die Qualität der Suchergebnisse zu verbessern.

Am frühen Dienstagmorgen hatte Trump getwittert, wer auf Google nach "Trump News" suche, bekomme nur schlechte Nachrichten und Berichte der "Fake News"-Medien angezeigt - so nennt er pauschal ihm gegenüber kritisch eingestellte Medien. "96 Prozent der Ergebnisse für 'Trump News' sind von überregionalen linksorientierten Medien, sehr gefährlich", schrieb Trump. Google und andere Unternehmen würden kontrollieren, "was wir sehen können und was nicht". Trump warf die Frage auf, ob das illegal sei. "Das ist eine sehr ernste Situation - wird in Angriff genommen werden!"

Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow sagte am Dienstag auf die Frage eines Reporters, ob der Präsident meine, dass Google einer Art Regulierung unterworfen werden müsse: "Wir werden Sie das wissen lassen. Wir schauen uns das an."

Trump teilt immer wieder gegen Verlage, Sender und Journalisten aus. Er bezeichnet Medien als Feinde des amerikanischen Volkes. Vor knapp zwei Wochen hatten sich in den USA Hunderte Zeitungen zusammengetan und die konstanten Attacken des Präsidenten verurteilt.

Video: Ivanka, Donald und die Medien - "Ekelhafte Fake News"?

AFP, SPIEGEL ONLINE

Auslöser für Trumps Tweets war laut "Washington Post" womöglich ein Bericht seines Lieblingssenders Fox News am Montagabend über "Google-Zensur". Darin wurde behauptet, dass 96 Prozent der Ergebnisse bei der Suche nach Nachrichten über Trump solche liberaler Nachrichtenorganisationen seien. Der Sender nannte als Quelle dafür einen Artikel, den die konservative Internetseite "PJ Media" veröffentlichte.

Die Methodik bei der Ermittlung des Ergebnisses von 96 Prozent ist fragwürdig. So rechnet die Autorin des Artikels so gut wie jedes Mainstream-Medium dem linksliberalen Spektrum zu. Twitter und Facebook sind ferner gar nicht Gegenstand des Artikels. Was der Auslöser dafür war, dass der Präsident diese beiden Konzerne in seine Kritik einbezog, ist unklar.

Am Mittwoch kommender Woche will der US-Senat Spitzenvertreter von Google, Facebook und Twitter anhören. Dabei soll es um Versuche Russlands gehen, Wahlen in den USA über soziale Medien zu beeinflussen. Der Informationsdienst "Axios" schrieb nach den Trump-Tweets, der US-Präsident wolle den Fokus der Anhörung stattdessen darauf lenken, dass er ein Opfer sozialer Medien sei.

US-Sicherheitsbehörden sehen es als erwiesen an, dass Russland versucht hat, die Präsidentenwahl 2016 zu beeinflussen - und dass diese Bemühungen andauern. Trump war im vergangenen Monat unter Druck geraten, als er in dieser Frage einen Zickzackkurs verfolgte, statt sich klar hinter seine Behörden zu stellen.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Trump habe Google, Facebook und Twitter vorgeworfen, Inhalte zu manipulieren. Tatsächlich bezog sich der Manipulationsvorwurf nicht auf Inhalte, sondern auf Trefferlisten. Wir haben den Fehler korrigiert. Ferner wurde der Artikel um den Hinweis ergänzt, dass der US-Präsident für seinen Manipulationsvorwurf keine Belege nannte.

aar/dpa/AFP

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vernetzt.weiblich.denken 29.08.2018
1. Usokratie
Verlorene Unschuld, sozialer Medien. Wer jetzt per Nutzung nutzt, nutzt einer Partei. Eine neue Welt ist entstanden, an uns vorbei, aber durch uns. Wir haben die Wahl und wir wählen. Wer dagegenstimmt hat keine Wahl mehr. Jeder kann gegen Nutzungsbedingungen abstimmen, oder nicht zustimmen und wird dafür bestraft durch Ausschluss. Das ist totalitär. Das gibt den SM das Recht zu tun was sie wollen.
Dr. Metro 29.08.2018
2. Respektvoll präsidiale Berichterstattung
wäre meines Erachtens in jedem Fall ratsam, auch um die nahezu weltweite Politikverdrossenheit nicht weiter vorantreiben zu können. Unabhängig jeweiligem Staatsoberhauptes, welchen Landes auch immer. Da gibt es aus meiner Sicht tatsächlich Unterschiede zu vergangenen Jahren zu beobachten. Der Trump, die Merkel, der Erdogan usw. ohne Statusbezeichnug oder Doktortitel, halte ich jedenfalls nicht gerade für förderlich um diesem Hochrangigen Persönlichkeiten gerecht werden zu können, welche von jeweiliger Bevölkerung ins Amt gewählt ? wurden. Der (Umgangs)Ton ein besseres Beispiel verdienen könnte, wofür ich mich gern einsetzen würde, hätte ich‘s zu sagen.
Little_Nemo 29.08.2018
3. Der Antiamerikaner im Amt
Trump geriert sich zunehmend als Diktator. Was zu erwarten war. Eine Lehre aus der Präsidentschaft Trumps muss es sein, das im 2. Verfassungszusatz garantierte Grundrecht auf Waffenbesitz abzuschaffen. Da es Trump nicht verhindern, bremsen oder stürzen konnte ist es offensichtlich obsolet. Es ist nicht mehr zu leugnen, dass dieses Grundrecht seinen ausdrücklichen Zweck nicht erfüllt und nur noch als Rechtfertigung für die Selbstermächtigungsfantasien von Freizeit-Rambos dient.
kernziel 29.08.2018
4. Angriff
....ist die beste Verteidigung, insbesondere wenn man tatsächlich 'schuldig' ist. Das wissen schon Kinder und der derzeit amtierende US-Präsident auch. Bleibt nur zu hoffen, dass der Spruch 'Lügen haben kurze Beine' sich bald bewahrheitet.
karljosef 29.08.2018
5. Ob bei der Suche in Google etwa 'alternative Fakten' unterschlagen wer
Das darf aber nicht sein! Da muss Trump einschreiten! Diese müssen an die erste Stelle, wenn man Trump in die Suchmaschine eintippt! Laut lachende Grüße
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