Nahostkonflikt USA drohen auch Palästinensern mit Stopp von Finanzhilfen

Erst Pakistan, jetzt die Palästinenser: Donald Trump hat ihnen gedroht, Hilfszahlungen einzustellen. Sie würden nicht über Frieden sprechen wollen - und seiner Regierung keinen Respekt zollen.

Donald Trump
REUTERS

Donald Trump


US-Präsident Donald Trump hat indirekt mit einem Stopp von Hilfszahlungen an die Palästinenser gedroht, wenn sie nicht zu Friedensverhandlungen mit Israel bereit sind. "Es ist nicht nur Pakistan, dem wir Milliarden Dollar für nichts zahlen, sondern es sind viele andere Länder, und andere", schrieb er bei Twitter.

"Zum Beispiel zahlen wir den Palästinensern HUNDERTE MILLIONEN VON DOLLAR im Jahr und erhalten weder Anerkennung noch Respekt. Sie wollen nicht einmal über einen lange überfälligen Friedensvertrag mit Israel verhandeln. (...) Aber wenn die Palästinenser nicht mehr bereit sind, über Frieden zu sprechen, warum sollten wir in der Zukunft irgendwelche dieser massiven Zahlungen an sie leisten?"

Trump fährt im Nahostkonflikt einen klar pro-israelischen Kurs. Anfang Dezember erkannte er Jerusalem offiziell als Hauptstadt Israels an und provozierte damit gewaltsame Proteste in der muslimischen Welt. Derzeit erhalten die Palästinenser von den USA jährliche Finanzhilfen von mehr als 300 Millionen Dollar, also umgerechnet etwa 250 Millionen Euro.

Die Palästinenser hatten mit Zorn auf die Israel-Entscheidung Trumps reagiert. Sie wollen die USA nicht mehr als Vermittler bei etwaigen Friedensverhandlungen akzeptieren.

USA werfen Pakistan "doppeltes Spiel" vor

Mit seinem Tweet setzte Trump auch seine Kritik an Pakistan fort. Bereits Neujahr hatte er getwittert, die USA hätten dem Land über einen Zeitraum von 15 Jahren mehr als 33 Milliarden Dollar Hilfe zukommen lassen, als Gegenleistung aber nichts als "Lügen und Betrug" erhalten. Trump wirft Pakistan vor, radikalislamischen Taliban aus dem Nachbarland Afghanistan Unterschlupf zu gewähren.

Pakistan wies die Vorwürfe verärgert zurück. Das Land habe viel für die USA getan und dabei geholfen, das Qaida-Terrornetzwerk zu "dezimieren", habe im Gegenzug aber nur "Beschimpfungen und Misstrauen" geerntet, hieß es in Stellungnahmen des Außen- und des Verteidigungsministeriums. Aus Protest gegen den Tweet Trumps bestellte Pakistan den amerikanischen Botschafter ein.

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, sagte am Dienstag, die USA hielten 255 Millionen Dollar an Hilfsgeldern zurück, weil Pakistan bei der Terrorismusbekämpfung nicht vollständig mit Amerika kooperiere. "Pakistan hat seit Jahren ein doppeltes Spiel betrieben." Zwar arbeite es mit den USA gelegentlich zusammen. Aber es gewähre den Terroristen, die US-Soldaten in Afghanistan angriffen, auch Unterschlupf. "Dieses Spiel ist für diese Regierung inakzeptabel."

aar/AFP/dpa

insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
biba_123 03.01.2018
1. Die seit 25 Jahren gegangenen Wege haben nichts gebracht...
...dann geht man eben mal andere Wege, why not? Da es sich um eine autoritäre Kultur handelt, mit der man da zu tun hat, kann ein bisschen mehr Autorität im Umgang mit denen nicht schaden! Jedenfalls ist es höchste Zeit, den ewigen Kuschelkurses, der nichts brachte, zu verlassen! Piepieppiep, wir haben uns alle Lieb, funktioniert ja schon im Kindergarten nicht!
flaviussilva 03.01.2018
2. Gibt es...
....eigentlich niemanden der ihm sagt, das wo immer er verschwindet,die Chinesen oder Russland keine Minute später anklopfen und dieLücke füllen ? Als größter Dealmaker aller Zeiten sollte er diese Grundkenntnis och eigentlich besitzen.
Ecki_HH 03.01.2018
3. Richtig so
Hier hat der Trottel mal leider recht. Die Friedenspolitik wird von der Hamas verhindert. Von den Hilfsgeldern landet nachgewiesen nichts oder wenig bei den Menschen sondern bei der Hamas.
PeaceNow 03.01.2018
4. Die Realität ist meist Hellgrau bis Dunkelgrau
Trumps Realitär ist nur Persilweiss und Rabenschwarz. Brandgefährlich für einen am roten Atomknopf der Militärmacht No.1 der Erde. Leider ist seine Aussage auch inhaltlich nicht haltbar, denn neben der Fatah bekennen sich auch wesentliche Teile der Hamas inzwischen zu einer Zweistaatenlösung in ca. den Grenzen von 1967 und dahingehend zu Verhandlungen zu Israel. Israel hingegen lehnt dies kategorisch ab und bewist durch seinen fortgesetzten Landraub und Siedlungsbau in Jerusalem und Westjordanland seine wahren Absichten: Einstaatenlösung mit Grossisrael. Was dann mit den 4,5 Mio. Palästinensern geschehen soll? Auch interesant das USA wie EU das Leugnen und Lügen zum Thema Zweistaatenlösung bis heute weiterbetreiben, obwohl Israel inzwischen Fakten am Boden geschaffen hat die eine Zweistaatenlösung völlig unmöglich gemacht haben. Noch interessanter ist aber das trotz dieser knallharten Fakten es in Richtung Israel weder Protest geschweige denn Sanktionsdrohungen gibt.
m-zmann 03.01.2018
5. D.T. irrt!
Die sogenannten "Hilfszahlungen" landen üblicherweise eben nicht bei "den Palästinensern". Die versickern in dunken Kanälen, verschwinden auf den Konten der korrupten Machthaber und ihrer Handlanger oder dienen der Finanzierung und Unterstützung von Terror und Gewalt: http://www.botschaftisrael.de/2016/01/27/wo-landen-die-hilfsgelder-fuer-palaestinenser/ Daher ist es begrüßenswert, dass D.T. diese Terrorfinanzierung einstellen will, auch wenn seine Begründung (fehlende "Anerkennung und Respekt") albern ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.