Atomkonflikt Trump droht Nordkorea mit "Feuer, Wut und Macht"

Es ist der wohl gefährlichste Konflikt der Welt: US-Präsident Trump hat Nordkorea indirekt einen Krieg angedroht. Zuvor war bekannt geworden, dass Pjöngjang näher an der Entwicklung einer Atomrakete ist als angenommen.


US-Präsident Donald Trump hat im Streit mit Nordkorea der Führung in Pjöngjang indirekt militärische Gewalt angedroht: Wenn Nordkorea seine Drohungen fortsetze, werde diesen mit "Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat" begegnet, sagte Trump vor Journalisten in Bedminster im US-Bundesstaat New Jersey. Es sei für Nordkorea besser, den USA nicht weiter zu drohen.

Zuvor war bekannt geworden, dass Nordkorea auf dem Weg zur vollwertigen Atommacht weitergekommen ist: Nach Erkenntnissen der USA und Japans ist Pjöngjang in der Lage, seine Raketen mit Miniatur-Atomsprengköpfen zu bestücken. Das würde bedeuten, dass Nordkorea näher am Ziel einer Atomrakete ist als bisher angenommen.

Die "Washington Post" berichtete unter Berufung auf vertrauliche Geheimdiensterkenntnisse, dass Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm erhebliche Fortschritte gemacht habe: Die Bestückung könne Interkontinentalraketen umfassen. Ein neuer Bericht des japanischen Verteidigungsministeriums kommt zu dem gleichen Schluss.

Der Bericht der "Washington Post" kommt zu der Einschätzung, dass Nordkorea nach Ansicht des Geheimdienstes DIA (Defence Intelligence Agency) bei seinem Programm viel schnellere Fortschritte macht als bisher angenommen. Der jetzt bekannt gewordene Schritt sei für Nordkorea ein entscheidender auf dem Weg zu einer vollwertigen Atommacht. Er vergrößere die weltweiten Sorgen.

McCain: "Es ist der klassische Trump"

Trumps Parteikollege, der republikanische Senator John McCain, reagierte in einem Interview mit KTAR News verhalten auf die Äußerungen des Präsidenten. "Große Anführer" würden ihre Gegner nicht bedrohen, wenn sie nicht wirklich bereit seien, diese Drohungen auch umzusetzen. "Und ich bin mir nicht sicher, dass Präsident Trump bereit ist, zu handeln."

"Ich weiß nicht, was er da sagt, und ich habe vor langer Zeit den Versuch aufgegeben, seine Worte zu interpretieren." Die Aussagen Trumps seien nicht schrecklich, sagte McCain. "Es ist der klassische Trump, der Dinge übertreibt."

McCain und Trump waren in der Vergangenheit schon häufiger aneinandergeraten, zuletzt als sich McCain gegen einen Gesetzentwurf zur Gesundheitsreform der eigenen Partei aussprach.

Nordkorea erwägt Raketenangriff auf US-Insel Guam

Auch aus Nordkorea gibt es bereits erste Reaktionen auf Trumps Drohungen. Die kommunistische Führung in Pjöngjang prüfe sorgfältig eine Strategie für einen Angriff mit einer Mittel- oder Langstreckenrakete auf die Pazifikinsel Guam, einem US-Außengebiet mit einem Luftwaffenstützpunkt. Das erklärte ein nordkoreanischer Militärsprecher in einer von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Mitteilung (mehr dazu lesen Sie hier).

Konflikt mit Nordkorea derzeit gefährlichster der Welt

Der Konflikt mit dem kommunistisch regierten Land gilt als der derzeit gefährlichste der Welt. Japan und Südkorea sind Verbündete der USA, dem Erzfeind der Führung in Pjöngjang. Beide Länder fühlen sich durch das Atom- und Raketenprogramm Nordkoreas zunehmend bedroht.

Trotz aller Verbote des Uno-Sicherheitsrates sowie aller Warnungen hatte Nordkorea am 28. Juli eine Interkontinentalrakete getestet. Diese hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10.000 Kilometern.

Kim Jong Un hatte nach dem Test gesagt, das Festland der USA sei jetzt in Reichweite. Nach Einschätzung amerikanischer Experten wäre eine solche Rakete in der Lage, auch Städte wie Los Angeles oder Chicago zu erreichen.

Als Reaktion auf den Raketentest hat der Uno-Sicherheitsrat am Wochenende die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea verhängt. Das Regime in Pjöngjang hatte auch daraufhin keine Gesprächsbereitschaft gezeigt - sondern signalisiert, dass es an seinem Atomprogramm festhalten wolle.

Nach Einschätzung der USA verfügt Nordkorea über das Potenzial für bis zu 60 Atomwaffen. Unabhängige Experten wie der ehemalige Direktor des US-Atomlabors in Los Alamos, Siegfried Hecker, sprechen von 20 bis 25 Bomben. Die "Washington Post" zitiert Hecker mit der Ansicht, man solle die von Nordkorea ausgehende Gefahr nicht übertreiben.

kry/aar/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 35 Beiträge
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wokri 09.08.2017
1. Ein Krieg
Würde über sein Chaos hinwegtäuschen. Warum gießt er nochmal Benzin ins Feuer? Gerade jetzt wo China ihn unterstützt. Will er gar den Krieg?
viceman 09.08.2017
2. diese welt hat schon zuviel
krieg und zerstörung gesehen. was dieser präsident da von sich gab, gehört normalerweise in eine andere zeit. es ist nur zu hoffen, daß sich auf beiden seiten die vernunft durchsetzt. ich hoffe da auf china, welches ausgleichend wirken könnte....
franxinatra 09.08.2017
3. Ohne China wäre NK nicht so weit...
und ohne den Widerstand in Süd-Ost-Asien gegen Chinas Territorialansprüche wäre das alles kaum ein Thema; aber so lange unsere wirtschaftlicen Interessen davon abhängen Pekings Wohlwolen zu genießne salamisiert sich China weiter. Werden wir wach wenn die Mongolei annektiert wird? Dabei ist doch doch eigentlich einfach: wo, bitte, sind Chinas größte Absatzmärkte?
Max Super-Powers 09.08.2017
4.
Ja, was soll er denn auch sonst machen? Soll er still sitzen mit den Händen in den Taschen und einfach zusehen, was passiert, bis es vielleicht zu spät ist? An diesem Punkt ist NK buchstäblich alles zuzutrauen und das nachgewiesenermaßen (Siehe Operation Paul Bunyan), was das Regime versteht, ist Gewalt.
heini444 09.08.2017
5. Krieg
Ist das einzige Mittel mit dem sich Trump noch halten kann. Ein Krieg belebt die Wirtschaft und eint die Demokraten und Republikaner hinter ihrem Präsidenten. Bisher hatte wohl jeder amerikanische Präsident seinen Krieg. Nun denn, lasst die Spiele beginnen!
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