Hausarrest für US-Pastor Trump droht Türkei im Fall Brunson mit Sanktionen

US-Pastor Andrew Brunson darf nach knapp zwei Jahren das Gefängnis in der Türkei verlassen - steht aber weiter unter Hausarrest. Donald Trump will das nicht hinnehmen und Konsequenzen aus dem Fall ziehen. Die Türkei reagiert empört.

Andrew Brunson in Izmir
AFP/Dogan News Agency

Andrew Brunson in Izmir


Der Fall des in der Türkei festgenommenen Pastors Andrew Brunson treibt die Spitze der US-Regierung um: Erst drohte Vizepräsident Mike Pence der Regierung in Ankara mit Strafmaßnahmen in "bedeutsamem" Umfang, nun hat Präsident Donald Trump nachgelegt. Die USA würden weitreichende Sanktionen gegen die Türkei verhängen, twitterte er.

Brunson bezeichnete er als "großartigen Christen" und "wunderbaren Menschen", der sehr leide. "Der unschuldige Geistliche sollte sofort entlassen werden!", forderte Trump.

Türkische Politiker zeigen sich über Trumps Drohungen empört. "Niemand macht der Türkei Vorschriften. Wir werden niemals und von niemandem Drohungen akzeptieren", twitterte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Das Gesetz gelte ohne Ausnahme für jedermann.

Ibrahim Kalin, Sprecher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, nannte die "bedrohliche Wortwahl der US-Regierung gegen die Türkei, einen Nato-Alliierten", nicht akzeptabel. Die USA sollten ihren "Ansatz überdenken", bevor sie der Allianz mit der Türkei weiteren Schaden zufügten.

Verurteilung zu 35 Jahren Haft ist möglich

Brunson steht in der Türkei unter Terror- und Spionageverdacht. Zwar war er am Mittwoch nach fast zwei Jahren Haft überraschend aus einem türkischen Gefängnis entlassen worden, wurde aber unter Hausarrest gestellt. Zudem wurde eine Ausreisesperre gegen ihn verhängt. US-Außenminister Mike Pompeo kritisierte dies als "nicht ausreichend".

Brunson könnte weiterhin wegen der Vorwürfe zu 35 Jahre Haft verurteilt werden. Sein Prozess soll am 12. Oktober beginnen.

Der Pastor wird beschuldigt, für die Bewegung des in den USA lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen sowie die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gearbeitet zu haben. Er weist alle Vorwürfe zurück.

Die türkische Führung macht Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte in der Vergangenheit einen Austausch von Gülen gegen Brunson vorgeschlagen. Der Pfarrer betrieb mit seiner Ehefrau über zwei Jahrzehnte hinweg eine kleine Kirche in Izmir.

Das Verhältnis der Türkei zu den USA wird durch eine Reihe von Streitfragen belastet. Neben der Menschenrechtslage in der Türkei sind dies vor allem die Weigerung der US-Regierung, Gülen auszuliefern, sowie die US-Militärhilfe für die syrischen Kurden. Nach der Entscheidung der Türkei, von Russland S-400-Luftabwehrraketen zu kaufen, gab es zudem Forderungen im US-Kongress, Ankara keine F35-Kampfflugzeuge zu verkaufen.

vks/AFP

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pmf2 26.07.2018
1. Schwachsinn !
Wie können Sie nur so einen Schwachsinn von sich geben ! Man hat Sie offensichtlich voll indoktriniert. Es ist doch offensichtlich, das in der Türkei willkürlich Personen festgenommen werden unter fadenscheinigen und konstruierten Vorwürfen. Als Deutscher Staatsangehöriger ist man gerade deswegen der willkürlichen türkischen Justiz ausgesetzt. Während immer noch ca 50-60 Deutsche in dortigen Gefängnissen schmoren und von Angela Merkel geradezu peinlichst ignoriert werden, kämpft die amerikanische Regierung um jeden einzelnen ihrer Bürger. DAS sollte zu denken geben !
syracusa 26.07.2018
2.
Da gäbe es jetzt endlich mal was, was Merkel von Trump übernehmen könnte. Es befinden sich noch immer viele deutsche Staatsbürger zu Unrecht in türkischer Haft, und noch immer dürfen viele zu Unrecht verfolgte deutsche Staatsbürger die Türkei nicht verlassen. Merkel sollte dem türkischen Diktator offen mit harten Konsequenzen drohen, falls er nicht schleunigst seinen Kurs ändert.
fixik 26.07.2018
3.
Jetzt werden viele gegen die böse Türkei schimpfen, Fakt ist jedoch, dass Türkei gar keinen Motiv hat diesen Mann festzunehmen? Ich denke wirklich nicht, dass die Anschuldigungen ausgedacht sind. Ich denke auch nicht, dass die jemals bei einem deutschen Staatsbürgern ausgedacht sind, die in der Türkei verhaftet wurden. Es macht einfach keinen Sinn, dass Erdogan einen Bruch mit dem Westen riskiert ohne dafür etwas zu bekommen. Erdogan neigt sicher dazu impulsiv zu reagieren. Das haben wir mit dem Abschuss eines russischen Flugzeug gesehen. Das war dumm. Wohl größter Fehler von Erdogan in seiner Karriere. Das hat er später auch zugegeben, dass dies ein Fehler war. Hier ist es alles aber nicht aus dem Impuls heraus. Es sind keine Entscheidungen die in dieser Sekunde entschieden werden müssen. Hier kann der Erdogan eine Nacht drüber schlafen bevor er seine so weitreichende Entscheidung verkündet. In solchen Fällen hat Erdogan bisher auch immer Intelligenz bewiesen. Dieser Mann darf nur nicht sofortige Entscheidungen treffen. Seine Emotionen nehmen kurz überhand. Dieser Mann muss sich immer erst beruhigen. Zum Glück weiß er das eigentlich auch. Es macht hier alles einfach keinen Sinn. Ich denke, dass die Anschuldigungen korrekt sind. Dieser angeblicher Pastor in Wahrheit wirklich ein Spion. Das macht schon eher Sinn. Auch die Art und Weise passt perfekt. Ein Pastor als Spion. Ziemlich passend. Sollte der Erdogan aber tatsächlich Mal den Verstand verloren haben, was ich nicht glaube, was man aber nicht ausschließen kann, dann geht das auch in Ordnung. Ich erinnere da nur an Sackashwilli. Der könnte charakterlich ein Zwilling von Erdogan sein. Auch dieser Mann war extrem emotional, impulsiv und hat oft unüberlegte Entscheidungen getroffen. War sogar dumm genug selber einen Krieg gegen Russland anzufangen. Viele hatten zunächst ungläubig geguckt. Georgien greift Russland an? Das kann nicht richtig sein. Aber doch, Sackashwilli war eben so einer. Sehr impulsiv, sehr emotional, ein Erdogan auf Steroiden. Der Westen hat ihn unterstützt, obwohl man wusste was für ein Mann das ist. Der hat seine Emotionen halt bei anderen freigelassen. Da war es für den Westen dann auch vollkommen in Ordnung. Jetzt kommt einer und lässt seine Emotionen gegen den Westen frei. Verdient würde ich sagen. Mehr als verdient.
solapgir 26.07.2018
4. Dieser Pastor ist ein eindeutig ein provokateur
So arbeitet der amerikanische Geheimdienst seit Jahren . Diese Systematik ist bestens bekannt siehe selbst Aussage Trump im Falle Iran. Im Falle Türkei hat es nicht geklappt weil die Türkei und ihr Volk dieses durchschaut haben . Die Türken sind im Kollektiv nicht so dumm wie manch andere Demokratien . Siehe snowden und Julian assange.
pmf2 26.07.2018
5. Danke !
Aber dazu braucht man eine ‚Wer die Hosen anhat‘ Einstellung. Gleichnamiges Kleidungsstück trägt Merkel zwar, jedoch mit dem Rückgrat eines Gummibärchens !
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