"Steele-Dossier" über Trump "Von einer feindlichen Staatsmacht kompromittiert"

Die Russlandaffäre um Donald Trump gewinnt an Brisanz. Die Republikaner versuchen, die Ermittlungen zu bremsen - doch neue Details über das berüchtigte "Steele-Dossier" belasten den US-Präsidenten.

Donald Trump
JIM LO SCALZO/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Donald Trump

Von , New York


Es war so spektakulär und anzüglich, dass es kaum jemand wörtlich zu zitieren wagte: Vor einem Jahr veröffentlichte die US-Website "BuzzFeed" das berüchtigte "Steele-Dossier", einen unbestätigten Geheimbericht über angebliche Russlandkontakte Donald Trumps. In seiner Notizensammlung erhob der britische Ex-Agent Christopher Steele haarsträubende Vorwürfe gegen Trump, nur zehn Tage vor dessen Amtseinführung. Erpressbarkeit war dabei nur die harmloseste Anschuldigung.

Das 35-seitige Dossier, das auch dem FBI vorlag, wurde zur Bibel des Trump-Widerstands - und zum roten Tuch für die Anhänger des Präsidenten, der es bis heute als "Fake News" bezeichnet. Seither verschwand die Akte aber aus dem Bewusstsein der meisten Amerikaner - ein Mythos, über den man nur tuschelte.

Bis jetzt. Diese Woche drängte sich das "Steele-Dossier" wieder in den Mittelpunkt der Debatte.

Grund: die Aussage des Mannes, der das Dossier in Auftrag gegeben hatte. Glenn Simpson, Chef der Detektei Fusion GPS, trat schon im August hinter verschlossenen Türen als Zeuge vor den Justizausschuss des Senats, doch die Republikaner hielten das Transkript unter Verschluss. Warum, wird klar, wenn man sich durch die 312 Seiten kämpft, die die Demokratin Dianne Feinstein jetzt im Alleingang freigab - ausgerechnet, als zugleich bekannt wurde, dass Robert Mueller, der Russland-Sonderermittler, Trump vielleicht sogar persönlich verhören will. Auch wenn der Präsident seine Bereitschaft dazu jetzt einschränkte.

Robert Mueller
REUTERS

Robert Mueller

Simpson untermauert die Glaubwürdigkeit des Dossiers. Seine verspätet veröffentlichte Aussage offenbart zugleich, wie panisch die Trump-Regierung und ihre republikanischen Vasallen versuchen, es zu diskreditieren und zu begraben.

Republikaner versuchen, das Dossier zu bremsen

Diese Bemühungen wurden intensiviert, je mehr das Dossier von unabhängigen Quellen bestätigt wurde. Anfangs noch willens, die Russlandaffäre aufzuklären, traten die Republikaner plötzlich auf die Bremse. Zwei der drei Kongressausschüsse, die sich damit befassen, sind mittlerweile blockiert.

Wie nahe ihm das geht, zeigte Trump am Mittwoch: Da keilte er auf Twitter gegen die Veröffentlichung des Transkripts und "die heimtückische Feinstein". Parallel erhob sein Anwalt Michael Cohen, der in dem Dossier ebenfalls prominent vorkommt, Verleumdungsklagen gegen Simpson, Fusion GPS und "BuzzFeed".

Zehn Stunden lang hatte Simpson dem Ausschuss im August 2017 Rede und Antwort gestanden. Die Kernaussagen:

  • Russlands Angriff auf die US-Präsidentschaftswahlen zugunsten Trumps nannte Simpson "kriminell" und "Spionage". Diese "Wahlhilfe" habe Trump "begierig akzeptiert". Trotzdem tat Trump die Russlandaffäre am Mittwoch erneut als "Schwindel der Demokraten" ab, auch im Widerspruch zu seinen Geheimdiensten.
  • • Trumps "Verbindungen zum organisierten Verbrechen" und "zum Kreml" seien "kein großes Geheimnis" gewesen, sagte Simpson. "Wir stießen auf umfassende Beweise, dass Trump und sein Konzern mit einem breiten Spektrum dubioser Russen in Arrangements zusammenarbeiteten, die oft Fragen der Geldwäsche aufwarfen", ergänzte er vorige Woche in einem Essay für die "New York Times".
  • Das oft fragwürdige Geld, das in Trumps Immobilienkonzern geflossen sei, sei "unter anderem auch aus Kasachstan gekommen". Kasachstans autokratischer Präsident Nursultan Nasarbajew hat sich für kommenden Dienstag zu Besuch bei Trump angekündigt, das Weiße Haus pries in einer Erklärung bereits vorab seine "Führungskraft".
Glenn R. Simpson
AP

Glenn R. Simpson

  • Trumps Russland-Kontakte seien so "alarmierend" gewesen, dass Steele - zuvor der Russland-Experte des britischen MI6 - ein "nationales Sicherheitsrisiko" befürchtet habe, weil Trump womöglich "von einer feindlichen Staatsmacht kompromittiert" worden sei. Steele habe im September 2016 das FBI informiert.
  • Das FBI habe zu der Zeit bereits einen ähnlichen Verdacht geprüft - aufgrund "glaubwürdiger" Informationen einer "Quelle in der Trump-Organisation". Das könnte Trump-Berater George Papadopoulos gewesen sein, der mit Mueller kooperiert. Kurz vor der Wahl habe das FBI aber via "New York Times" gestreut, es habe "keine klaren Hinweise auf Russland-Verbindungen Trumps", und den Kandidaten so entlastet. Steele habe den Kontakt abgebrochen: "Er fürchtete, dass das FBI politisch manipuliert wurde."
  • Simpsons Anwalt Joshua Levy sagte, dass infolge des Dossiers "bereits jemand ermordet" worden sei, mutmaßlich eine der in dem Bericht nicht genannten Quellen Steeles: "Leuten, die den Russen in die Quere kommen, wird wehgetan."
  • Steele und Simpson ermittelten demnach außerdem, dass Trump bei Weitem nicht so reich sei, wie er behaupte: "Seine Angaben über den Wert seiner Besitztümer waren sehr übertrieben." Seine Golfanlagen seien oft "nicht profitabel".

So sehr die Republikaner auch versuchen, die Ermittlungen zu blockieren - diese Aussagen verleihen dem Steele-Mythos neues Gewicht. Die Russlandaffäre sitzt Donald Trump weiter hartnäckig im Nacken.



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flux71 11.01.2018
1.
Diejenigen, die Trump kritisch sehen, werden jeden Funken Hoffnung nehmen, den sie bekommen können. Sie werden dankbar sein, von SPON solche Artikel zu lesen zu bekommen, und sie werden sich so lautstark wehren, wie sie es nur können, um die Trump-Befürworter eines besseren zu belehren. Die Trumpisten jedoch werden es nicht einmal dann glauben, dass Trump Dreck am stecken hat, wenn er es selbst sagt. Sie werden statt dessen die alt-bekannte "Ja, aber"-Strategie fahren, um vom eigentlich Widerlichen abzulenken, es zu verharmlosen oder schönzureden. Leider, leider, leider ist es jeden einzelnen Tag immer dasselbe. Die Verbohrtheit neublauer Gesinnung ist an ihrer Maßlosigkeit nicht mehr zu übertreffen. Wie ist da bloß wieder rauskommen?
tiger-li 11.01.2018
2. Kartenhaus
Vielleicht und nur vielleicht ist die Welt am Ende doch gerecht; und all die Lügen und Fakes knallen dem Donald demnächst um die Ohren... Wahrscheinlich aber ist die Welt eben nicht gerecht und das Kartenhaus der Lügen wackelt aber bleibt stehen...
nachfrager2015 11.01.2018
3. Wann erfahren wir endlich wie Putin die Wahl manipuliert hat?
Ich halte nichts von Trump, deshalb würden mich auch endlich einmal Details zur Wahlmanipulation der Russen interessieren und was/wie manipuliert war und wer es wie in Auftrag gegeben hat. Vielleicht bekommen wir hierzu einmal einen Artikel, bisher immer nur wer was behauptet zu Wissen, wenn es so wäre, danke im vorraus.
nahal 11.01.2018
4. im Auge des Betrachters
"The Trump dossier’s credibility is collapsing" https://nypost.com/2018/01/10/the-trump-dossiers-credibility-is-collapsing/ Wie fast immer, es gibt verschiedene Interpretationen.
raoul2 11.01.2018
5. Trump selbst ist sowieso schon desavouiert
Was eigentlich alle Menschen in meiner Umgebung umtreibt, ist die Frage, wie die Leute in seiner unmittelbaren Umgebung mit diesem Wissen leben und "einfach so" weitermachen können. Politische Mitarbeiter in dieser Position müssen doch wissen, daß dieser Geruch der Mittäterschaft für immer an ihnen haften bleiben wird und niemals wieder entfernt werden kann. Wie werden die damit fertig?
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