TV-Debatte der Republikaner Donald Trump erfindet sich neu

Plötzlich präsidial: Kurz vor den wichtigen Vorwahlen in Florida gibt Donald Trump den Versöhner. Seinen Gegnern in der eigenen Partei bleibt wohl nur noch eine Option, um ihn auszubremsen.

Von , Washington

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Die TV-Debatten der Präsidentschaftskandidaten der republikanischen Partei sind bei Amerikas Fernsehzuschauern inzwischen fast so beliebt wie ein gutes American-Football-Spiel oder ein Boxkampf. Man trifft sich bei Bier und Chips und erwartet das nächste politische Gemetzel. Die TV-Sender zählen die Stunden und Minuten bis zu den Debatten in einem Countdown rückwärts. So wie bei einem Raketenstart.

Doch die Zeiten, in denen sich die Kandidaten als "Lügner" beschimpften, sind - zumindest vorübergehend - passé. Am Donnerstagabend trafen sich die vier verbliebenen Kandidaten zum TV-Schlagabtausch und es wurde mal nicht über Penislängen, sondern über Politik gesprochen. Über den Klimawandel, über Israel, über Bildung. Kaum ein böses Wort fiel. "Wir sind ja so zivilisiert heute", witzelte Donald Trump.

Der Tonwechsel der Republikaner hat einen Grund: Allen Kandidaten scheint bewusst zu sein, dass sie es beim politischen Nahkampf in den vergangenen Wochen wohl ein wenig übertrieben haben. Kurz vor den wichtigen Vorwahlen in Florida und Ohio am kommenden Dienstag will jeder der Vier beweisen, dass er präsidiales Format hat - da passen rüde Schreiereien mit den Parteifreunden nicht so recht ins Bild.

Vor allem Donald Trump präsentiert sich als Versöhner. Seit einigen Tagen schon ruft er die eigene Partei dazu auf, den Streit einzustellen und die Reihen gegen die eigentlichen Gegner zu schließen - die Demokraten.

Trump geht auf seine Gegner zu

Trump fühlt sich nach einer Reihe von Siegen wohl stark genug, um auf seine Gegner in der Führung der republikanischen Partei zuzugehen. "Lasst uns zusammenstehen, lasst uns schlau sein", rief er ihnen bei der TV-Debatte mit großer Geste zu. Die drei anderen Kandidaten Marco Rubio, Ted Cruz und John Kasich standen schweigend daneben, wie Statisten in einer schlechten Komödie.

Sollte Trump seine Erfolgsserie bei den Vorwahlen in den nächsten Wochen mit ähnlich guten Ergebnissen fortsetzen, könnte er spätestens im Juni die notwendige Zahl von 1237 Delegierten erreichen. So viele Stimmen braucht er, um beim Parteitag der Republikaner im Sommer sicher zum Kandidaten gewählt zu werden. Aktuell hat der Milliardär 458 Delegiertenstimmen eingesammelt, sein ärgster Rivale Cruz liegt bei 359 Stimmen, Rubio erreicht lediglich 151 Stimmen.

Und vieles spricht für weitere Trump-Erfolge. In etlichen Staaten, in denen in den kommenden Wochen gewählt wird, sehen Umfrageinstitute Trump entweder in Führung oder auf Platz zwei. Die Wahlen in Florida und Ohio am Dienstag könnten ebenfalls gut für ihn ausgehen.

Alle schauen auf Florida und Ohio

Beide Staaten sind so genannte "Winner-take-all-Staaten". Mit anderen Worten, die Delegiertenstimmen des jeweiligen Staates werden dann nicht mehr wie bisher proportional nach Prozentpunkten auf die Kandidaten verteilt, sondern der Sieger erhält alle Stimmen für sich. Allein in Florida könnte Trump auf einen Schlag 99 Stimmen holen, in Ohio sind es 66 Stimmen.

Für Trumps Rivalen sieht es hingegen recht düster aus. Marco Rubio dürfte endgültig aus dem Rennen sein, wenn es ihm nicht gelingt, seinen Heimatstaat Florida zu gewinnen. Und auch Ted Cruz liegt in Florida weit hinter Trump. Andere Staaten, in denen bald gewählt wird wie etwa Illinois oder North Carolina gelten ebenfalls nicht gerade als "Cruz-Land". John Kasich wiederum hätte wohl Chancen, seinen Heimatstaat Ohio zu gewinnen, das würde aber für eine Aufholjagd kaum ausreichen.

Ob Trumps vermeintliches Versöhnungsangebot vom republikanischen Establishment angenommen wird, ist ungewiss. Zwar konnte er sich bereits die Unterstützung des gerade ausgeschiedenen Präsidentschaftskandidaten Ben Carson sichern. Doch führende Strippenzieher der Republikaner im Kongress setzen weiterhin alles daran, den Außenseiter Trump als Präsidentschaftskandidaten doch noch zu verhindern.

Alle ihre Hoffnungen ruhen jetzt darauf, dass Trump die Parteitagsmehrheit von 1237 Delegierten doch nicht erreicht. Dann bestünde die Möglichkeit für das Partei-Establishment, bei einer so genannten "Contested Convention" einen Gegenkandidaten aufzustellen. Es würde vermutlich in mehreren Wahlgängen zu Kampfabstimmungen kommen.

John Kasich gilt als einer der möglichen Kompromisskandidaten, die das Establishment dann gegen Trump ins Rennen schicken könnte. Er ist von allen vier Kandidaten mit Abstand der Politiker mit der meisten Erfahrung und den besten Kontakten in Washington. Und seine Positionen sind im Vergleich mit Trump und Cruz noch einigermaßen moderat.

Kasich hat sich bislang zu den Planspielen noch nicht geäußert. Für ihn könnte es auch noch eine zweite Option geben: Um Kasich aus dem Spiel zu nehmen, könnte Trump ihm den Posten des künftigen Vizepräsidenten anbieten. Dann wären die Trump-Gegner allerdings endgültig am Boden.

Videoanalyse: Roland Nelles über die Vorwahlen in Michigan

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insgesamt 43 Beiträge
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johannesraabe 11.03.2016
1.
SPON könnte selbst an seiner Argumentationsstruktur merken, warum Donald J. Trump von den Wählern gewählt wird. Weil die Parteiführung in D.C. offenbar macht, was sie will, und SPON fällt voll drauf rein. Wollen sie sich wirklich von der republikanischen Parteiführung instrumentalisieren lassen? Noch vor Wochen berichtete der Spiegel wie auf Abtreibungsärzte in den USA gefeuert wird und in den letzten Wochen hoffen sie,dass der radikale Christ Cruz Trump abfängt. Sie drehen sich im Kreis, skizzieren sie doch lieber mal ein reales Bild, was die USA mit Trump für eine Zukunft hätte, stellen sie das Wahlprogramm vor und informieren sie endlich anstatt Gegenkampagnen zu fahren.
kuac 11.03.2016
2.
Was ist los mit den USA? Die besten Unis der Welt, die meisten Nobelpreisträger, beste Raumfahrtmissionen und aller neueste Technologien haben sie. Aber, die Kandidaten der Reps, das ist ein Armutszeugnis für dieses Land. Warum kommen keine besser qualifizierte Kandidaten dran? Liegt am System?
janne2109 11.03.2016
3. da
da kann man ja nur noch hoffen, dass die Amerikaner dann zu den Demokraten wechseln, leider kenne ich den dämlichen Spruch vor vielen Jahren- ach was soll, wir haben einen Bush überlebt wir werden den anderen auch überlegen.
uksubs 11.03.2016
4. die rache
der frustrierten weißen amerikaner scheint trump zu sein, wenn man sich dazu noch die folgende schlagzeile ansieht. und beschreibt gleichzeitig, dass die geister, die er rief, nun da sind. das war es wohl, als asterix ausrief, die spinnen, die amis - er meinte die republikaner.
t dog 11.03.2016
5. Parteiengeklüngel
Durch den unkonventionellen Politstil von Donald Trump sehen sich natürlich alte, verknöcherte Parteistrukturen bedroht. Alte Machtstrukturen der innerparteilichen Seilschaften drohen ihre Bedeutung zu verlieren, wenn Trump Präsident wird. Trotzdem sollten Sie ihn aus purem Eigennutz helfen, denn wenn er als Unabhängiger die Präsidentschaft gewinnt, dann ist der Schaden für die Republikaner weit aus größer. Donald Trump wird der nächste US Präsident. Das steht schon heute fest.
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