Twitter 470.000 Trump-Retweets kamen von russischen Bot-Accounts

Donald Trump hatte im US-Wahlkampf Hilfe aus Russland. Twitter beziffert, dass automatisierte russische Accounts Trumps Botschaften verstärkten, und zwar deutlich öfter als die seiner Rivalin Clinton.

Trump-Tweet mit 36.700 Retweets
DPA

Trump-Tweet mit 36.700 Retweets


Für US-Präsident Donald Trump ist der Kurznachrichtendienst Twitter ein wertvolles Werkzeug: Er spricht damit schon kurz nach dem Aufstehen direkt zum Volk, weist Kritik an seiner Person von sich oder lenkt mit kalkulierten Provokationen von den eigentlichen Problemen ab.

Mehr als 47 Millionen Empfänger-Accounts erhalten seine Nachrichten, die meist auch noch Zehntausende Male weitergeschickt, im Twitter-Sprech "retweetet", werden.

Nützlich war der Mitteilungsdienst Twitter im US-Wahlkampf 2016 aber nicht nur für den späteren Wahlsieger Trump. Mutmaßlich nutze ihn auch die russische Regierung bei ihrem Versuch, Einfluss auf die politische Zukunft der USA zu nehmen. Inwieweit das gelang und wie die Beeinflussung über soziale Meiden funktionierte, untersucht in den USA unter anderem der Justizausschuss des US-Senats. Das Gremium befragt dazu die Tech-Konzerne Facebook, Google und Twitter nach russischen Aktivitäten auf ihren Plattformen.

Twitter teilte dem Ausschuss nun Interessantes mit: Tweets vom Konto @RealDonaldTrump erhielten in der heißen Phase des US-Wahlkampfs zwischen September und Mitte November 2016 eine große Anzahl Retweet von russischen Fake-Accounts. Von insgesamt elf Millionen Retweets wurden laut der Analyse Twitters 470.000 - oder 4,25 Prozent - von russischen Bots verschickt.

Twitter-Zahlen belegen Einflussnahme zugunsten Trumps

Auch wenn das kein großer Anteil ist, wurden Botschaften Trumps damit von russischen Fake-Accounts, hinter denen keine echten Menschen stehen, deutlich häufiger geteilt als Tweets von seiner Rivalin @HillaryClinton. Vor deren 8,6 Millionen Retweets kamen nur knapp 48.000 - und damit gut 0,5 Prozent - von russischen Bots.

Donald Trump
AP

Donald Trump

Die Zahlen belegen, dass die russische Einflussnahme zumindest im Fall Twitter klar zugunsten von Donald Trump ausfiel. Zuerst hatte die US-Wirtschaftsnachrichtenseite"Bloomberg" berichtet.

Allerdings weist Twitter in seinem Bericht an den Senat darauf hin, dass insgesamt lediglich ein Prozent aller 212 Millionen Tweets mit Wahlkampfbezug im genannten Zeitraum von russischen Bots versendet wurden.

Ganz neu ist die Erkenntnis, dass Bots auf Twitter die Realität zugunsten Trumps verzerren, nicht: Schon während des ersten TV-Duells zwischen Clinton und Trump hatten Bots den Hashtag #TrumpWon in höchste Höhen getrieben. Ein Drittel der Tweets kam von Maschinen.

Verloren wurde die Wahl von Clinton am Ende freilich an der Wahlurne. Die Frage, welche Rolle Russland spielte - und ob womöglich Trumps Wahlkampfteam noch weitere Hilfe aus Russland hatte -, versuchen neben dem Senatsausschuss für Justiz und dem Geheimdienstausschuss auch noch der FBI-Sonderermittler Robert Mueller zu klären.

cht



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