Trump erklärt seine Tweets "Bing-bing-bing"

Twitter, räumt Donald Trump unumwunden ein, ist der Schlüssel zu seinem Erfolg. Wenn er eine Botschaft absetze, erreiche sie sofort Millionen - unter Umgehung der Medien, die ihn ständig nur unfair behandelten.

Screenshot von @realDonaldTrump
Twitter/ Donald J. Trump

Screenshot von @realDonaldTrump


US-Präsident Donald Trump hat seinen regelmäßigen Botschaften über den Kurznachrichtendienst Twitter als Schlüssel für seinen Erfolg im Präsidentschaftswahlkampf verteidigt. Mit seinen Kurzbotschaften könne er eine unfaire Medienberichterstattung umgehen, sagte Trump laut Transkript in der Aufzeichnung eines Auftritts im Sender "Fox".

"Zu twittern ist wie eine Schreibmaschine - wenn ich sie rausschicke, bringen Sie es sofort in Ihrer Show", sagte Trump. Ohne seine Aktivitäten in sozialen Medien hätte er es wahrscheinlich nicht bis ins Weiße Haus gebracht. Seine Konten bei Facebook und sein Twitter-Account seien "enorme Plattformen". "Wenn jemand etwas über mich sagt, kann ich - bing, bing, bing - mich darum kümmern", sagte der US-Präsident.

Trump nutzt die sozialen Medien so stark wie kaum ein anderer Politiker, er greift meist schon in den frühen Morgenstunden zum Smartphone. An manchen Tagen verschickt er mehr als ein Dutzend Kurznachrichten. Mehr als 40 Millionen Menschen folgen ihm auf Twitter. Die Kurzbotschaften reichen von politischen Kommentaren bis hin zu persönlichen Beleidigungen.

In der Nacht zum Sonntag etwa lobt er sich wieder einmal selbst: Keine andere Regierung, behauptet er via Twitter, habe in den ersten neun Monaten ihrer Amtszeit so viel bewegt wie er:

Trumps Tweets, hatte sein inzwischen zurückgetretener Sprecher Sean Spicer einmal gesagt, seien "als offizielle Äußerungen des Präsidenten der USA anzusehen". Sie können erhebliche Auswirkungen haben, ob er sich nun über die Handelsbilanz mit Deutschland beschwert, seinen Einreisestopp für Reisende aus einigen muslimischen Ländern verteidigt oder den entlassenen FBI-Chef kritisiert. Was unlängst die Diskussion entfacht hat, wie von offizieller Seite mit den Botschaften umzugehen ist: Muss alles, was über das Konto @POTUS verschickt wird, im Nationalarchiv gespeichert werden? Und was ist mit den Äußerungen auf @realDonaldTrump?

Der demokratische Abgeordnete Mike Quigley hat einen entsprechenden Gesetzesentwurf im Repräsentantenhaus eingebracht. Anlass war der seltsam kryptische und offensichtlich verunglückte "Covfefe"-Tweet des US-Präsidenten vom 31. Mai - der nach neun Stunden gelöscht wurde. Und das geht bei "offiziellen Äußerungen" des Staatschefs natürlich gar nicht.

Ein Segen für Twitter

Trumps Tweets sind ein Segen für das kriselnde soziale Netzwerk, seine kontroversen Botschaften entfalten enorme Reichweite, werden von Nachrichtenagenturen und Medienhäusern auf der ganzen Welt aufgegriffen und verbreitet. Das steigert die Bekanntheit von Twitter.

Experten schätzen, dass allein wegen Trump eine Menge neue Nutzer auf die Plattform gespült wurden: Allein die Hälfte des für das Frühjahr 2017 verzeichneten Nutzerwachstums soll auf ihn zurückgehen. Während seines Wahlkampfs hatte Trump bereits rund 17 Millionen Follower, heute sind es mehr als doppelt so viele.

Analysten meinen, dass sich Trumps Tweets auch wirtschaftlich für das soziale Netzwerk auszahlen. James Cakmak, Analyst bei der US-Investmentgesellschaft Monness Crespi Hardt, schätzt den Wert von Trump für Twitter auf zwei Milliarden Dollar - fast ein Fünftel des gesamten Firmenwerts. "Es gibt keine bessere Werbung für Twitter als den Präsidenten der USA", sagte Cakmak der Nachrichtenagentur Bloomberg.

oka/Reuters



insgesamt 70 Beiträge
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michelpartei 22.10.2017
1. Trump zeigt den Menschen damit , ein USPräsident hat keine Macht.
Der Amerikanische Präsident als mächtigster Mann der Welt ist ein Irrtum. Die Demokratie und die Netzwerke in Amerika fesseln jeden Präsidenten eng ein. Das musste auch Trump erkennen und versucht so was wie eine außerparlamentarische Opposition, gegen die eigenen Leute über Twitter . Mächtig sind Putin und Merkel die man nicht einmal abwählen kann und die Politik über die Köpfe der Bürger machen. Das ärgert Trump und er macht im Land Stimmung gegen alles bis man ihn zurück pfeift. Also alles halb so schlimm, er wird auch keine Knöpfe drücken können , aber er darf drohen. Ist doch schon was.
udo l 22.10.2017
2. Medien wie
Twitter, Facebook und Co als "soziale" Medien zu bezeichnen ist mittlerweile schon mehr als Krotesk.
Keksefüralle 22.10.2017
3. Alle sind ja sooo gemein zu ihm
Wir auch. Früher nannte man so was Heulsuse.
frenchie3 22.10.2017
4. @2 "Soziale" Medien
Bitte nicht immer auf den Übersetzungsfehler reinfallen. Social = Gemeinsam. Also "Medien für alle"....leider auch für Präsidenten
frenchie3 22.10.2017
5. Und das schlimme ist
Donnie hat RECHT! So, Ihr Donniebasher, auch Trumpie kann die Wahrheit sagen!! Und beweist dabei wie tief die Welt gesunken ist. Ach.... hätte er nur nicht recht
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