Kampf gegen Jugendgangs US-Präsident ermuntert Polizisten zu mehr Gewalt

Geht es nach Donald Trump, können Polizisten härter mit Verdächtigen umgehen. Das machte der US-Präsident bei einer Rede deutlich - und erntete viel Applaus von den Ordnungshütern.

US-Präsident Donald Trump
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US-Präsident Donald Trump


US-Präsident Donald Trump hat Polizisten indirekt aufgefordert, bei Festnahmen weniger Rücksicht auf die Verdächtigen zu nehmen. Für ihn sei ein viel härterer Umgang mit Festgenommenen völlig in Ordnung, etwa indem man ihre Köpfe beim Einsteigen nicht mit der eigenen Hand schütze, sagte Trump. Polizisten sollten nicht zu nett sein, wenn sie Kriminelle in den Laderaum eines Polizeitransporters werfen würden.

Bei den Polizisten kam das gut an: Sie jubelten, applaudierten und stimmten "USA, USA"-Sprechchöre an. Trump versprach, der Polizei immer hundert Prozent Rückendeckung geben, anders als das in früheren Zeiten der Fall gewesen sei.

Polizisten halten Verdächtigen beim Einsteigen ins Auto die Hand über den Kopf, damit sie sich nicht am Fahrzeug stoßen und verletzten können. In sozialen Medien wurden Trumps Äußerungen und der Jubel der Polizisten scharf kritisiert: Es sei unglaublich, dass der Präsident Ordnungshüter offen zur Gewalt auffordere. Es gab aber auch viel Zustimmung.

Die USA haben ein großes Problem mit Polizeigewalt. Immer wieder werden Menschen bei Festnahmen verletzt oder getötet, ohne dass die Polizisten dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Häufig ist die Gewalt rassistisch motiviert und richtet sich gegen Schwarze.

MS-13 für große Brutalität bekannt

In seiner Rede bezeichnete Trump Mitglieder bestimmter Banden als Tiere. Er kündigte an, die berüchtigte Jugendgang "MS-13" aus New York City vertreiben zu wollen. In der Gemeinde Brentwood auf Long Island sind in den vergangenen anderthalb Jahren 17 Menschen von der Bande getötet worden.

Trump hatte bereits am Dienstag in einer Rede vor Anhängern im Bundesstaat Ohio verkündet, dass seine Regierung dabei sei, die US-Städte mit Razzien von "blutdürstigen kriminellen Gangs" zu "befreien". Er fügte hinzu, dass dies nicht auf "die politisch korrekte Art" getan werde. "Unsere Kerle sind rauer als ihre Kerle", sagte er.

Seit Jahresbeginn haben Beamte des US-Heimatschutzministeriums nach Angaben des zuständigen Abteilungsleiter Tom Homan über 3000 Gang-Mitglieder festgenommen. Vergleichszahlen für das Vorjahr nannte er nicht.

Mitglieder der Jugendgang MS-13
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Mitglieder der Jugendgang MS-13

Trump beschrieb in drastischen Worten die Brutalität der Bande. Diese benutze keine Schusswaffen, weil das Töten so "zu schnell geht", sagte er bei seiner Rede in Youngstown in Ohio. Die Bande schnappe sich "junge, schöne" 15- und 16-jährige Mädchen und schlitze diese mit dem Messer auf, damit ihr Tod besonders qualvoll sei. Konkrete Fälle von solchen Morden nannte der Präsident nicht.

Die MS-13 ist für ihre große Brutalität bekannt. Gegründet wurde die Bande in den Achtzigerjahren in Los Angeles von jungen Einwanderern. Zahlreiche Mitglieder der Gang wurden über die Jahre aus den USA abgeschoben, in der Folge breitete sich die Bande auch in Zentralamerika aus. Sie ist unter anderem auf Drogenhandel, Erpressungen und Entführungen spezialisiert.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes hieß es, Trump halte es für eine gute Idee, den Kopf eines Verdächtigen gegen eine Auto zu schlagen. Das war ein Übersetzungsfehler, wir haben das korrigiert.

bam/dpa/AFP



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