Härterer Umgang mit Verdächtigen Trumps Ermunterung an Polizisten - nur ein Witz?

Der US-Präsident hat Polizisten aufgefordert, Verdächtige bei Festnahmen ruhig ein wenig ruppiger anzupacken. Alles nur ein Witz, behauptet nun seine Sprecherin. Der Chef der Drogenbehörde findet es weniger lustig.

Donald Trump bei seiner Rede am Suffolk Community College
AFP

Donald Trump bei seiner Rede am Suffolk Community College


Polizeigewalt ist ein großes Problem in den USA. Das scheint der Präsident allerdings anders zu sehen. Ansonsten ist es kaum zu erklären, wieso Donald Trump jüngst bei einem Auftritt in einem Community College auf Long Island die anwesenden Polizeibeamten dazu ermunterte, Verdächtige härter anzufassen. "Seid nicht zu nett", sagte Trump. Seinen Vorschlag, beim Verfrachten der Menschen in den Streifenwagen einfach die schützende Hand am Kopf der Person wegzulassen, quittierten zumindest einige der Polizisten johlend mit Applaus.

Der Chef der Drug Enforcement Administration (DEA), Chuck Rosenberg, war von dem präsidialem Ratschlag weniger angetan. In einer am Dienstag bekannt gewordenen E-Mail erinnerte er seine rund 5000 Bundesagenten an Tugenden wie "Respekt und Mitgefühl". Der Präsident hätte mit seiner Äußerung polizeiliches Fehlverhalten gebilligt, schreibt Rosenberg weiter. Es sei deshalb seine Verantwortung, Alarm zu schlagen. "Weil wir verpflichtet sind, zu widersprechen, wenn etwas nicht richtig ist."

Seine Rundmail sei allerdings nicht so zu verstehen, als dass er an der Tadellosigkeit der DEA-Beamten zweifele, so Rosenberg weiter. Vielmehr seien die Zeilen in erster Linie an den Präsidenten gerichtet. Rosenberg wurde 2015 noch unter Barack Obama zum Chef der DEA ernannt. Die Bundesbehörde spielt eine wichtige Rolle im von Trump angekündigten Kampf gegen das Drogenproblem in den USA.

Nach dem die Empörung über die Trump Rede größer wurde, sah sich das Weiße Haus gezwungen die Sache herunterzuspielen. Die Äußerungen des Präsidenten seien keine Anweisung, sondern ein Witz gewesen, sagte seine Sprecherin Sarah Sanders. Die Medien versuchten wieder einmal aus einer Mücke einen Elefanten zu machen.

Unterstützung von größter Polizeigewerkschaft

Unterstützung bekommt Trump, der auch mit der Forderung nach mehr Polizeikräften und einem strikten Law-and-Order-Kurs Wahlkampf gemacht hatte, vom Chef der größten Polizeigewerkschaft. Die Bemerkungen des Präsidenten - "I said, you can take the hand away, okay?" - würden von den Medien zu ernst genommen.

Besonders schwarze Polizeibeamte äußerten sich im Nachgang jedoch besorgt, dass Trumps Bemerkungen mühsam zurückgewonnenes Vertrauen vor allem in der schwarzen Bevölkerung zunichte machen könnten. In den USA müssen jährlich rund 51.000 Menschen wegen Polizeigewalt im Krankenhaus behandelt werden. Viele schwarze Männer überleben ihren Begegnung mit der Staatsgewalt nicht.

Auch die bei Trumps umstrittener Rede anwesenden Polizisten des Suffolk County Police Department stehen seit einiger Zeit unter Beobachtung. Seit 2013 werden sie vom US-Justizministerium kontrolliert. Vorangegangen war eine zwei Jahre dauernde Untersuchung, weil den Beamten die Diskriminierung der rund 300.000 Latinos in ihrem Bezirk vorgeworfen worden war.

Im November vergangenen Jahres wurde zudem der damalige Chef des Suffolk County Police Departments zu fast vier Jahren Haft verurteilt. Er hatte einen mit Handschellen gefesselten Mann zusammengeschlagen. In diesem Zusammenhang wurde auch gegen mehrere seiner Kollegen ermittelt.

löw/AP/dpa



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