Erste Wochen des US-Präsidenten Kreml von Trump enttäuscht

Donald Trump, ein echter Kerl und ein Freund Moskaus: Russlands Führung hatte große Hoffnungen in den neuen US-Präsidenten. Nun wird sie nahezu täglich enttäuscht. Und reagiert kühler.

Wladimir Putin
AP/ Kremlin/ Sputnik

Wladimir Putin

Von , Moskau


Was waren das für Zeiten, als der prominente russische Fernsehmoderator Dmitrij Kisseljow den US-Präsidenten Donald Trump "einen echten Kerl" nannte.

Mit Trump sitze ein Freund Moskaus im Weißen Haus - den Eindruck musste man bekommen, wenn man das russische Staatsfernsehen einschaltete oder die kremlnahen Zeitungen aufschlug. Überall wurde Trump gepriesen: Sein Plan für den Mauerbau an der mexikanischen Grenze sei "konsequent und gründlich", der Einreisebann für Flüchtlinge und Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern "mutig".

Es sei schon seltsam, dass der Tag von Trumps Amtsantritt nicht zum landesweiten Feiertag in Russland erklärt worden sei, spottete die kremlkritische Wochenzeitschrift "The New Times".

Vier Wochen später ist die Euphorie verflogen.

Auch die sonst so kremlloyalen Patrioten von der Nationalen Befreiungsbewegung haben genug vom "Trump-Kult" in den Medien. Aus Protest zogen sie am Mittwoch sogar vor den Sitz der Propagandaagentur Rossija Segodnja in Moskau, deren Chef Moderator Kisseljow ist.

Moskau hatte große Hoffnungen in Trump gesetzt, und nun wird die russische Führung Tag für Tag enttäuscht.

Eine Wende markierte der Rückzug von Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn. Am Dienstag trat Flynn zurück, er hatte sich für eine Verbesserung der Beziehungen mit dem Kreml eingesetzt. In den folgenden Tagen gab es weitere Berichte über Kontakte enger Mitarbeiter Trumps mit russischen Geheimdienstlern im Wahlkampf und vor der Amtsübernahme.

In den Abendnachrichten des russischen Staatsfernsehen verschwieg man Flynns Rücktritt zunächst. In den staatsnahen Zeitungen wurde über den Grund des Rücktritts - also dass Flynn US-Vizepräsident Mike Pence über seine Telefonate mit dem russischen Botschafter im Dezember belogen hatte - nicht berichtet.

In Moskau sieht man Flynn als Opfer, konservative Kreise wittern die große Verschwörung. "Skandalös" sei der Rückzug des Generals, urteilt die Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta" und sieht eine "neue Welle der Hysterie gegen Russland" gekommen. "Die Feinde Trumps werden ihn mit Hilfe der Geheimdienste und Medien bis zu seinem Rücktritt vernichten. Nun ist das Ziel Trump selbst", twitterte der Senator und Außenexperte Alexej Puschkow. Von "Paranoia" in Washington sprechen andere.

Donald Trump
AFP

Donald Trump


Russische Medien und Politiker verteidigen den US-Präsidenten weiter. Auch Kremlsprecher Dimitrij Peskow leistet dabei Unterstützung. Er wies Berichte über Gespräche von Trumps Leuten mit russischen Agenten gewohnt kurz angebunden zurück. Das beruhe "weder auf Tatsachen noch konkreten Fakten".

Dabei hatte bereits am 10. November Vizeaußenminister Sergej Rjabkow in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Interfax bestätigt, dass es Kontakte mit dem Trump-Team im Wahlkampf gab. Carter Page, mehrere Jahre lang Investmentbanker in Moskau, besuchte während des Wahlkampfs die russische Hauptstadt, er soll auch den Vertrauten von Präsident Wladimir Putin, Igor Setschin, und Vertreter der Präsidialverwaltung getroffen haben. Bestätigt sind diese Berichte nicht.

Hat die "Russlandphobie" die neue Administration erfasst?

Flynns Abgang ist der erste große Dämpfer für die Beziehung zwischen Trump und Putin. In Moskau erkennt man auch zunehmend, dass Trump kein außenpolitisches Konzept hat. Welche Deals er mit Russland anstrebt, ist nach wie vor unklar. Das erste Telefonat mit Putin hat dafür nur wenige Anhaltspunkte gegeben. Zudem nimmt Trump es mit den Tatsachen nicht so genau, handelt unberechenbar. Solche Kehrtwenden waren bisher vor allem Putins Alleinstellungsmerkmal, etwa was seine Politik gegenüber der Türkei angeht.

Trump steht darüber hinaus unter großem Druck. Mitglieder seiner eigenen Partei fordern im US-Kongress einen harten Kurs gegen Moskau. Entweder sei Trump gar nicht so souverän, wie er sich gebe, oder die "Russlandphobie hat auch die neue Administration von Kopf bis Fuß erfasst", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat, Konstantin Kossatschow.

Die Aussage von Trumps Sprecher, Washington erwarte eine Rückgabe der Krim, passt damit womöglich ins Bild. Versuchte Sean Spicer so, Trump aus der Schusslinie zu nehmen und auf die Kreml-Kritiker bei den Republikanern einzugehen? Das zeitliche Zusammenspiel mit Flynns Rücktritt ist jedenfalls offensichtlich, die empörten Reaktionen in Russland sind erwartbar.

Wobei Wiktor Ozerow, der Vorsitzende des Ausschusses für Verteidigung und Sicherheit des Föderationsrates, es bei einem Vergleich beließ: "Es wäre so, als würde man von den USA die Rückgabe von Alaska fordern." Auch Kremlsprecher Peskow reagierte zurückhaltend: "Dieses Thema werden wir nicht diskutieren, es kann auch nicht diskutiert werden." Russland bespreche seine territorialen Fragen nicht mit ausländischen Partnern.

Der recht milde Ton zeugt von der Hoffnung auf ein baldiges Treffen von Trump und Putin. Nahezu täglich ist die erste Zusammenkunft der beiden Thema in Moskau. Doch bisher gibt es noch nichts Konkretes - also wirbt der Kreml weiter auf allen Kanälen. Putin hat bereits Slowenien, die Heimat der First Lady Melanie Trump, als Treffpunkt vorgeschlagen.

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