Trotz Teherans Skepsis Trump erwartet "baldiges" Treffen mit iranischer Führung

Erst Nordkorea, dann Russland und nun Iran? Donald Trump wünscht sich ein weiteres Gipfeltreffen und ist optimistisch, dass es dazu kommt - trotz gegenteiliger Signale aus Teheran.

Donald Trump
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Ein Treffen zwischen Donald Trump und der iranischen Führung erscheint aktuell unwahrscheinlich - trotz der erklärten Offenheit des US-Präsidenten für eine solche Zusammenkunft. Dagegen spricht die Geschichte der beiden Länder genauso wie die ersten Reaktionen aus Iran. Und trotzdem geht Trump von "baldigen" Gesprächen mit Vertretern der Nation aus.

"Ich habe das Gefühl, dass sie ziemlich bald mit uns sprechen werden", sagte Trump bei einer Veranstaltung in Tampa, Florida. Gleichzeitig legte er allerdings eine betonte Gleichgültigkeit an den Tag: "Und vielleicht nicht, und das ist auch okay."

Trump hatte sich am Montag zu einem Treffen mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani "ohne Vorbedingungen" bereit erklärt. Dieses könne "jederzeit" erfolgen. US-Außenminister Mike Pompeo relativierte Trumps Angebot jedoch umgehend und nannte mehrere Bedingungen für Gespräche.

Absage durch Irans Außenminister

Iran selbst reagierte mit starker Skepsis. Außenminister Dschavad Sarif erteilte Trump gar eine klare Absage. Iran habe mit unter anderem mit den USA zwei Jahre lang Gespräche geführt, schrieb Sarif am Dienstagabend auf Twitter. Dabei sei 2015 das Atomabkommen herausgekommen, "ein einzigartiges multilaterales Abkommen". Dieses habe funktioniert. "Die USA können sich nur selbst Vorwürfe machen, dass sie sich herausgezogen und den Tisch verlassen haben", kritisierte der iranische Chefdiplomat. Im Mai hatte Trump den Ausstieg der USA aus dem Abkommen verkündet.

Vor Sarif hatten bereits andere iranische Vertreter Vorbehalte gegen Trumps Gesprächsangebot geäußert. Hamid Abutalebi, ein Berater Präsident Rohanis, stellte klare Bedingungen für ein Treffen: Der US-Präsident müsste seinen Ausstieg aus dem Atomabkommen rückgängig machen und die neuen Sanktionen gegen Teheran außer Kraft setzen.

Vize-Parlamentspräsident Ali Motahari sagte, nach Trumps früheren "verächtlichen Äußerungen" gegenüber Iran wäre es eine "Demütigung", Verhandlungen zuzustimmen. Innenminister Abdolresa Rahmani Fasli sagte, die USA seien nach ihrem Ausstieg aus dem internationalen Atomabkommen nicht vertrauenswürdig. Trumps Gesprächsangebot kam eine Woche, nachdem er und Rohani sich gegenseitig eindringlich gewarnt hatten.

Im Video: Trump will ein Treffen, Teheran ist skeptisch

Mittlerweile haben sich auch die iranischen Revolutionswächter klar gegen ein Treffen ihrer Landesführung mit Trump positioniert. Die Nachrichtenagentur Fars zitierte Generalmajor Mohammad Ali Jafari, den Kommandeur der Revolutionswächter, mit den Worten: "Mr. Trump! Iran ist nicht Nordkorea und wird Ihr Angebot für ein Treffen nicht annehmen." Nicht einmal die US-Präsidenten nach Trump würden diesen Tag erleben.

Mitte Juni hatte sich Trump nach Wochen der öffentlichen Anfeindungen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un in Singapur getroffen. Erst vor gut zwei Wochen folgte dann ein Austausch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Helsinki. Trotz Trumps Optimismus dürfte es vorerst aber nicht zu einem dritten Gipfeltreffen kommen.

Hintergründe zur aktuellen Lage in Iran lesen Sie hier.

aev/AFP

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