Rückkehr zu G8 EU schmettert Trumps Russland-Plan ab

G8 statt G7? Donald Trump will Russland wieder in den Kreis der führenden Industriestaaten zurückholen. Die EU lehnt den US-Vorstoß ab - nur Italien schert aus.

US-Präsident Donald Trump
AFP

US-Präsident Donald Trump


"Russland sollte am Verhandlungstisch sitzen." Mit diesem Vorschlag sorgte US-Präsident Donald Trump kurz vor Beginn des G7-Gipfels in Kanada erneut für Zwist mit den anderen Teilnehmern des Treffens.

An die G7-Partner gerichtet sagte Trump: "Sie haben Russland rausgeworfen, sie sollten Russland auch wieder hineinlassen." Die Aufgabe sei es, die Welt zu organisieren, und dazu werde Russland gebraucht. "Ich war Russlands schlimmster Albtraum, aber Russland sollte in diesem Treffen dabei sein."

Russland war wegen der Annexion der ukrainischen Krim 2014 aus der Gruppe ausgeschlossen worden. Weil der Status der Krim unverändert ist, war eine Rückkehr bisher kein Thema.

Doch ist Trumps Vorstoß überhaupt realistisch? Die EU jedenfalls hält nichts von einer Rückkehr Russlands und einem Comeback der G8. Die 7 sei eine gute Zahl, sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk. Zudem habe der Kreml bereits deutlich gemacht, dass er an dem Format gar nicht so sehr interessiert sei.

Tusk ergänzte aber auch, dass ihm das Verhalten des US-Präsidenten "große Sorge" bereite. Trump hatte bereits zuvor mit mehreren Vorstößen seine westlichen Verbündeten vor den Kopf gestoßen - das gilt vor allem für die von den USA verhängten Strafzölle.

Italienische Regierung unterstützt Trump

Abgelehnt wurde Trumps G8-Plan auch von Frankreich. Eine Rückkehr von Russland sei nicht logisch, heißt es laut Nachrichtenagentur Reuters in der Umgebung von Präsident Emmanuel Macron.

Kanzlerin Angela Merkel hatte eine Rückkehr Russlands in den Kreis bereits bei ihrer ersten direkten Fragestunde im Bundestag ausgeschlossen, Außenminister Heiko Maas ebenso. Auf die Frage eines AfD-Abgeordneten, ob es nicht geboten sei, den Kontakt zu Russland zu intensivieren, sagte Merkel, das G8-Format sei auf die Achtung des Völkerrechts ausgerichtet. "Die Annexion der Krim ist ein flagranter Bruch des Völkerrechts gewesen." Deshalb sei der Ausschluss Russlands aus der Gruppe richtig.

Italiens neuer Ministerpräsident Giuseppe Conte hingegen unterstützt Trumps Forderung, Russland wieder aufzunehmen. Die neue populistische Regierung in Italien aus Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega verfolgt generell eine Russland-freundliche Linie und will sich für ein Ende der Sanktionen gegen das Land einsetzen.

Beim Handelskonflikt mit den Europäern verschärfte Trump am Freitag seinen Konfrontationskurs ebenfalls. Auch wenn es nicht gelinge, die aus seiner Sicht unfairen Verträge mit den G7-Staaten zu ändern, "kommen wir umso besser weg!", twitterte er. Kurz darauf, vor seinem Abflug nach Kanada, erneuerte er seine Absicht, die US-Handelsdefizite zu korrigieren. Zugleich gab er sich zuversichtlich: "Wir werden uns alle verstehen."

als/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 41 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rigoh 08.06.2018
1. Warum sollte
die G7 die Welt organisieren? Trump braucht die anderen nur um seine Ziel durchzusetzen. Jetzt wird es Zeit dass die "G6" ihre Ziele verfolgen. Zur Not auch ohne die USA und Russland.
KingTut 08.06.2018
2. Dumm
Der Vorstoß von Trump ist angesichts der gegen ihn laufenden Ermittlungen von Robert Müller III sehr dumm. Ein Politiker in diesem Amt sollte mehr Fingerspitzengefühl haben. Im Übrigen bin ich froh über die klare Zurückweisung dieser Forderung durch die EU. Herr Trump ist nicht der Chef des G8, sondern nur ein Mitglied mit einer Stimme.
bigroyaleddi 08.06.2018
3. Tja, die Italiener ...
... man kann gespannt sein, ob und wieweit sie sich - auch innerhalb Italiens - mit ihrer Politik durchsetzen oder Erfolg haben werden. Das könnte schon der erste Angriff auf die EU sein. Schon merkwürdig, dass man an solche Dinge denkt, und nicht an Trump.
dwg 08.06.2018
4.
...und das ist auch gut so. Da sollte schleunigst ein G6 draus werden. Für den großen Kreis gibt es G20.
Atheist_Crusader 08.06.2018
5.
Russland hat sich selbst ins Abseits manövriert. Entgegen dem was die Putinfreunde hier so verbreiten hat ihn niemand gezwungen die Krim zu annektieren und den Osten der Ukraine in einen Bürgerkrieg zu stürzen. Jaja, blabla westlicher Staatsstreich und all das - aber selbst wenn das zutrifft, kann Russland imme rnoch selbst entscheiden was es tut. Hätte Russland tatsächlich geglaubt legitime Ansprüche zu haben, hätte man es zuallererst mit legalen Möglichkeiten versuchen sollen. Für die angeblich unterdrückte Krim trommeln, versuchen über die UNO ein Referendum zu erzwingen, die Ukraine zur Gleichbehandlung ihrer Bürger mahnen... ist aber nie passiert. Und jetzt will die Hälfte der Poster all das vergessen. War ja nix, neh? Ich meine, das Sudetenland hat man auch geopfert - und das hat dann ja auch den "peace of our times" gebracht, neh? Nein, Russlands Verhalten darf nicht noch belohnt werden. Die sind schon mit viel zuviel durchgekommen. Reden kann man natürlich weiterhin - reden kann man mit Jedem - aber dafür braucht es nicht die G8.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.