Paul Manafort Trumps Ex-Wahlkampfmanager soll heimlich europäische Politiker bezahlt haben

Für verdeckte Lobbyarbeit soll Donald Trumps Ex-Wahlkampfmanager mehr als zwei Millionen Euro an frühere europäische Politiker gezahlt haben. Auch ein Ex-Kanzler soll involviert gewesen sein.

Paul Manafort (Archivbild)
REUTERS

Paul Manafort (Archivbild)


Der frühere Wahlkampfmanager von Donald Trump, Paul Manafort, soll geheime Zahlungen an ehemalige europäische Politiker geleistet haben. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Anklageschrift des US-Sonderermittlers Robert Mueller hervor. Die Politiker seien demnach für Lobbyaktivitäten zugunsten des damaligen ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch und dessen prorussischer Partei der Regionen bezahlt worden.

Manafort wird vorgeworfen, die Ex-Politiker bezahlt zu haben, als unabhängige Analysten aufzutreten, obwohl sie eigentlich bezahlte Lobbyisten gewesen seien. Ein Teil dieser verdeckten Lobbyarbeit soll in den USA stattgefunden haben. Die Gruppe der früheren Politiker wurde informell "Hapsburg group" genannt und soll von einem früheren europäischen Kanzler geleitet worden sein. In der Anklageschrift (Seite 22) wird Manafort beschuldigt, der Gruppe 2012 und 2013 über Offshorekonten insgesamt mehr als zwei Millionen Euro gezahlt zu haben.

Ob mit der Bezeichnung "Kanzler" ("chancellor") ein früherer Regierungschef gemeint ist, blieb unklar. Als Regierungschef wird der Begriff in Europa nur in Deutschland und Österreich verwendet. Laut der US-Zeitung "Chicago Tribune", die sich auf einen Bericht der Nachrichtenagentur AP aus dem vergangenen Jahr beruft, beschäftigte die US-Firma Mercury LLC, die an Manaforts Lobbyismus-Aktivitäten beteiligt war, unter anderem den früheren österreichischen Kanzler Alfred Gusenbauer und den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi als Experten.

Gates bekennt sich schuldig

Mit der Anklageschrift erhöhte Mueller den Druck auf Manafort nochmals. Erst am Donnerstag hatte er die Anklagen gegen ihn und seinen Geschäftspartner Rick Gates, der ebenfalls Trumps-Berater war, erweitert. In den 32 neuen Anklagepunkten wird ihnen umfassender Steuer- und Bankbetrug zur Last legt. Sie sollen die Bundessteuerbehörde betrogen und US-Banken belogen haben, um Kredite in Höhe von rund 20 Millionen Dollar (16 Millionen Euro) zu bekommen.

Im Gegensatz zu Manafort ging Gates am Freitag auf einen Deal mit der Staatsanwaltschaft ein. Er bekannte sich der Verschwörung zum Betrug an den Vereinigten Staaten sowie der Falschaussage für schuldig. Außerdem wird er mit den Ermittlern in der Russlandaffäre kooperieren. Im Gegenzug kann Gates mit einer weitaus geringeren Strafe rechnen.

Manafort blieb trotz Gates' Schuldeingeständnis weiter bei seinem Unschuldsplädoyer. Er war im Juni 2016 zu Trumps Wahlkampfleiter ernannt worden. Nur zwei Monate später musste er den Posten wieder abgeben: Es waren Vorwürfe laut geworden, er habe mehr als zwölf Millionen Dollar von der Partei des früheren ukrainischen Präsidenten Janukowytsch erhalten, der wiederum eng mit dem Kreml verbandelt war.

Mueller untersucht, ob es illegale Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und der russischen Regierung gab und ob Trump später als Präsident versuchte, die Ermittlungen der Bundespolizei FBI zu den Russland-Kontakten zu behindern. Die Affäre wird von dem Sonderermittler und mehreren Kongressausschüssen aufgearbeitet.

Die Anklagepunkte gegen Manafort und Gates hatten bislang keinen direkten Bezug zu Trumps Wahlkampfteam.

max/AP/Reuters

insgesamt 68 Beiträge
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jj2005 24.02.2018
1. Lustige Vögel
Da ging es wohl drunter und drüber: "zwölf Millionen Dollar von ... Janukowytsch" ist ja kein Pappenstiel, bleibt nur die Frage, welcher "chancellor" hier die Hand aufgehalten hat. Vielleicht der mit den allerbesten Verbindungen zu russischen Gaskonzernen? Es bleibt spannend ;-)
JerryKraut 24.02.2018
2. Habsucht
wäre ein besserer Name für die Gruppe gewesen. Vielleicht war's der britische Chancellor of the Exchequer, also der Finanzminister.
namlob1 24.02.2018
3.
Trump ist ein "internationaler Geschäftsmann" und hat natürlich sich im Wahlkampf verhalten, wie es bedeutende Geschäftsmänner immer machen. Marketing ist das halbe Leben. Und "unabhängige Sachverständige" gibt es zu Hauf.
omanolika 24.02.2018
4. Aufhellen und Idealismus
Ganz egal, wie man sich`s ausmalt, wer denn da alles wen, wie bezahlt, in welcher Höhe denn, ja und wofür, man braucht halt doch viel Gespühr, um ein derart krankes Gemälde zu erstellen, denn dieses Dunkel kann man nicht erhellen. Wenn man jetzt verzweifelt mit dem Erhellen anfängt, und dafür nun als erstes mal Paul Manafort aufhängt, um ihn dann, zufrieden am Galgen hängen zu sehen, sollte man ehrlicher Weise ja beginnen zu verstehen, dass es - sollte es überhaupt möglich sein - dauert lange Zeit, bis man vertrieben hat die allgemeine Dunkelhaeit... "Es ist besser das kleinste Licht anzuzünden als über die allgemeine Dunkelhaeit zu jammern" Diese Worte sagte vor langer Zeit ein wirklich äußerst weiser Mann, und es ist besser man geht an das Aufhellen mit viel Idealismus ran!
Papazaca 24.02.2018
5. Klar, Gates weiss alles.
Gates weiss sicher alles, was Manafort weiss. Wenn Trump mit den Russen zusammen gearbeitet, weiss es jetzt auch Mueller. Trump sah zuletzt nicht sehr ausgeschlafen aus, hatte buchstäblich "dicke Augen". Gab es dafür einen Grund? Oder mehrere? Denn an Muellers zweiter Front ist Kuchner unter Beschuss. Dazu kommt Trumps Verhalten gegenüber Comey und der Justiz, sprich Behinderung der Justiz. Hmm .. Wie sagt man, die Schlinge .....
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