Einreiseverbot für Muslime Trumps Chaostheorie

Präsidentschaftsbewerber Donald Trump will Muslimen die Einreise in die USA verbieten - und alle Welt reagiert, das Entsetzen ist groß. Genau so will der Bürgerschreck es haben. Doch keine Angst.

Ein Kommentar von


Jetzt will er also die Grenzen wirklich dicht machen. Muslime, sagt Donald Trump, sollten seiner Ansicht gar nicht mehr in die USA einreisen dürfen, jedenfalls so lange nicht, bis klar sei, "was vor sich geht".

Kaum hatte der Republikaner seinen neuesten Vorstoß kundgetan, da ging es auch schon los mit der Erregung. Trumps Gegner sprachen vom Faschismus, seine Fans von einer brillanten Idee. Und während der Streit eskaliert, geht im Rest der Welt die Angst um: Kippt Amerika in den Rechtsextremismus? Was, wenn der Mann wirklich Präsident werden sollte?

Diese Reaktionen, diese Fragen, sie sind ganz nach Trumps Geschmack.

"Wir haben die Anerkennung der Religionsfreiheit in unserer Verfassung."

Ben Rhodes (stellvertretender nationaler Sicherheitsberater des Präsidenten)

"Das ist nicht meine Politik."

Ted Cruz (republikanischer Senator, Texas)

"Ich stimme Donald Trumps Vorschlag nicht zu. Seine Art, haarsträubende und beleidigende Statements abzugeben, wird die Amerikaner nicht zusammenbringen."

Marco Rubio (republikanischer Senator, Florida)

"Trump ist komplett verwirrt. Seine 'politischen' Versprechen sind unglaubwürdig."

Jeb Bush (republikanischer Ex-Gouverneur und Präsidentschaftskandidat, Florida)

"Eine gefährliche Überreaktion. Trump spielt immer mit den schlimmsten Instinkten und Ängsten."

Carly Fiorina (Republikanerin, frühere CEO Hewlett Packard)

"Jeder republikanische Bewerber muss das einzig Richtige tun und Trumps Statement verdammen."

Lindsey Graham (republikanischer Senator, South Carolina)

"Das offenbart einmal mehr die skandalöse Spaltung, die jeden seiner Atemzüge kennzeichnet."

John Kasich (republikanischer Gouverneur, Ohio)

"Skandalös, verwerflich, spalterisch. Trump, du begreifst es nicht."

Hillary Clinton (demokratische Präsidentschaftskandidatin)

"Die USA sind ein starkes Land, in dem wir zusammenstehen. Wir sind schwach, wenn wir Rassismus und Fremdenfeindlichkeit erlauben, uns zu teilen."

Bernie Sanders (demokratischer Präsidentschaftskandidat)

"Donald Trump beseitigt alle Zweifel - er kandidiert als ein faschistischer Demagoge."

Martin O'Malley (demokratischer Präsidentschaftskandidat)

"Trumps Kampagne gehört schon lange auf den Müllhaufen der Geschichte. Er riskiert nun, die gesamte Republikanische Partei mit sich auf den Müllhaufen der Geschichte zu reißen."

Josh Earnest (Sprecher des US-Präsidenten)

"Donald Trump gleicht eher dem Anführer einer zur Lynchjustiz bereiten Menge als dem eines großen Landes wie unserem."

Nihad Awad (Vorsitzender des Rats für Amerikanisch-Islamische Beziehungen)

"Wie abscheulich. Voldemort war nicht mal annähernd so schlimm."

J.K. Rowling (Schriftstellerin, Schöpferin von "Harry Potter")

"Wir sind besorgt, dass solche Wahlkampf-Rhetorik ein wichtiges Programm zur Aufnahme syrischer Kriegsflüchtlinge in den USA gefährdet."

Melissa Fleming (Sprecherin des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen)

Es hat wieder mal geklappt, so wie bei der Nummer mit der Mauer oder der Sache mit der blutenden Megan Kelly. Über Obama, diesen Loser, redet niemand mehr. Wie der Anti-Terror-Kampf aussehen soll, bestimme jetzt ich.

Trump kommt aus dem Entertainment. Er hat jahrelang eine Reality-TV-Show moderiert. Niemand kennt die Regeln des Geschäfts besser als er und weil das so ist, tut der Milliardär alles dafür, dass auch die Politik nach diesen Regeln funktioniert. Je größer der Schock, desto mehr Interesse. Je mehr Interesse, desto mehr Relevanz. Je mehr Relevanz, desto stärker die Umfragewerte. Je stärker die Umfragewerte, desto wahrscheinlicher der Sieg. Das ist seine Logik.

Tabus? Gibt es in dieser Logik nicht. Sexismus, Religionen, alles taugt zur Grenzverletzung, nicht einmal die amerikanische Verfassung ist vor ihm sicher. Trumps Kandidatur lebt von der Fremden-, Frauen- und Menschenfeindlichkeit, das ist der Brennstoff, der gesellschaftliche Konflikte am einfachsten entflammt. Trump ahnt: Nur wenn Unordnung herrscht und Wut, hat er eine Chance. Es ist seine Chaostheorie.

Aus Sicht von Trump hat diese Theorie einen zweiten, besonders schönen Effekt: Er wirkt größer als er ist, seine Thesen haben ein Echo, als wäre er schon so gut wie Kandidat. Das ist absurd. Denn während die Nachrichtenagenturen Eilmeldungen über seine Vorschläge verschicken, nimmt kaum jemand wahr, welch massive Schwierigkeiten er im Rennen um die Präsidentschaft hat.

Wie groß sind Trumps Chancen wirklich?

Trump liegt in Umfragen unter Republikanern seit rund vier Monaten fast durchgehend vorne. Nur hat er es in dieser Zeit völlig versäumt, das Parteiestablishment für sich zu erwärmen. Nicht ein einziger namhafter Republikaner hat sich bisher für ihn als Präsidentschaftskandidat ausgesprochen, was ein Zeichen dafür ist, wie entschlossen die Parteielite gegen ihn zu kämpfen gedenkt.

Trump ist der Kandidat der weißen, alten Männer. Old America. Unter Minderheiten stagniert sein Rückhalt auf niedrigem Niveau. In der wichtigen Wählergruppe der Latinos ist seine Beliebtheit verschwindend gering, nur rund halb so groß wie jene von Mitt Romney im Jahr 2012. Und der verlor deutlich gegen Obama. Es gibt aus Sicht von Hillary Clinton also weitaus gefährlichere Kandidaten. Doch Trump kümmert das nicht. Er bastelt schon an der nächsten These.

Das Chaos, so glaubt er, wird's am Ende schon richten.

Zum Autor
Veit Medick ist seit Februar 2009 Politikredakteur im Berliner Büro von SPIEGEL ONLINE und seit August 2015 Korrespondent in Washington.

E-Mail: Veit_Medick@spiegel.de

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 110 Beiträge
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Seite 1
pennywise 08.12.2015
1. hmmm
Wenn er in den USA scheitert kann er sich ja mit Gastreden bei der CSU beschäftigen. Käme dort doch gut an der gute.
Morrison 08.12.2015
2. Der Donald Trump ist
halt auch nur ein Politiker wie alle anderen auch! Und so macht er wie seine Kollegen weltweit im Wahlkampf Versprechungen, die er, falls gewählt, nie alle auch nur ansatzweise einhalten kann! Kennen wir hier in Deutschland zB von Helmut Kohls klassischen "blühenden Landschaften" und aktuell von Merkels "wir schaffen das"
Hiram333 08.12.2015
3. haha
Haha, seine Fans finden die "Idee brillant"? hahaha. Selbst wenn man so ungebildet ist, um mit solchen Ausrufen zu sympathisieren, kann man es trotzdem nicht Idee nennen. Auf so einen Müll ist selbst schon der dümmste Nazi gekommen. Und was ist an dieser Angstreaktion brillant? Hahaha, oh es ist immer wieder lustig, aber leider noch viel mehr traurig, wie stumpf und unkreativ US - Amerikaner sein können. zu meiner persönlichen Zufriedenstellung kenne ich einen ganzen Haufen extrem schlauer und gebildeter US-Bürger, die werden mit mir zusammen über diesen Frosch lachen bis die Show bald endlich vorbei ist. Trump disqualified.
Sam M. 08.12.2015
4. Grossmaul
heisst so einer in Deutschland und er denkt, wenn er nur ordentlich drauf haut, dann reicht das. Im Show-Biz vielleicht, im echten Leben aber nicht. Donald Trump? ja ja, schon gut, naechstes Thema.
asfeyge 08.12.2015
5. Wer ist Trump?
Warum wird jede Aussage von Trump so global verbreitet? Er ist nur ein Kandidat und noch nicht Präsident. Aber so wird er er wohl werden
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