US-Präsidentschaftswahl Trump fordert Russland zum E-Mail-Hack auf

Donald Trump bestreitet, dass Russland die Partei-Mails seiner Konkurrentin Hillary Clinton gehackt haben könnte - und treibt die Provokation erneut auf die Spitze.

Donald Trump
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Donald Trump hat schon viele lobende Worte für den russischen Präsidenten gefunden: Wladimir Putin sei ein starker Anführer, sagte der republikanische Präsidentschaftskandidat. Putin pries Trump ebenfalls, bezeichnete ihn als brillant und talentiert. Dass Moskau ihm nun aber im Wahlkampf geholfen haben soll, bezeichnet Trump als "weit hergeholt".

Zum Hintergrund: Kurz vor dem Parteitag der US-Demokraten waren knapp 20.000 E-Mails von Führungspersonal der Partei veröffentlicht worden, auf der Enthüllungsplattform WikiLeaks.

Der Schritt löste großen Wirbel aus, schließlich geht aus den Nachrichten hervor, dass der Parteivorstand im Rennen um die parteiinterne Kandidatenkür stark voreingenommen war - zugunsten von Hillary Clinton, zum Nachteil von Bernie Sanders.

IT-Experten und das FBI machen russische Geheimdienste verantwortlich. Auch Präsident Barack Obama hatte es als möglich bezeichnet, dass Russland hinter dem E-Mail-Leak stecke.

"Ich hätte diese Macht liebend gern"

"Das ist so weit hergeholt, das ist lächerlich", sagte nun Donald Trump am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Moskau stehe nicht hinter den Veröffentlichungen. Und der Republikaner ergänzte: "Ehrlich gesagt, ich wünschte, ich hätte diese Macht. Ich hätte diese Macht liebend gern."

Dann setzte er noch eins drauf: "Russland", rief Trump laut der "New York Times". "Wenn ihr gerade zuhört: Ich hoffe, ihr seid in der Lage, die 30.000 E-Mails zu finden, die noch fehlen." Das würde sicher bei der US-Presse auf großes Interesse stoßen, so Trump.

Bei Trumps Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence klingt die Botschaft an Russland anders: In einer Presseerklärung drohte der Republikaner mit "ernsthaften Konsequenzen", sollte sich herausstellen, dass Moskau in die Affäre involviert war. Kurz nach Trumps Aufruf an Russland, weitere Mails zu finden, schreibt Pence, das FBI werde der Hacker-Attacke auf den Grund gehen.

Russland selbst hatte die Vorwürfe bereits zurückgewiesen: "Moskau achtet sehr genau darauf, alles zu vermeiden, was als Eingriff in den Wahlvorgang in den USA interpretiert werden könnten", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Im US-Wahlkampf werde häufig die "russische Karte" ausgespielt, so der Putin-Sprecher. Die Angst vor Russland für den Wahlkampf zu nutzen, bezeichnete er als zynisch.

"Putin? Wer ist das?"

Gefragt, ob Putin Trump wohl lieber im Amt sehe als Clinton, distanzierte sich Trump dann auch eindrücklich: "Ich hab Putin niemals getroffen, ich weiß nicht einmal, wer das ist", sagte Trump Reportern. Das Einzige, was er über ihn wisse, sagte er sich selbst widersprechend, sei, dass Putin ihn respektieren werde.

Clintons Wahlkampfteam reagierte umgehend auf Trumps Äußerungen: Jake Sullivan von "Hillary for America" warf dem Republikaner in einer Erklärung Beihilfe zur Spionage vor. "Das ist wohl das erste Mal, dass ein Präsidentschaftskandidat eine Regierung aktiv zur Spionage bei einem politischen Gegner aufruft", so Sullivan.

Für die Demokraten hatte die Affäre bereits heftige Folgen: Die Chefin der Demokraten, Debbie Wasserman Schultz, trat zurück. Die Parteiführung entschuldigte sich offiziell bei Sanders und seinen Anhängern.

Mehr Hintergründe zu der E-Mail-Affäre lesen Sie hier.

vek/Reuters



insgesamt 145 Beiträge
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Seite 1
womo88 27.07.2016
1. Trump
Kann man den nicht mal abschalten? Wie einen Toaster - einfach Stecker ziehen?
womo88 27.07.2016
2. Trump
Vielleicht müsste mal jemand Herrn Trump erklären, dass man nicht alle Pilze essen darf.
Espejo en vivo 27.07.2016
3. Geht er diesmal zu weit?
Ich weiß sowieso nicht, ob das eine soo gute Idee von Trump ist, auf gut Freund mit Russland zu machen. Gerade die Republikaner-Anhänger dürften ziemlich russlandphob sein.
peter-11 27.07.2016
4. Hinterlistig
doch gut, wenn diese hinterlistigen Machenschften publik werden. Daher auch ziemlich egal von wem. Aber jetzt will man ablenken.
smokiebrandy 27.07.2016
5. ... der Mann...
... wird mir , obwohl seiner teilweisen peinlichen und denkwürdigen Aussagen unsympathisch , immer angenehmer... Immerhin hat er eine gewisse Art Humor... Ob Frau Clinton wirklich die bessere Alternative ist? Ich bin mir da wirklich nicht sicher...
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