Russland-Ermittlungen Trumps führender Anwalt geht

Erst im März hatte der Leiter von Donald Trumps Anwaltsteam das Handtuch geworfen. Nun legt mit Ty Cobb ein weiterer führender Berater in der Russlandaffäre seinen Posten nieder.

Donald Trump
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Im Anwaltsteam von US-Präsident Donald Trump gibt es einen weiteren Abgang. Wie das Weiße Haus am Mittwoch mitteilte, geht der 68-jährige Ty Cobb zum Ende des Monats in den Ruhestand. Cobb war erst im August als Rechtsberater des Präsidenten angeheuert worden. Im März hatte bereits der Leiter des Anwaltsteams, John Dowd, das Handtuch geworfen.

Das Team ist für den Umgang mit dem Sonderermittler Robert Mueller zuständig. Mueller untersucht die mutmaßlichen russischen Interventionen zugunsten Trumps im Wahlkampf, Moskau-Kontakte des Trump-Teams und auch den Verdacht der Justizbehinderung durch den heutigen Präsidenten.

In dem Maße, in dem Mueller seine Untersuchungen ausgeweitet hat, ist auch Trumps Anwaltsteam unter wachsenden Druck geraten. Laut Medienberichten gab es Unsicherheiten darüber, welche Strategie gegenüber dem Sonderermittler verfolgt werden sollte. Cobb galt als Vertreter eines kooperativen Umgangs mit Mueller.

Emmet Flood (Archiv)
DPA

Emmet Flood (Archiv)

Laut "New York Times" will Trump als Nachfolger Cobbs den erfahrenen Washingtoner Anwalt Emmet Flood anstellen. Flood vertrat den früheren Präsidenten Bill Clinton während dessen Amtsenthebungsverfahren im Lewinsky-Skandal. Das Verfahren im Kongress war eingeleitet worden, weil Clinton seine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky zu verschleiern versucht hatte. Es scheiterte im Februar 1999.

Muellers 48 Fragen an Trump

Vor knapp zwei Wochen hatte Trump bereits den früheren New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani in sein Anwaltsteam geholt, der über langjährige Erfahrung als Staatsanwalt verfügt. Das Team hat derzeit vor allem zu klären, ob sich der Präsident auf eine persönliche Vernehmung durch Mueller einlassen sollte oder nicht.

Eine mögliche Befragung des Präsidenten wäre nur in einem sehr beschränkten Rahmen möglich, sagte Giuliani laut einem Tweet eines "Washington-Post"-Journalisten vom Mittwoch. Demnach würde lediglich eine kleine Auswahl an Fragen zugelassen werden. Zudem dürfe die Befragung höchstens drei Stunden dauern.

Die "New York Times" hatte am Montag eine Liste von rund 48 Fragen des Sonderermittlers an Trump veröffentlicht. Die Fragen deuten darauf hin, dass Mueller in seinen Ermittlungen einen Schwerpunkt auf den Verdacht der Justizbehinderung legt. Die Fragen beziehen sich aber auch darauf, ob Trump in die Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams eingeweiht war.

Laut "Washington Post" soll der Sonderermittler den Trump-Anwälten gedroht haben, den Präsidenten zu einer Befragung durch ein Geschworenengremium ("Grand Jury") vorzuladen, sollte er seine Vernehmung durch die Ermittler verweigern. Daraufhin habe Trumps Anwalt Jay Sekulow eine Liste mit Fragen zusammengestellt, von denen er erwartet habe, dass Mueller sie beantwortet haben wolle, berichtete die "Washington Post" weiter.

Dabei soll es sich um denselben Fragenkatalog handeln, welchen die "New York Times" veröffentlicht hatte. Die "New York Times" hatte allerdings berichtet, das Mueller-Team habe die Fragen den Anwälten Trumps vorgelesen, und diese hätten die Fragen dann lediglich als Liste zusammengestellt.

ans/dpa

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insgesamt 26 Beiträge
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Atheist_Crusader 02.05.2018
1.
Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Nach seinem halbstündigen Rant bei Fox News bin ich halbwegs überrascht, dass er doch noch Jemanden findet der ihn vertreten will. Fast so überrascht wie, dass er mit Jemandem arbeiten will, der schon für die Clintons gearbeitet hat. Naja, beggars can't be choosers.
Trollflüsterer 02.05.2018
2.
ich bin mal gespannt wie "Teflon Don" sich da raus ziehen will. Entweder Mueller seine Fragen beantworten oder wenn nicht, (hoffentlich) vor die Grand Jury. Oder wird er tatsächlich beides verweigern? Zutrauen würde ich es ihm. Die Salernos und Co. sagen ja auch nicht aus. Die Frage ist, wo er sich mehr in die Nesseln setzen kann. Durch Mueller bei einer Falschaussage ertappt werden, oder sich vor der GJ um Kopf und Kragen reden bzw. schweigen.
Trollflüsterer 02.05.2018
3.
Die Aussage von Trump, dass er nicht gewusst hätte, dass sich sein engster Kreis samt Familie mit der Ex-KGB Anwältin getroffen hat, nehme ich ihm sowieso nicht ab. Warum? Ganz einfach. Der Vermittler und Trump Bekannte Rob Goldstone schreib an seinen Sohn folgendes: Ich kann das deinem Vater auch über Rhona [womöglich Rhona Graff, Trumps langjährige Sekretärin; Anm. d. Red.] schicken, aber ich wollte es dir zuerst schicken, weil es sehr sensibel ist. http://www.sueddeutsche.de/politik/russland-affaere-wenn-es-das-ist-was-du-sagt-dann-werde-ich-es-lieben-die-e-mails-von-donald-trump-jr-1.3584105 Nach dem Satz und dem gesamten Mail verkehr, und der Tatsache das wir hier von Trumps leiblichen Sohn samt engsten Kreis sprechen, glaubt doch wirklich keiner mehr, dass Trump davon nicht gewusst hat. Herr Mueller, bringen sie es zu ende.
Normaler Wutbürger 02.05.2018
4. Naja
Ich möchte nicht wissen wie viele Leute versuchen irgendetwas belastendes in der Russlandaffäre gegen Trump auszugraben. Egal ob politisch oder journalistisch motiviert. Ich denke mal, wenn es Material gäbe, was Trump schwer belasten würde, dann wüsste wir es längst. Ich glaube nicht das da noch was kommt. Also abgesehen von der fortlaufenden Medienshow.
gandhiforever 02.05.2018
5. Der "Businessman"
Von vielen mit der Oekonomie nicht Vertrauten wurde Trump als Businessman begruesst, der das Land wie ein Business fuehren werde. Nun, der VerFuehrer fuehrt das Land als Stuemper. Und nun laufen ihm wieder einmal Anwaelte davon. Keiner seiner jetzt in der Russland-Affaere taetigen Anwaelte hat die noetige "Security Clearance", waehrend Trump darueber tweeted, dass Muellers Fragen geleakt werden. Und dann stellt sich heraus, dass es Trumps Anwalt Sekulov war, der geleakt hat, weil er die Untersuchung in ein schlechtes Licht stellen will. Anwaelte wollen, dass ihre Kunden auf sie hoeren. Trump ist dazu nicht willens. Er erschwert damit nicht nur deren Arbeit, sondern macht die eigene Lage nur noch ungemuetlicher.
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