US-Atomwaffenarsenal Trumps gefährliche Lügen

Donald Trump heizt den Nordkorea-Konflikt an, indem er mit dem US-Atomarsenal prahlt. Doch seine Behauptung, dies sei "mächtiger als je zuvor", ist frei erfunden.

Asahi Shimbun/ Getty Images

Von , New York


Donald Trump sagt - und twittert - vieles, was faktischer Überprüfung nicht standhält. Man hat sich fast daran gewöhnt, zuckt mit den Schultern, weiß, dass das meiste ja sowieso nur an seine leichtgläubige Basis adressiert ist.

Doch im Atomkonflikt mit Nordkorea können solche Lügen Leben gefährden.

Allen voran diese Lüge: "Meine erste Amtshandlung als Präsident war es, unser Nukleararsenal erneuern und modernisieren zu lassen", tönte der US-Präsident auf Twitter, kurz nach seiner ersten, verbalen Drohung gegen das Regime in Pjöngjang. "Es ist nun viel stärker und mächtiger als je zuvor." Diese Follow-up-Warnung ließ die Spannungen nur noch weiter eskalieren.

Doch nichts an der Behauptung stimmte. Sie war nur Wortsalat, offenbar ebenso frei improvisiert wie Trumps "Feuer und Wut"-Rede zuvor. Was bewies, wie nonchalant er mit dem unvorstellbaren Gedanken eines Nuklearkriegs umgeht - ausgerechnet am 72. Jahrestag des Atombombenangriffs auf Nagasaki.

Wohlgemerkt: Das jahrzehntealte US-Nukleararsenal hat apokalyptische Macht, und selbst Flunkereien über seinen Zustand können eine Krise zur Katastrophe machen. Doch weder hat Trump es modernisieren lassen, noch ist es "viel stärker und mächtiger als je zuvor". Im Gegenteil: Diejenigen, die Amerikas Endzeitwaffen pflegen, scheinen zurzeit gefährlich überfordert.

Atomexperte Jeffrey Lewis vom Middlebury Institute of International Studies war nicht der Einzige, der Trumps Atom-Tweet "absurd" nannte. "Nirgends kommt dieses Statement der Realität nahe", sagte er der "Washington Post".

In der Tat lässt sich Trumps Provokation Wort für Wort auseinandernehmen

1. Trumps "erste Amtshandlung als Präsident", unmittelbar nach seiner Antrittsrede, hatte nichts mit Atomwaffen zu tun, sondern war ein Dekret, das die Demontage der Gesundheitsreform seines Vorgängers Barack Obama einleiten sollte. Erlass Nr. 13765 war freilich rein symbolisch: Alle Versuche, Obamacare zu kippen, scheiterten im Kongress.

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US-Atomarsenal: Präsident Trump und die Bombe

Auf Nachfrage verwies das Weiße Haus auf ein Memo, das Trump eine Woche später unterzeichnete. Darin wies er das Pentagon an, dafür zu sorgen, dass das Atomarsenal "modern, robust, flexibel, belastbar, bereit und angemessen" sei. Dieser schwammig definierte "Nuclear Posture Review" - Routine für jeden neuen Präsidenten - begann im April und dauert noch mindestens bis Ende dieses Jahres. "An unseren nuklearen Sprengköpfen oder Bomben hat sich nichts verändert, was sie mächtiger machen würde", sagt Todd Harrison, Verteidigungsexperte am Center for Strategic and International Studies, gegenüber "Bloomberg".

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2. Der letzte konkrete Anstoß, die US-Atomwaffen aufzumotzen, kam nicht von Trump - sondern von Obama. Der initiierte 2010 eine Modernisierung des betagten Arsenals, die, auf rund 30 Jahre veranschlagt, bis zu eine Billion Dollar kosten soll. Das nicht unumstrittene Programm - das unter anderem die Entwicklung einer neuen Klasse atomgetriebener U-Boote vorsieht - kommt jedoch größtenteils erst ab 2022 zum Tragen.

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Einstweilen schrumpft das US-Arsenal an strategischen Atomwaffen (ICBM) sowieso weiter: "Die Größe unserer ICBM-Bestände", bestätigt Harrison, "hat sich verringert." Und zwar dank des letzten, Anfang 2011 verabschiedeten "New Start"-Vertrags, in dem USA und Russland vereinbarten, die Zahl ihrer einsatzfähigen strategischen Atomwaffen auf je 1550 zu reduzieren.

3. Der von Trump behauptete Top-Zustand der US-Atomwaffen lässt sich noch aus einem anderen Grund anzweifeln. Zwar ist das Pentagon für ihre Lagerung und ihren Einsatz zuständig, über das Strategic Command in Nebraska. Doch Entwicklung, Design, Produktion und Tests obliegen dem Energieministerium - eine wesentliche Tatsache, die sowohl Trump wie auch seinem neuen Energieminister Rick Perry zunächst wohl unbekannt war.

Perry, ein Ex-Gouverneur von Texas, hatte im Wahlkampf sogar verkündet, das Energieministerium abschaffen zu wollen. Medienberichten zufolge war er nun schockiert, dass er auch für die Nuklearwaffen verantwortlich ist: Zwei Drittel seines 30-Milliarden-Dollar-Haushalts entfallen auf deren Schutz und Instandhaltung - darunter die konstante Überwachung des Uran- und Plutonium-Materials, damit es nicht in falsche Hände gerät.

Perrys Vorgänger Ernest Moniz, ein Kernphysiker, hatte sich nach Trumps Wahl angeboten, die komplexe Materie ordentlich zu übergeben. Doch die neue Regierung war daran nicht interessiert und feuerte einen Großteil der Belegschaft. Bis heute sind viele Ministeriumsstellen verwaist - darunter in der Atomwaffen-Abteilung.

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Atheist_Crusader 10.08.2017
1.
"Wohlgemerkt: Das jahrzehntealte US-Nukleararsenal hat apokalyptische Macht, und selbst Flunkereien über seinen Zustand können eine Krise zur Katastrophe machen." Wieso? Der Autor schreibt es doch selbst: Die Welt zerstören konnte man schon mit der Technik aus den 70ern und 80ern. Und die ist definitiv da. Inwieweit verschlimmert es da die vorhandene Gefahr, wenn Trump so tut als seien die Waffen ein bisschen moderner, besser, stärker? Man bewegt sich doch bereits in einem Leistungsbereich (Wirkungsradius, Reichweite, Geschwindigkeit, Navigation, ...) wo das keinen großen Unterschied mehr machen würde- Ja, Trump übertreibt bis hin zur Lüge. Das ist sein ganz normaler Modus Operandi. Aber seine Fähigkeit den Globus einzuäschern bleibt davon ziemlich unbeeinflusst.
Kater Bolle 10.08.2017
2. Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.........
Wenn das alles so stimmt haben wir es bei der US-Rgierung mit einer Dilletantentruppe zu tun. Kennen wohl nicht mal die eigene Regierungsstruktur, Da steht der Menschheit noch was bevor.
ProDe 10.08.2017
3. Weg mit dem Mist
Solche Waffen in den Händen verantwortungsloser Politiker und dem Einfluss kriegstreibender Medien ist ein Alptraum und gefährdet die gesamte Menschheit. Ob Trump da wieder Quatsch erzählt hat doch kaum Relevanz.
micha1973 10.08.2017
4. LügenTrump-HardcoreMattis...
Ist ja ok wenn man Trumps Lügen/enorme Über-Untertreibungen kommentiert aber im Verhältnis zu anderen Aussagen der letzten Tage war diese nicht so provozierend... Ich versteh noch nicht ganz wo das schockierte Weltvolk bleibt wegen der Worte von Mattis... Er redete von der Vernichtung eines Volkes wenn NK nicht wüsste was klug wäre... Wo ist der mediale Aufschrei?
squire0815 10.08.2017
5. Papier ist geduldig. Auch in der digitalen Variante
Wenn es nicht so traurig wäre... Mich erinnert das ganze an einen Film aus der "Manta!Manta!"- Reihe nur ohne Fuchsschwanz....
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