Trump gegen EU "Glaubt mir, dann machen sie es nicht sehr lange"

US-Präsident Trump verschärft im drohenden Handelskrieg seinen Ton gegenüber der EU: Auf jede Vergeltungsmaßnahme werde er mit einer härteren reagieren. Zum Beispiel gegen die deutschen Autohersteller.

Donald Trump
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Im Streit über Strafzölle haben sich bereits zahlreiche führende Republikaner gegen Donald Trump gestellt. Doch der US-Präsident zeigt sich davon unbeirrt - und hat seine Pläne zu den geplanten Sanktionen auf Autos konkretisiert.

Sollte die EU Vergeltungszölle beschließen, wie etwa von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vorgeschlagen auf Jeans, Bourbon-Whiskey und Motorräder, dann würden die USA zurückschlagen, kündigte Trump an.

"Dann belegen wir ihre Autos mit einer Steuer von 25 Prozent - und glaubt mir, dann machen sie es nicht sehr lange", sagte Trump. Die Europäische Union sei besonders hart zu den Vereinigten Staaten gewesen, kritisierte er. "Sie machen es fast unmöglich für uns, Geschäfte mit ihnen zu machen, und trotzdem senden sie ihre Autos und alles andere in die Vereinigten Staaten."

"Die Europäische Union hat uns nicht sehr gut behandelt, und es ist eine sehr, sehr unfaire Situation", fuhr er fort. Er machte aber auch deutlich, dass es Gesprächsbereitschaft für den Fall gebe, dass die EU bereit sei, Handelshemmnisse zu beseitigen.

Werden die USA vom Rest der Welt tatsächlich "unfair" behandelt? Antworten hier in der Videoanalyse:

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US-Präsident Donald Trump hatte angekündigt, sämtliche Stahlimporte der USA mit einem Zoll von 25 Prozent zu belegen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kündigte daraufhin Vergeltungsmaßnahmen an. Am Samstag drohte Trump ähnliche Abgaben auf importierte Autos an. Diese könnten jedoch verhindert werden:

"Wenn die EU einige ihrer furchtbaren Hürden abbaut, dann können wir anfangen zu reden", sagte er. Einen Handelskrieg scheue er nicht. Er würde den Vereinigten Staaten weniger schaden als anderen Ländern, die derzeit einen Handelsüberschuss mit den USA hätten.

An diesem Mittwoch berät in Brüssel die EU-Kommission über das weitere Vorgehen im Handelsstreit mit den USA. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström soll ihre Überlegungen für das weitere Vorgehen präsentieren. Es wird nicht damit gerechnet, dass die Kommission bereits konkrete Entscheidungen trifft, erwartet wird vielmehr eine politische Grundsatzerklärung.

Trump kommt derweil wegen seiner Zoll-Ankündigung auch in den USA selbst mehr und mehr unter Beschuss. Die beiden führenden Republikaner im Repräsentantenhaus und im Senat, Paul Ryan und Mitch McConnell, sowie weitere Vertreter von Trumps eigener Partei haben große Bedenken geäußert. Statt alle Länder mit einem generellen Zoll zu belegen, sollte es ein gezieltes Vorgehen gegen die Hauptverursacher der Billigpreise auf dem Stahlmarkt geben.

US-Notenbank Fed warnt vor Handelskrieg

Auch die US-Notenbank Fed warnt vor den Folgen eines drohenden Handelskriegs. Alles was die Beziehungen zu Wirtschaftspartnern wie etwa Kanada und Mexiko belaste, schade den Interessen der USA, sagte der Präsident des Fed-Bezirks von Dallas, Robert Kaplan.

Die einflussreiche Notenbankdirektorin Lael Brainard sagte, die Ankündigung von Präsident Donald Trump, Schutzzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte zu verhängen und die Furcht vor einem aufziehenden Handelskrieg könnten auch zu Unsicherheit für die Fed führen. Jedoch betonten beide Währungshüter, dass es noch zu früh sei, um auf Folgen für die Geldpolitik zu schließen.

Deutsche Konzerne sehen Donald Trumps Androhung von Strafzöllen auf europäische Autoimporte betont gelassen. Beim Genfer Autosalon sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche, Spekulationen über das, was letztlich komme, seien genauso sinnlos wie vor der Steuerreform des US-Präsidenten.

BMW -Chef Harald Krüger zeigte sich optimistisch, dass es keine Zölle auf europäische Auto-Einfuhren gebe: "Das geht nicht per Dekret des Präsidenten von heute auf morgen." Allerdings könnte Trump durchaus weitreichende Befugnisse haben, wenn er nachweisen kann, dass die Zollpolitik eine Frage der nationalen Sicherheit ist. Das US-Handelsministerium hat dies bereits bejaht.

Trumps Ankündigung von Strafzöllen hatte auch weltweit die Angst vor einem internationalen Handelskonflikt geschürt. Unter anderem China äußerte seine Besorgnis über eine solche Auseinandersetzung. Im Streit mit den Nachbarländern Mexiko und Kanada verknüpfte der US-Präsident seine Drohungen derweil mit Bedingungen. Er sagte: "Zölle auf Stahl und Aluminium wird es nur dann nicht geben, wenn ein neues und faires Nafta-Abkommen unterschrieben ist."

apr/dpa/Reuters

insgesamt 194 Beiträge
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olli08 07.03.2018
1. Na gut ...
... sollen doch ALLE Zölle zwischen USA und EU komplett aufgehoben werden. Spart viel Arbeit. Dann werden bei uns die Jeans billiger, den Rest aus USA will hier eh' keiner haben. Nach spätestens einem Jahr will Trump das alte System zurück ...
Max Super-Powers 07.03.2018
2.
Wenn man bedenkt, dass es bei der ganzen Sache ursprünglich mal darum ging, die Schwerindustrie der USA von der Billig-Konkurrenz aus China zu bewahren, frage ich mich schon, mit welcher Chuzpe sich die EU von Anfang an dort eingemischt hat. Es ist nun mal eine Tatsache, dass die Globalisierung im Allgemeinen und China im Besonderen vielen Wirtschaften in Erstweltnationen schadet. Bloß auf deutscher und EU-Seite begnügt man sich mit Herumlamentieren ohne jede ernsthafte Konsequenz für China. Nun zeigt Trump auf der anderen Seite, dass er dagegen angeht, dass ihm die Arbeitnehmer und die Wirtschaft seines Landes näher liegen als die anderer Länder, was natürlich vollkommen legitim ist - prompt mischt sich die EU ein und will ihm just dieses Recht absprechen. Dieser Handelskrieg ist aus meiner Sicht ein Unnötiger. Denn die EU hätte einfach mal darauf verzichten sollen, sich "unqualifiziert" einzumischen. Wer hier sauer sein will, sollte es nicht auf Trump sein - der macht nur, was er für notwenidg für sein Land erachtet. Wer sauer sein will, sollte es vielmehr auf die geldgierigen Menschen sein, die erst damit angefangen haben, Produktionen in alle Welt auszulagern nur um auch noch den letzten Cent zu sparen. Irgendwann, in vielen Jahren, wird das dazu führen, dass die Industrie wieder zu uns kommt. Aber nicht, weil wir so gut sind, sondern weil in Europa dann der Billiglohnsektor bedient werden kann.
Frank Klipp 07.03.2018
3. Einfach nicht reagieren...
Der amtierende US-Präsident nutzt eine alte, durchsichtige und letztlich schädliche Verhandlungsstrategie: Drohkulisse aufbauen, Stimmung machen, und dann einen scheinbaren Kompromiss anbieten, der letztlich nur eine einseitige Verbesserung beinhaltet. Darauf reagiert man am besten mit einem klaren Bekenntnis zu fairen Handelsbedingungen und sonst nicht.
ykerniz? 07.03.2018
4. Dem Luxussegment könnte es helfen
Es wäre nicht das erste Mal, dass hochwertige Güter durch eine Verteuerung erst recht nachgefragt werden, sie werden dann zum Statussymbol.
LorenzSTR 07.03.2018
5. Komisch
Ich dachte immer, die Märkte regeln alles? Ist das nicht das, was der Herr Trump und seine neoliberalen FreundInnen immer erzählt haben? Die große Freiheit und so? Und plötzlich, wenn sie dann mal nicht mehr fett profitieren, dann muss auf einmal der Staat her und dann gibt es Zölle und Strafzölle... Neoliberale sind und bleiben der lächerlichste Haufen der Welt – und leider auch der schädlichste.
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