Trump vs. Bush Fehde der Alpha-Männchen

Donald Trump und Jeb Bush wollen beide US-Präsident werden. Doch statt sich an den Demokraten abzuarbeiten, bekriegen sie sich, wie man es bei den Republikanern lange nicht erlebt hat. Ist das Irrsinn oder Strategie?

Republikaner Trump, Bush: Feinde im Kampf um das Weiße Haus
REUTERS

Republikaner Trump, Bush: Feinde im Kampf um das Weiße Haus

Von , Washington


Wenn Donald Trump über Jeb Bush spricht, klingt das so: "Babykram" seien die Einwanderungspläne seines Konkurrenten, sagt er. "Erbärmlich" dessen Bildungsvorhaben. Und die arme Fangemeinde erst! Bush sei so langweilig, dass er seine Anhänger förmlich "einschläfere". Rumms.

Wenn Jeb Bush über Donald Trump redet, klingt das so: Trump sei ein "unechter Konservativer". Sein Grenzmauerpläne seien "völlig unrealistisch". Trump solle mal lieber sein, Bushs, Buch über Einwanderung lesen. Da könne er noch was lernen. Rumms.

Es ist ein bemerkenswertes Duell, das dieser Tage im amerikanischen Wahlkampf zu beobachten ist. Donald Trump gegen Jeb Bush. Republikaner gegen Republikaner. Beide wollen ins Weiße Haus, ansonsten haben sie nichts gemeinsam. Der eine ist ein schriller Milliardär, der andere ein braver Polit-Profi. Laut gegen leise. Outsider gegen Insider. Inzwischen wird der Streit so feindselig ausgetragen, dass man sich fragt: Wie soll das nur gutgehen für die Partei?

Der Treiber des Konflikts ist Donald Trump, ohne jede Frage. Seit Wochen schon versucht der Immobilienmogul, seinen Konkurrenten zu erniedrigen. Fast nichts ist tabu. Trump macht sich über Bushs Charakter lustig, über seinen Nachnamen, über seine Geldgeber. Ach ja, und natürlich über seine Spanischkenntnisse. "Jeb ist verrückt", twitterte Trump diese Woche. "Wen interessiert es, ob er Mexikanisch spricht, das hier ist Amerika!"

Gruß per Flugzeug

Schon um nicht als abgekanzelter Schuljunge dazustehen, muss Bush reagieren. Und er tut das erstaunlich kreativ. Als Trump kürzlich in einem Footballstadion in Alabama sprach, ließen Bushs Unterstützer einen kleinen Gruß über das Publikum fliegen. "Trump tritt als Steuererhöher an. Jeb tritt als Präsident an", war auf einem Transparent zu lesen. Der Spaß mit dem Flugzeug kostete mal eben 3500 Dollar.

Der Streit ist auch eine große Show. Duelle haben den schönen Vorteil, dass die Leute den Eindruck gewinnen, es stünden nur zwei Personen wirklich zur Wahl. Das Feld der Republikaner hat eigentlich 16 Bewerber, die Illusion eines Zweikampfs macht Trump und Bush größer als sie sind. Aber hilft das den beiden wirklich?

Trumps Angriffe haben, natürlich, eine irrationale Komponente. Im Juni stornierte der spanischsprachige TV-Sender Univision einen millionenschweren Vertrag mit ihm. Trump, so ist es in US-Medien zu lesen, ist davon überzeugt, dass die Entscheidung von Bush und dem einflussreichen mexikanischen Medienunternehmer Carlos Slim gesteuert wurde. Abgesehen davon, dass Bush und Slim sich kennen, gibt es für diese These bislang keine echten Belege, aber Trump verklagte Univision mal eben auf 500 Millionen Dollar. Am Dienstagabend legte er sich mit dem Starmoderator des Senders an.

Strategisch macht das Duell mit Bush aus Trumps Sicht aber zumindest ansatzweise Sinn. Das, was Trumps Anhänger an der Politik verachten, verkörpert im republikanischen Feld niemand so sehr wie Bush: hineingeboren in eine Polit-Dynastie, getragen von wichtigen Spendern, gefangen in codierter Sprache. Trump rückt Bush stellvertretend für einen gesamten Politikertypus in den Fokus - das macht ihn selbst automatisch stärker, authentischer. "Mich kann man nicht kaufen", sagt er.

Streit ist Risiko für Bush

Aus Bushs Sicht ist die Auseinandersetzung nicht ungefährlich. Sicher: Je mehr er sich an Trump abarbeitet, desto mehr Aufmerksamkeit wird ihm zuteil. Zudem muss er seinen Geldgebern beweisen, dass er zu kämpfen bereit ist, ansonsten kündigen sie ihm womöglich irgendwann die Gefolgschaft. Aber in der Wählerschaft dürften viele auch registrieren, dass Bush umso stärker zulangt, je schlechter seine Umfragewerte ausfallen. Das lässt ihn verzweifelt erscheinen. Ganz abgesehen davon, dass sein Image als seriöser und dialogorientierter Politiker im Zuge des mitunter albernen Streits Schaden zu nehmen droht.

Wie schwierig es ist, einen Nahkampf gegen Trump zu bestehen, musste Bush kürzlich erleben. Er und sein Widersacher hatten Mitte August nahezu parallel einen Auftritt in New Hampshire. Mitten in Bushs Ansprache schaltete Fox News um und zeigte die Trump-Fans, die auf ihren Helden warteten. Selbst eine "leere Trump-Bühne ist interessanter als eine Bush-Rede", schrieb anschließend das "New York Magazine".

Solche Momente sind ganz nach dem Geschmack Trumps. Er hat seinen Spaß daran, Bush der Lächerlichkeit preiszugeben und ihn als schwächlichen Bubi erscheinen zu lassen. Am Dienstag verschickte seine Kampagne ein E-Poster, das eine neue Umfrage aus South Carolina illustriert. "Donald J. Trump" prangt groß auf Platz eins.

Sein Widersacher findet sich irgendwo im Kleingedruckten unter seinem Spitznamen: "Jeb".

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Veit Medick ist seit Februar 2009 Politikredakteur im Berliner Büro von SPIEGEL ONLINE und seit August 2015 Korrespondent in Washington.

E-Mail: Veit_Medick@spiegel.de

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insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
jörgzink 27.08.2015
1.
wenn solche Menschen Präsidenten würden , dann wäre die Katastophe noch viel größer.
Overseasreader 27.08.2015
2. Man schenkt dieser
Kontroverse zuviel Aufmerksamkeit. Fuer Donald Trump ist das nur Feuerwerk. Er ist wie eine Sylvesterrakete,die aufsteigt, leuchtet und Puff auf einmal ist sie weg und er auch.
vox veritas 27.08.2015
3. ...
Damit ist zum Thema Trump alles gesagt: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/fuehrungskraefte-heiner-thorborg-ueber-psychopathen-chefs-a-1001377.html
Ontologix II 27.08.2015
4.
Dieser öffentliche Schlagabtausch ist Strategie, vielleicht sogar abgesprochen. Ein Großteil der US-Wähler wünscht nach dem Softie Obama wieder einen Rüpel im Weißen Haus, der vermeintliche amerikanische Interessen mit Flugzeugträgern, Marines und Bomben vertritt. Das Schicksal sei uns gnädig, wenn Obama abtritt.
ediart 27.08.2015
5. Sorry
was sich da in den USA an finanzierten Wahlkampf abspielt hat mit den Problemen dieser Welt nichts gemein, da geht es primär um Machtpositionierung einer Groß Kapitalistischen Interressen Gemeinschaft, Konzerne, Energie Riesen und Militär Administratoren. Und wenn das Ding gelaufen ist hat die Welt ein Problem mehr.
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