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Terror-Hype und Islamophobie: Amerikas Hassprediger drehen auf

Von , New York

Trump und Co. gegen Muslime: Immer lauter, immer giftiger Fotos
REUTERS

Europas Terror ist für die Amerikaner weit weg. Trotzdem hetzen Demagogen wie Donald Trump immer lauter gegen Muslime und Flüchtlinge. Die historischen Parallelen sind beklemmend - doch die Parolen kommen an.

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Donald Trump ist nicht zu bremsen. Scheinbar unangreifbar, auf jeden Fall aber unbeirrbar, versteigt sich der US-Präsidentschaftskandidat zu immer wahnwitzigeren Aussagen.

Seit den Anschlägen von Paris hetzt der US-Republikaner am liebsten gegen Muslime: "Abertausende" hätten am 11. September 2001 von New Jersey aus den Einsturz der Twin Towers "bejubelt" - ein altes, widerlegtes islamophobes Märchen. Doch für Trump ist das egal, er legte sogar noch mehrmals nach und behauptet: "Ich habe es gesehen."

Alle US-Muslime seien also auch jetzt per se terrorverdächtig, sie müssten registriert, überwacht, notfalls sogar gekennzeichnet werden, so der Milliardär, der seine Kandidatur mit Hasstiraden auf Latino-Einwanderer begann. Womöglich werde man auch Moscheen schließen müssen: "Dinge, die vor einem Jahr undenkbar waren."

Undenkbar war in Wahrheit aber solch offene Hetze gegen eine ganze Religionsgruppe - in einem von Religionsflüchtlingen gegründeten Land, das sich die Religionsfreiheit selbst in die Verfassung schrieb.

"Rassistische Lügen", empört sich die "New York Times" - vergeblich. Denn Trump spricht aus, was viele denken. Die Anschläge von Paris und Mali haben in den USA eine heftige Gegenreaktion provoziert, die Stimmung kippt, nicht nur gegen Muslime. Sondern auch gegen alle Syrien-Flüchtlinge, die über Nacht von gesichtslosen Opfern zu gesichtslosen Tätern wurden - eine Entwicklung mit düsteren historischen Parallelen.

Denn Trumps eskalierende Xenophobie, in Blogs, auf Twitter und in den TV-Newssendern rund um die Uhr wiedergekäut, trifft tief in die Seele Amerikas. "Donald Trump", warnt der Sozialforscher Randy Blazak betroffen, "ist das neue Gesicht der Rechtsextremen." Will heißen: der Weißen, die sich bedroht sehen von Andersdenkenden, Andersaussehenden.

Übergriffe auf Muslime bis zum Psychoterror

Trump steht nicht alleine. Ted Cruz und Jeb Bush wollen nur noch christliche Flüchtlinge zulassen. Ben Carson vergleicht syrische Migranten mit tollwütigen Hunden. 30 US-Bundesstaaten sperren sich inzwischen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen. David Bowers, ein Bürgermeister aus Virginia, will sie lieber internieren - wie die 127.000 Amerikaner japanischer Herkunft nach Pearl Harbor, ein schwarzes Kapitel der US-Geschichte.

Im US-Repräsentantenhaus beschlossen 242 Republikaner und 47 Demokraten jetzt, den Flüchtlingszuzug praktisch unmöglich zu machen. Dabei dauert das Verfahren jetzt schon bis zu zwei Jahre, die die Antragsteller außer Landes verbringen müssen - eher unpraktisch für Terroristen.

Viele Medien machen munter mit. Die Newssender verdicken Terror und diffuse Furcht zur "Breaking News"-Endlosschleife. CNN-Frau Carol Costello fragte Karen Majewski, die Bürgermeisterin von Hamtramck in Michigan, dessen Stadtrat mehrheitlich aus Muslimen besteht, ob sie keine Angst habe. "Wenn ich vor etwas Angst habe", gab die empört zurück, "dann vor Leuten wie Ihnen, die solche Fragen stellen."

Wiederholt sich die Geschichte?

Doch solche Fragen reflektieren die verdrehte Befindlichkeit der Nation. In einer Umfrage der Marktforscher von Gallup sprachen sich zuletzt 60 Prozent der Amerikaner gegen die Aufnahme von syrischen Flüchtlingen aus.

Nichts Neues, kommentierte das Institut dieses Ergebnis lakonisch. In der Tat stellte Gallup schon 1939, als antisemitische Hassprediger den Äther beherrschten, eine vergleichbare Frage. Da ging es um jüdische Kinder aus dem Dritten Reich. 67 Prozent lehnten deren Aufnahme ab: "Juden sind anders", so die Mehrheit. Ihr Zuzug solle "eingeschränkt werden."

Insgesamt ließen die USA am Ende zwar rund 130.000 Juden zu, die vor dem Holocaust flohen. Doch erst nach langem Zögern - und Tragödien wie der Odyssee der "St. Louis": Der deutsche Dampfer irrte 1939 mit 906 jüdischen Flüchtlingen an Bord über Kuba bis zur US-Küste, wurde dort aber abgewiesen und musste nach Europa zurückkehren. Mehr als 250 Passagiere wurden dort später ermordet.

Wiederholt sich die Geschichte? Die Republikaner lehnen den Vergleich mit dem Holocaust entschieden ab, und auch Trump weigerte sich neulich, diese Frage zu beantworten. Schaden dürften ihm seine Dauertiraden sicher nicht. Im Gegenteil: Trumps Popularität bleibt ungebrochen - und seine Chancen auf die Nominierung seiner Partei wachsen immer weiter.

US-Vorwahlen

Zusammengefasst: Die Anschläge von Paris liefern vielen US-Republikanern Stoff für ihre Hetzparolen. Sie schüren die Angst vor Fremden, besonders vor syrischen Flüchtlingen - und werden dabei von manchen Medien unterstützt. Auch deshalb werden Menschen aus dem Bürgerkriegsland gar nicht oder nur unter strengsten Auflagen ins Land gelassen.

Zum Autor
Marc Pitzke ist US-Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in New York.

E-Mail: Marc_Pitzke@spiegel.de

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 273 Beiträge
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1. Jetzt spinnen sie hier.
Luitpold Stanislaus 26.11.2015
Einen Ronald Trump als Hassprediger zu bezeichnen, ist so absurd, dass sich jede Diskussion verbietet. Der Spiegel verbreitet Hass gegen jeden Andersdenkenden mit seinen ständigen masslosen Ausfällen und Diffamierungen. Pöbeln als Journalismus getarnt.
2. Herrn Trumps Vorschläge sind durchaus vernünftig ...
schwerpunkt 26.11.2015
In irgend einem der geschätzen 10exp500 Universen sind sie sicher vernünftig. Infofern meine Bitte an Herrn Trump, sich in dieses Universum zu begeben und sich nicht nur so zu fühlen, als sei man schon dort.
3.
qwertzay 26.11.2015
"Ted Cruz und Jeb Bush wollen nur noch "christliche" Flüchtlinge zulassen." Warum die Anführungszeichen?
4. Masslos übertrieben
karlsiegfried 26.11.2015
Trifft aber auf diejenigen Muslime,die Europa und Afrika terrorriseren oder wollen.
5. Kleiner Fehler
bluejuly 26.11.2015
Karen Majewski hat nie gesagt, dass das einzige vor dem sie Angst hat Fragen wie die von Carol Costello sind. Im Gegenteil wurde ihr vorgeworfen nicht so geantwortet zu haben.
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