Triumph bei Vorwahl in Nevada Trump im Rausch

Mehr als 20 Prozentpunkte vor seinen Rivalen: Donald Trump holt sich den Sieg in Nevada praktisch im Vorbeigehen. Die Konkurrenz ist geschockt - und nächste Woche ist Super Tuesday.

Von , Washington

Kandidat Trump: "Wir siegen, siegen, siegen"
REUTERS

Kandidat Trump: "Wir siegen, siegen, siegen"


Höher, schneller, Trump. "Wir siegen, siegen, siegen", ruft Donald Trump bei seiner Feier in Nevada. "Es werden jetzt wunderbare zwei Monate. Und vielleicht brauchen wir noch nicht mal zwei Monate!" Er will sich, das macht der Milliardär seinen Anhängern klar, die Nominierung für die republikanische Präsidentschaftskandidatur so schnell wie möglich sichern.

Keine Frage, der Erfolg in Nevada ist für ihn ein schöner Sieg - und für seine Gegner eine eher ernüchternde Erfahrung. Nach dem dritten Erfolg in Serie kann der 69-Jährige nun gestärkt in Richtung Super Tuesday (am 1. März) blicken. Seinen Konkurrenten hingegen scheint langsam die Zeit auszugehen, sich als klare Alternative zu ihm zu präsentieren. Der Überblick.

Trump kann auch Caucus

Der Milliardär galt als großer Favorit in Nevada. Doch manche in seinem Lager fürchteten sich ein wenig vor einer Situation wie in Iowa, als Ted Cruz mit einer ausgefeilten Mobilisierungsstrategie an Trump vorbeizog. Von wegen. Trump nahm Nevada im Vorbeigehen ein, gewann mit mehr als 20 Prozentpunkten Vorsprung.

Ergebnisse der US-Vorwahl in Nevada
So steht es bei den US-Vorwahlen: Alle Ergebnisse, alle Kandidaten, alle Termine

Der Sieg zeigt, dass der Milliardär auch in den als so unberechenbar geltenden Caucus-Vorwahlen (hier geht es zum Erklärvideo) gewinnen kann. Er holte erstmals mehr als 40 Prozent der Stimmen und verdeutlichte damit, dass sein Rückhalt eher breiter wird als schmaler. Und nicht einmal die Latinos stellten sich ihm in Nevada in den Weg. Er gewann knapp die Hälfte ihrer Stimmen - trotz seiner Ausfälle gegen Einwanderung und seiner Pläne, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen. Nevada ändert nichts an der grundsätzlichen Dynamik des Wahlkampfs, aber der Erfolg festigt seine Position als Favorit der Republikaner. Dem Super Tuesday kann Trump nun einigermaßen entspannt entgegensehen.

Rubio ist noch keine klare Alternative

Marco Rubio, der Senator aus Florida, wurde abermals Zweiter. An sich ein gutes Ergebnis. Allerdings ist der Abstand zu Trump gewaltig. Rubios Behauptung, es handele sich fortan nur noch um einen Zweikampf zwischen ihm und dem Immobilienmogul, wirkt da ein wenig bemüht. Tatsächlich lag Rubio nur knapp vor Ted Cruz, dem Tea-Party-Kandidaten aus Texas. Er hätte Cruz weiter hinter sich lassen und näher zu Trump aufrücken müssen, um sich vor dem Super Tuesday als klare Alternative inszenieren zu können.

Auch kein schönes Signal für Rubio: Die zahlreichen prominenten Unterstützer, die er seit dem Ausstieg Jeb Bushs auf seine Seite ziehen konnte, scheinen wenig zu bringen. Bei dem Ärger über das Establishment, der derzeit an der Basis herrscht, muss er eher aufpassen, dass die Unterstützer nicht zur Last werden.

Trump steht vor einem supererfolgreichen Superwahltag

Alles schaut nun auf den Super Tuesday, an dem rund ein Dutzend Staaten wählen, darunter wichtige Südstaaten mit einer hohen Zahl an Delegierten. Der Termin könnte zum Triumphzug von Donald Trump werden. Läuft es gut für ihn, schneidet er am Super Tuesday so erfolgreich ab, dass es anschließend allein schon mathematisch nicht mehr ganz einfach sein wird, ihm die Nominierung streitig zu machen. Zwar werden die Delegierten auch an jenem Superwahltag noch proportional vergeben. Auch Zweit-, Dritt- und Viertplatzierte können also entsprechend Wahlmänner sammeln.

Doch die Republikaner wissen: Jeder Sieg Trumps festigt seinen Status als Favorit. Den Gegnern könnte schlicht die Zeit davonlaufen. Derzeit scheint sogar fraglich, ob sie den Milliardär in ihren eigenen Heimatstaaten Texas (Cruz) und Florida (Rubio) auf die Plätze verweisen können. Eine Niederlage dort wäre für sie die Höchststrafe.

Die Republikaner-Elite unter Schock

Das Nevada-Ergebnis macht auch den größten Skeptikern Trumps klar, dass der xenophobe Reality-TV-Star nur schwer aufzuhalten sein könnte. Für die Parteiführung der Republikaner ist das ein Schock. Lange hatte sie darauf gesetzt, dass Thema Trump würde sich von selbst erledigen. Jetzt müssen sie mit anschauen, wie er die Partei langsam aber sicher übernimmt. Seine Erfolge zeigen, wie sehr die Anti-Trump-Strategie fehlschlug - so es denn überhaupt jemals eine gab.

Über Monate haben sich seine Rivalen lieber untereinander gestritten, anstatt ihn anzugreifen und seine charakterlichen Schwächen in den Mittelpunkt zu rücken. Die vielleicht letzte Hoffnung der Trump-Feinde geht so: Weil in einem der Großteil der Vorwahlen die Delegierten proportional verteilt werden, könnte es sein, dass Trump trotz etlicher Siege nicht die erforderliche Anzahl an Wahlmännern sammeln kann. Wer dann die Partei bei der Präsidentschaftswahl vertreten soll, müsste auf dem Parteitag gewissermaßen ausgehandelt werden.

Aber es scheint derzeit eben nicht mehr als eine Hoffnung.

Im Video: Trumps Liebeserklärung an Nevada

REUTERS

Zum Autor
Veit Medick
Stephen Voss

Veit Medick ist Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in Washington.

  • E-Mail: Veit.Medick@spiegel.de

Mehr Artikel von Veit Medick



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 80 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
90-grad 24.02.2016
1. Wie
schon vor Wochen geschrieben, Trump hat Chancen der nächste Präsident der USA zu werden. Wird Zeit, daß auch der SPON zu einer sachlicheren Berichterstattung zurückfindet.
viktor koss 24.02.2016
2. Willkommen in die Realität
Die Erfolge von Trump und Sanders haben zwar unterschiedliche Unterstützer mit den, wird man berechtigt behaupten dürfen, voneinander getrennten Weltanschauungen, aber mit sehr ähnlichen Entscheidungsüberlegungen ihrer Wähler, die alle auf gleichen Ursachen der Fehlentwicklung der "etablierten Politik" keimen und wachsen. Trump weiß es offensichtlich bestens für seinen Erfolg auszunutzen, aber es heißt noch lange nicht dass er selbst als Präsident es auch verwirklichen würde. Und dies weiß er auch.
_gimli_ 24.02.2016
3.
Besonders interessant finde ich, dass er knapp 50% der Latino-Stimmen bekam. All diejenigen, die noch vor Wochen behaupteten, dass Trump chancenlos wäre, dürften spätestens jetzt ins Grübeln kommen.
Mr T 24.02.2016
4. Frage
Eine Frage and die Runde : 50% der Latinos heisst 50% der Latinos (oder besser: US Buerger mit latein-amerikanischen Wurzeln...) die als Republikaner eingeschrieben sind?
ackergold 24.02.2016
5.
Zitat von _gimli_Besonders interessant finde ich, dass er knapp 50% der Latino-Stimmen bekam. All diejenigen, die noch vor Wochen behaupteten, dass Trump chancenlos wäre, dürften spätestens jetzt ins Grübeln kommen.
Tatsache ist aber, dass in den Vorwahlen der Reps kaum Latinos vertreten sind.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.