US-Vorwahlen in Michigan und Mississippi Alarmsignal für Clinton

Was bewirken die Attacken auf Donald Trump? Er gewinnt. Die jüngsten Vorwahlen verliefen für den Milliardär glänzend - und für Hillary Clinton sehr ambivalent.

Von , Washington

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Donald Trump hat für die Gäste seiner Feier ein paar seiner ganz besonderen Produkte mitgebracht. Der Milliardär hat sie gleich neben der Bühne platzieren lassen: Trump-Wasser, Trump-Rotwein, Trump-Weißwein, ja, sogar Trump-Steaks liegen dort aus. "Wunderbare Steaks", sagt Trump. "Wenn jemand eins mitnehmen will - was stellen wir Euch in Rechnung? 50 Dollar?" Irgendwo lacht jemand, Trump nimmt Fragen entgegen.

Es ist, mal wieder, ein sehr eigenartiger Auftritt, den der 69-Jährige nach diesem jüngsten Vorwahlabend hinlegt. Je länger man Trump zuschaut, desto stärker glaubt man, in einen Shopping-Kanal geschaltet zu haben. Aber er will eine Botschaft senden an alle jene Republikaner, die sich in den vergangenen Tagen gegen ihn gewendet und sein teils sehr spezielles Businessmodell in den Fokus gerückt haben. Ihr könnt mich noch so sehr veralbern, es nützt nichts - ich gewinne. Das ist sein Tenor.

Trumps Firewall

Tatsächlich ist es ein ziemlich guter Abend für Trump. Er fährt klare Siege in Michigan und Mississippi ein, den beiden größten und wichtigsten Vorwahlstaaten am Dienstag, sein Rivale Ted Cruz entscheidet das weniger bedeutende Idaho für sich. Am späten Abend sicherte er sich auch noch den Sieg auf der Pazifikinsel Hawaii. Wie hilfreich die Siege für Trump sind, wird klar, wenn man die Dynamik der vergangenen Tage berücksichtigt: Prominente Republikaner, allen voran Ex-Kandidat Mitt Romney, machten plötzlich Stimmung gegen Trump.

Seine Konkurrenten schalteten aggressive Fernsehspots. Trumps nicht immer glückliche Firmenvergangenheit stand auf einmal in der Diskussion. Alle gegen den Spitzenreiter, das war die Lage.

Mit seinen Siegen zeigt er, dass er auch gewinnen kann, wenn der Druck auf ihn wächst und seine Gegner Millionen gegen ihn in TV-Werbung stecken. Ist Trump immun gegen Angriffe? Sicher nicht. Aber kurzfristig lassen sich seine Anhänger offenkundig nicht beeindrucken. Mit Blick auf die so wichtigen Vorwahlen in Florida und Ohio in der kommenden Woche ist das für Trump die bestmögliche Nachricht.

Clintons Alarmsignal

Hillary Clinton erlebt einen ambivalenten Abend. Ihr erdrutschartiger Sieg in Mississippi sorgt zwar dafür, dass sie am Ende des Tages insgesamt mehr Parteitagsdelegierte sammeln kann als ihr Rivale Bernie Sanders und damit der Kandidatur erneut ein Stück näher rückt. Sorgen sollte ihr allerdings ihr Ergebnis im wesentlich bedeutenderen Michigan machen, einem Staat des sogenannten Rust Belt im Mittleren Westen, der größten Industrieregion der USA.

Clinton verliert die Wahl dort knapp gegen Sanders. Eine echte Überraschung: Sie investierte viel in den Staat, reiste kürzlich nach Flint, jener von einem Trinkwasserskandal so arg gebeutelten Stadt und gab sich als Kümmerin. So gut wie alle Umfragen prophezeiten einen Sieg der Ex-Außenministerin. Das Gegenteil tritt ein.

Unangenehm für Clinton: Der Rust Belt - zu dem auch das benachbarte Ohio gehört, wo kommende Woche gewählt wird - ist besonders wichtig im Hauptwahlkampf. Die Staaten sind unberechenbar, mal wählen sie republikanisch, mal demokratisch. Entscheidend sind hier nicht zuletzt die Wähler, die unter den Folgen der Globalisierung leiden: die - überwiegend weißen - Arbeiter aus der Auto- und Schwerindustrie. Diese Wähler sind Trumps Basis - und Clinton betrachten sie offenbar mit großer Skepsis, so kann man die Ergebnisse in Michigan jedenfalls lesen.

Clintons Linksschwenk in Wirtschaftsfragen und ihre Ablehnung jüngster Handelsabkommen scheint hier nicht so zu verfangen, wie sie das gehofft hatte. Mit Blick auf die Wahl im November wird sie sich etwas einfallen lassen müssen, um diese Wählergruppe besser anzusprechen.

Rubios Absturz

Klarer Verlierer des Abends ist der Republikaner Marco Rubio, Trumps einstiger Top-Rivale. Der Senator aus Florida kommt weder in Michigan noch in Mississippi über die zehn Prozent und geht in beiden Staaten bei den Delegierten komplett leer aus. Schlechter könnte der Zeitpunkt für ihn nicht sein. In einer Woche wählt Florida. Und statt mit Schwung in seinen Heimatstaat zu gehen, steckt seine Kampagne plötzlich im Überlebenskampf.

Die Primary am 15. März droht zu seiner Schicksalswahl zu werden: Er muss in Florida gewinnen, um seinen Anspruch aufrechterhalten zu können, weiter im Rennen zu bleiben. Eine Niederlage könnte nicht nur seine Bewerbung für die Präsidentschaftskandidatur beenden, sie dürfte auch seinem Ruf in Florida selbst schaden. Es gibt Republikaner, die ihm angesichts seines Absturzes bei den jüngsten Wahlen sogar dazu raten, vor der Wahl in der kommenden Woche aus dem Rennen auszusteigen, um eine Blamage zu verhindern. Das will Rubio nicht. Er werde, ließ er am Abend wissen, selbstverständlich in seinem Heimatstaat zur Wahl stehen.

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