Donald Trumps Pressekonferenz "Ihr seid Fake News!"

Es ging zu wie im Zirkus: Trumps erste Pressekonferenz als designierter US-Präsident stand im Zeichen der jüngsten Russland-Vorwürfe. Die nutzte Trump zum Frontalangriff gegen die Medien - und die eigenen Geheimdienste.

AFP

Von , New York


Kein Wunder, dass manche Leute die Medien nicht mögen. Wie ein Rudel ausgehungerter Kojoten wälzen sich die Reporter durch den Trump Tower, treten sich auf die Füße, stoßen sich rüde aus dem Weg: "Weg da!" Sie brüllen ihre Fragen durcheinander, übereinander, gegeneinander, winken wichtigtuerisch mit ihren Stiften wie in einem schlechten Hollywoodfilm. Aber erst machen sie Selfies.

Kein Wunder also, dass Donald Trump, der niemanden neben sich duldet, die Medien am wenigsten mag. "Wie schön, bei euch zu sein", lügt er, als er aus dem Aufzug tritt, um sich erstmals seit Juli den Fragen von Journalisten zu stellen (Lesen Sie hier die Pressekonferenz im Minutenprotokoll nach). Die falsche Höflichkeit währt nicht lang: Am Ende beschimpft er CNN als "Fake News" und die US-Geheimdienste - auf die er künftig angewiesen ist - als Nazis und macht klar, wer fortan die alleinige Nachrichtenhoheit habe: "Ich habe gewonnen."

Trumps erste Pressekonferenz als designierter US-Präsident versinkt im Chaos, noch bevor sie anfängt. Dutzende Reporter keilen sich im Trump Tower um Plätze. Es stinkt nach Schweiß und den Toiletten, die dem Andrang nicht gewachsen sind.

Nicht nur mit den Medien ist Trump auf Kriegsfuß

Denn das eigentliche Thema, Trumps wirtschaftliche Interessenkonflikte, wird sofort überschattet von Sensationsberichten, Russland habe "kompromittierendes Material" über Trump. Diese Berichte, Stunden zuvor in der "New York Times", bei CNN und weiteren erschienen, sind ebenso haarsträubend wie unbestätigt. Trotzdem nahmen die vier US-Spionagechefs sie so ernst, dass sie Trump warnten - sowie den scheidenden Amtsinhaber Barack Obama.

Ein gefundenes Fressen für Trump, der nicht nur mit den Medien auf Kriegsfuß steht, sondern zunehmend auch mit seinen Geheimdiensten. Deren Erkenntnisse über Russlands Cyberangriff auf die US-Wahlen sieht er als Schmähung seines Siegs. Moskaus angebliches Erpressungsdossier über ihn bietet ihm nun die perfekte Gelegenheit, beide Fliegen mit einer Klappe zu schlagen - Reporter wie Spione.

Sehen Sie hier das Video zur Pressekonferenz:

REUTERS

So wird dieser Auftritt keineswegs zu Trumps erstem würdig-präsidialen Moment seit der Wahl. Sondern zu einer beispiellosen Mischung aus Selbstbeweihräucherung, Verschleierungstaktik und Verachtung für demokratische Selbstverständlichkeiten wie eine freie Presse und tadellose Regierungsorgane.

Trump bestätigt zwar, dass er von den Top-Spionen eine Zusammenfassung des angeblichen Russland-Dossiers über ihn erhalten habe. Er bezeichnet diese Informationen aber als "Schwachsinn" und - sein neues Lieblingswort - "Fake News".

Einen Punkt spricht er im Detail an: ein angebliches Sexvideo mit Prostituierten in einem Moskauer Hotel: Jeder wisse, dass in vielen Hotelzimmern Kameras versteckt seien. Außerdem habe er eine Phobie vor Keimen.

Dass das Papier an die Medien lanciert wurde, sei "etwas, was Nazi-Deutschland getan hätte" - eine Formulierung, die er zuvor getwittert hat und gegen die sich jüdische Organisationen verwehren.

"Großen Respekt für die Pressefreiheit und all das"

Er habe "großen Respekt für die Pressefreiheit und all das", sagt Trump. Im gleichen Atemzug verteufelt er die jüngsten Medienberichte als "absolute Schande". Den CNN-Reporter Jim Acosta staucht er vor laufender Kamera zusammen: "Dir gebe ich keine Frage, Ihr seid Fake News!" Auch andere behandelt er wie Untertanen, erteilt ihnen entweder huldvoll das Rederecht oder bringt sie mit einer abfälligen Handbewegung zum Schweigen.

Vor allem Trumps eskalierender Konflikt mit den US-Geheimdiensten ist ein böses Omen: Als Präsident ist er auf ihre Loyalität und Arbeit angewiesen, um die nationale Sicherheit zu gewährleisten.

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Trumps Pressekonferenz: "Dir gebe ich keine Frage"

Doch das ist nicht das einzige Problem, das ihm droht: Nach einer halben Stunde kommt er endlich auf seine Interessenkonflikte zu sprechen, die ihm als Konzernchef drohen, wenn er nächste Woche ins Weiße Haus zieht.

Um deren "Anschein" zu vermeiden, tritt er die Leitung seines Konzerns deshalb an seine Söhne Eric und Don ab. Dazu habe er Verträge unterzeichnet, die auf einem Tischchen neben dem Rednerpult liegen, jedenfalls sind da ein paar Ordner gestapelt, deren Inhalt aber nicht erkennbar ist.

Eine Trump-Anwältin erläutert das Verfahren, das außerdem ein Moratorium für neue Deals und die Bestallung eines firmeneigenen "Ethikberaters" vorsehe. So bleibt am Ende trotzdem alles in der Familie, und auch die Anwältin macht ihre mangelnde Unabhängigkeit deutlich, indem sie Trumps Wahlkampfslogan zitiert: "Make America great again!"

Trump beendet Pressekonferenz mit den Worten: "You're fired!"

Schließlich, sagt Trump, mache er das alles ja nur freiwillig. Sein Kernsatz: "Ich habe prinzipiell keine Konfliktsituation, denn ich bin der Präsident."

Andere denkwürdige Sätze:

  • Über Russlands Präsident Wladimir Putin: "Wenn Putin den Donald Trump mag, dann sehe ich das als Aktivposten, nicht als Nachteil." Ja, Russland habe US-Computer gehackt, aber das habe auch China, "und davon redet niemand".
  • • Über sein Konjunkturprogramm: "Ich werde der größte Stellenbeschaffer sein, den Gott jemals erschaffen hat."
  • Über seine geplante Mauer zu Mexiko, die Mexiko nicht bezahlen will: "Wir bauen die Mauer, und Mexiko wird sie bezahlen." Notfalls über Steuern. Und: "Ich liebe die Menschen von Mexiko. Viele Menschen aus Mexiko arbeiten für mich."

Zum Schluss verabschiedet sich Trump von den Reportern mit dem Slogan seiner einstigen Reality-Show "The Apprentice". Würden seine Söhne im Management des Trump-Firmenimperiums Fehler machen, werde er ihnen sagen: "You're fired!"

Amerikas neue Realität hat begonnen.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels konnte der falsche Eindruck entstehen, Trump habe sein "Apprentice"-Zitat "You're fired!" direkt an die Reporter gerichtet. Wir haben die Stelle nun präzisiert.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 110 Beiträge
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Seite 1
joes.world 11.01.2017
1. Was für ein Paradigmenwechsel!
Gestern Abend Obama, der Philosoph, der politische Feingeist, der Mann der Worte. Und nun Trump. Der eine völlig andere Herangehensweise an die Dinge hat, als Obama. Unter Letzterem wurde so lange abgewogen, um nur ja das Beste zu erreichen, bis die Welt an ihm vorbeigerauscht war. Und ihm die Richtung vorgab. Er immer öfters nur mehr Zuseher war. Trump wird delegieren. Die Fachleute für die Spezialthemen (Außenpolitik, Wirtschaft, Verteidigung, etc.), werden die Richtung der Regierung definieren und Trump wird sich rasch entscheiden. Auch deshalb, weil er in unterschiedlichen Gebieten die jeweiligen Spezialisten parallel arbeiten lassen wird. Es wird Entscheidungen regnen. Deshalb eine Conclusio meiner Analysen für Merkel, die ihr von mir nicht in Rechnung gestellt wird: hat sie Zugang zu allen Beratern Trumps in dem jeweiligen Gebiet und reden die mit ihren Leuten oder ihr selber Tacheles, wird sie immer wissen, was aus den USA auf sie und Deutschland zukommt. Trump wird denen, die er für die jeweiligen Spezialgebiete auswählt, folgen. Solange er weiß, dass sie nicht von Dritten manipuliert oder unter Druck gesetzt wurden. Nach 8 Jahren der Worte, kommen nun die Tage der Taten.
Herkules67 11.01.2017
2. Kasperle
Tut mir leid, aber dieses Kasperletheater wird nicht die vollen 4 Jahre andauern. Ich schätze, irgendwer oder - was wird Donald "firen". So einen Schmarrn hält kein normaler Mensch auch nur 6 Monate aus, Trumpel geht einem ja jetzt schon auffen Keks. Twitter twitter
pulverkurt 11.01.2017
3.
Sehr interessant, dass alles, was man Rechtsaussen an Lügen und Verdrehungen zurecht vorwirft, sofort von diesen Leuten aufgesogen und wie von einer Gummiwand zurückgeworfen wird. "Fake News", "postfaktisch"... auch hier im Forum sehr (un)schön zu beobachten.
andy_lettau 11.01.2017
4. Ich hätte DT gewählt. Und heute meine Zweifel.
Ich habe kein Parteibuch und werde auch niemals ein solches haben. Meine feste Überzeugung ist die, das Demokratie vom gelegentlichen Wechsel lebt. Mit PEGIDA und AFD kann ich nichts anfangen, ich stehe einfach nicht auf Rattenfänger. Aber ich gebe zu: Ich hatte bei den Wahlen auf Trump gesetzt bzw. dessen versprochenem Aufbrechen von verkrusteten Strukturen in Washington. Ich nahm ihm, dem "Macher", das einfach ab - auch wenn ich sämtliche Negativaspekte seines bisherigen wirtschaftlichen Wirkens aufmerksam verfolgt hatte. Ich sah in ihm den neutralen Outsider und die gespielt hässliche Raupe mit egomanischen Charakterzügen, die sich aber spätestens bei Amtseinführung als schöner Schmetterling entpuppt und in irgendeiner Form dem Weltfrieden und Handel unter den Völkern dienlich ist. Wie auch immer: Nach der heutigen PK habe ich meine Zweifel, ob sich diese Wunschvorstellung erfüllen wird. Denn Fake-Presse, "Wahrheits"-Blogs und Angriffe unter die Gürtellinie hin oder her: Ein US-Präsident sollte solchen Themen - erstens - mit Stil und - zweitens - mit der Würde des Amtes entsprechend begegnen - anstatt weiterhin zu poltern, Fronten zu verhärten und Feindbilder zu schaffen. Die heutige Veranstaltung hat mich gelehrt, dass eine hart arbeitende und unterbezahlte Raute im Hosenanzug zwar extrem langweilig und wenig visionär ist, aber andererseits auch kontinuierlich und verlässlich. Von einem alles Mögliche versprechendem Schreihals würde ich jedenfalls nicht regiert werden wollen. Aber vielleicht kommt der neue US-Präsident ja noch zur Besinnung ...
karl-der-gaul 11.01.2017
5. Es ging zu wie im Zirkus:
Und wer hat den Zirkus hervorgerufen? BuzzFeed und CNN durch ihrer unsubstantiated Veröffentlichung, purer FakeNews, alles nur um den gewählten Präsidenten zu schaden. Was soll den Trump machen, Er muss sich verteidigen und dass ist genau was die Medien wollen, damit immer negatives über ihn berichtet wird.
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