Interview-Aussagen Trump hält Verstrickung Putins in Attentate für möglich

Ob er zustimme, dass Russlands Präsident in Attentate etwa durch Vergiftungen verwickelt sei, wollte eine Journalistin von Donald Trump wissen. Seine Antwort: "Wahrscheinlich ist er es, ja."

Donald Trump
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US-Präsident Donald Trump hält eine Verstrickung von Kremlchef Wladimir Putin in Attentate für möglich. Trump sagte dem US-Sender CBS auf die Frage, ob er zustimme, dass der russische Präsident in Attentate etwa durch Vergiftungen verwickelt sei: "Wahrscheinlich ist er es, ja. Wahrscheinlich." Er fügte hinzu: "Natürlich sollten sie das nicht tun."

Das Interview in der Sendung "60 Minutes" wurde am Sonntagabend ausgestrahlt. Trump sagt darin auch, im persönlichen Umgang mit Putin trete er "sehr hart" auf. Der US-Präsident reagierte damit auf Kritik, die nach seiner gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin im Juli aufgekommen war: Trump hatte sich dabei nicht klar hinter die eigenen Sicherheitsbehörden gestellt, die Russland Einmischung in die US-Präsidentenwahl 2016 vorwerfen.

In dem Interview mit CBS-Moderatorin Lesley Stahl sagte Trump nun, die Russen hätten sich eingemischt. "Aber ich denke, dass China sich auch eingemischt hat." Er halte China für das "größere Problem". Der Präsident fügte hinzu: "Ich sage Russland, aber ich sage auch China."

Der frühere Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julija waren im März in Großbritannien mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden und nur knapp dem Tod entkommen. Großbritannien macht russische Agenten für den Giftanschlag verantwortlich.

Die USA, Deutschland, Frankreich und Kanada hatten im vergangenen Monat erklärt, dass sie den britischen Ermittlungsergebnissen voll vertrauten. Diese Ergebnisse beinhalten auch, dass "diese Operation mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auf hoher Regierungsebene gebilligt wurde". Russland dementiert jede Verantwortung für den Anschlag.

Trump über Nordkorea, China, Mueller, Mattis - und den Klimawandel

Trump kam in dem Interview auch auf seine Beziehung zu anderen Staatsführern zu sprechen. Er verstehe sich mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sehr gut, sagte er beispielweise. Die Chemie zwischen ihnen beiden stimme. Er wisse zwar um die Menschenrechtsverletzungen, die sich in Nordkorea zutragen würden, sagte Trump. "Ich bin kein Baby. Ich weiß über diese Dinge Bescheid." Aber man solle bedenken, dass es seit der Annäherung an Kim keine Drohgebärden aus Nordkorea mehr gebe.

Bezogen auf China sagte Trump, er erwäge möglicherweise noch weitere Sanktionen im Handelskrieg. Er bekräftigte zudem erneut, dass er nicht jedem Mitarbeiter im Weißen Haus traue. Und die Untersuchungen von US-Sonderermittler Robert Mueller in der Russlandaffäre nannte Trump einmal mehr "unfair, denn es gab keinerlei Zusammenarbeit". Mueller untersucht unter anderem, ob es im Wahlkampf Absprachen zwischen der russischen Seite und dem Trump-Team gab.

Gefragt, ob er glaube, dass sein Verteidigungsminister James Mattis die Regierung verlassen könnte, sagte Trump: "Es könnte sein, dass er es tut." Er fügte hinzu: "Ich glaube, er ist eine Art Demokrat, wenn Sie die Wahrheit hören wollen. Aber General Mattis ist ein guter Kerl. Wir kommen gut aus miteinander. Er könnte gehen. Irgendwann geht jeder."

Auch zum Thema Klimawandel wurde Trump befragt - er hatte in der Vergangenheit öffentlich bezweifelt, dass es ihn gebe. "Ich bestreite Klimawandel nicht", sagte Trump nun. "Aber er könnte sehr wohl wieder zurückgehen." Er wisse zudem nicht, ob Analysen von Wissenschaftlern zuträfen, wonach die Menschheit für die globale Erderwärmung verantwortlich sei. "Wissenschaftler haben eine politische Agenda", sagte Trump. Er betonte auch, er wolle durch Klimaschutzmaßnahmen nicht Millionen Jobs und Milliarden Dollar verlieren.

aar/dpa

insgesamt 8 Beiträge
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pv51 15.10.2018
1. glauben glauben glauben
soll man doch einmal einen Fall vor ein Gericht bringen, dort werden gemeinhin Beweise verlangt. Es hat sich die schlechte Sitte eingenistet zu glauben und nicht mehr zu beweisen. warum versteckt man all die "Zeugen", von denen man nicht einmal genau weiß ob es sie überhaupt gibt (Skripal)? Keiner (?) hat ihn je gesehen ...
infooverdose 15.10.2018
2. Irr
Spätestens nach diesem Interview ist mir klar, dass Trump irr zu sein scheint. Das Bizarre ist, dass die ganze Welt darunter leidet und sich notgedrungen fügen muss. Ich bin so erstaunt, wie sich derartige Persönlichkeiten derzeit in vielen Ländern als Politische Führer durchsetzen. Ob es bei uns auch bald so entwickelt?
steingärtner 15.10.2018
3. Trump hat keine Ahnung
Trump sollte einfach hier bei SPON nachlesen. Da ist alles geklärt. "Präsident Putin setzt seinen Militärgeheimdienst beim Giftanschlag in Salisbury und bei Hackerangriffen gegen den Westen ein..." Er braucht dann auch nicht mehr von "wahrscheinlich" reden.
kochra8 15.10.2018
4. cholerisch
Erst das Geschäft, dann der Strippenzieher. Politischer Kapitalismus setzt sich über jede Form der Menschenrechte hinweg. Nur dann nicht, wenn es ihm dient. Nordkorea und China haben diesbezüglich Vasallen zu sein. China geht den eigenen Weg, deshalb entzieht es sich so den trumpschen Kontrollallüren. Wehe, irgend einer setzt Trump und seinen Hintermännern Machenschaften in Frage. Demokraten, Umweltaktivisten, Chinesen: sie alle bedingen den nachhaltigen Kapitalismus, der erst den Menschen vorwegsetzt. Das hindert den totalitären Kapitalismus, unkontrolliert seinen Weg zu gehen. Trump wird kämpfen, gegen alles, das ihm Fesseln auferlegt. Auch wenn es so kommt wie in Venezuela. Entweder mit ihm - oder gegen ihn...
schorsch_69 15.10.2018
5. Och Joh!
Ob auch Russlands Präsident in Attentate etwa durch Vergiftungen verwickelt sei? Meine Antwort: "Wahrscheinlich ist er es, ja, so wie viele andere Präsidenten und Nationen dieser ach so friedlichen Welt, so wie z.Bsp. den USA, Israel, Saudi-Arabien usw. usw.."!
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