Recherchen der "New York Times" Trump half seinen Eltern offenbar bei Steuervermeidung

US-Präsident Trump prahlt damit, aus eigener Kraft reich geworden zu sein. Die "New York Times" berichtet nun, er habe vom Vater einst 413 Millionen Dollar erhalten - und mit einer Scheinfirma millionenschwere Geschenke verschleiert.

Donald Trump im New Yorker Trump Tower (Januar 2017)
AFP

Donald Trump im New Yorker Trump Tower (Januar 2017)


Er habe es aus eigener Kraft geschafft, behauptet Donald Trump gern. Der US-Präsident pflegt mit Hingabe sein Image als großartiger "Deal-Maker" und "Self-Made-Milliardär", der zu Beginn seiner Karriere in der Immobilienbranche von seinem Vater lediglich ein Darlehen von einer Million Dollar bekam - und das mit Zinsen zurückzahlte. Ein Bericht der "New York Times" stellt das nun in Zweifel.

Demnach bekam Trump im Laufe der Jahrzehnte von seinem Vater Fred Werte aus dessen Immobiliengeschäft im Volumen von heute mindestens 413 Millionen Dollar. "Ein Großteil des Geldes bekam Trump, weil er seinen Eltern dabei half, Steuerzahlungen zu vermeiden", schreibt die "NYT".

Die Zeitung beruft sich nach eigenen Angaben auf Interviews mit früheren Angestellten und Beratern Fred Trumps sowie auf mehr als 100.000 Seiten Unterlagen zu den Verflechtungen von dessen Unternehmensimperium. Darunter seien auch mehr als 200 Steuererklärungen von Fred Trump; die von Donald Trump seien nicht in die Recherchen eingegangen.

Die Zeitung schreibt, dass Donald Trump gemeinsam mit seinen Geschwistern eine Scheinfirma gegründet habe, um millionenschwere Geschenke seiner Eltern zu verschleiern. Donald Trump habe für seine Eltern auch eine "Strategie formuliert", um den Wert ihres Immobilienbesitzes zu niedrig anzusetzen und so Steuerzahlungen zu verringern. Es sei in den Neunzigerjahren zu "Fällen von direktem Betrug" gekommen, berichtet die "NYT".

Trumps Anwalt bestreitet die Vorwürfe

Trump selbst wollte sich gegenüber der Zeitung in den vergangenen Wochen nicht äußern, heißt es in dem Artikel. Über seinen Anwalt Charles Harder ließ er jedoch ausrichten, die Darstellungen seien falsch. "Präsident Trump war praktisch in keiner Weise in diese Sachen verwickelt", sagte Harder der "NYT". "Um die Angelegenheiten kümmerten sich andere Mitglieder der Trump-Familie." Diese seien keine Experten gewesen und hätten sich auf anerkannte Profis verlassen, um die Einhaltung von Gesetzen voll und ganz zu gewährleisten. Donald Trumps Bruder Robert teilte laut "NYT" im Namen der Familie mit, alle erforderlichen Steuern seien gezahlt worden.

Aus dem Weißen Haus hieß es in der Nacht zu Mittwoch, der Zeitungsartikel sei irreführend. Die US-Steuerbehörde habe die Steuererklärungen vor vielen Jahrzehnten geprüft und unterzeichnet, sagte Trumps Sprecherin Sarah Sanders.

Ein Sprecher der Steuerbehörde im Bundesstaat New York teilte mit, man untersuche die Vorwürfe aus dem Zeitungsartikel.

Die "New York Times" arbeitete eigenen Angaben zufolge wochenlang an dem Artikel. Es handle sich um einen der ausführlichsten Investigativ-Texte, die je veröffentlicht worden seien (hier können Sie den vollständigen Artikel nachlesen; hier hat die "NYT" die wichtigsten Punkte der Recherche zusammengestellt).

Einige weitere wichtige "NYT"-Aussagen im Überblick:

  • Schon im Alter von drei Jahren soll Donald Trump durch die Geschäfte seines Vaters viel Geld verdient haben, nach heutigem Wert seien es jährlich 200.000 Dollar gewesen. Als Achtjähriger sei Trump Millionär gewesen, berichtet die "NYT". In seinen Vierzigern und Fünfzigern habe er so mehr als fünf Millionen Dollar pro Jahr erhalten.
  • Die Eltern von Donald Trump sollen ihren Kindern insgesamt mehr als eine Milliarde Dollar übergeben haben. Nach damaligen Steuersätzen wären laut "NYT" mindestens 550 Millionen Dollar fällig gewesen. Tatsächlich zahlten die Trumps laut der Zeitung jedoch nur 52,2 Millionen Dollar an Steuern.
  • Die Zeitung legte ihre Rechercheergebnisse eigenen Angaben zufolge Steuerexperten vor. Demnach haben die Trumps nicht nur juristische Schlupflöcher ausgenutzt, sondern seien teils noch weiter gegangen. Die Rede ist von "einem Muster von Täuschung und Verschleierung".
Foto von Fred Trump im Oval Office
AFP

Foto von Fred Trump im Oval Office

Donald Trumps Vater Fred war ebenfalls im Immobiliengeschäft tätig. Er starb 1999, seine Ehefrau Mary Anne Trump ein Jahr später. Mehr Hintergründe zu den Trumps und zum Familiengeschäft erfahren Sie hier. Nähere Informationen dazu, wie sich Donald Trump reich rechnet, erhalten Sie hier.

aar/AP/Reuters

insgesamt 30 Beiträge
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timpia 03.10.2018
1. Sollte die Spitze der USA moralisch nicht Vorbild sein?
Sollte sich der vorsätzliche Betrug bewahrheiten, wäre DT moralisch und rechtlich untragbar. Wer schon so reich ist und dennoch betrügt ist für ein politisches Amt, welches ja Steuern umverteilt, völlig ungeeignet.
Bueckstueck 03.10.2018
2. Dann eben noch eine dritte Ermittlung
Das trump mit dem goldenen Löffelchen im Munde sechs mal in den Bankrott steuerte, wussten wir ja. Das es jedoch diese Ausmasse mitsamt Betrug hatte, ist neu. Die IRS ist zwar ein scharfer Hund, nicht jedoch so unabhängig vom Einfluss des Weissen Hauses wie andere, dem DOJ unterstehende Behörden. Hier wird sicher der nächste Skandal geboren...
dasfred 03.10.2018
3. Wie kommt man zu einem kleinen Vermögen?
Man fängt mit einem großen Vermögen an. Natürlich wieder nur Fake News, oder, Mr. President. Am lustigsten ist die Stelle, an der nicht der größte Dealmaker ever sich um die Finanzen gekümmert hat, sondern seine ahnungslosen Geschwister, die dafür Experten von außen beschäftigt haben. Beste Feiertags Unterhaltung mit Humor für die eine Seite der Leser und reichlich Action und Verschwörung für die anderen. Wird Netflix das verfilmen, oder gilt das als zu unglaubwürdig? Zumindest ist es der passende Stoff für eine Miniserie "The young Donald". Da schließt dann alles weitere nahtlos an.
dirkcoe 03.10.2018
4. Passt ins Bild
Der selbsternannte großartigste Präsident den die USA je hatten ist halt doch nur ein alter Mann mit hoher krimineller Energie. Eine einzige Peinlichkeit. Sein Platz vermutlich der Knast - aber sicher nicht das Weißer Haus.
ihawk 03.10.2018
5. Geldvernichtung
Schlimmer noch - Experten haben mehrfach berechnet, wenn Donald Trump keine Geschäfte gemacht hätte und sein Geld in konservativen Anlagen hätte „arbeiten“ lassen, wäre sein Vermögen heute höher.
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