Fall Stormy Daniels Trump soll Zahlung an Pornodarstellerin erstattet haben

Donald Trump hat behauptet, nichts von der 130.000-Dollar-Zahlung seines Anwalts an die Pornodarstellerin Stormy Daniels gewusst zu haben. Sein neuer Rechtsberater Rudolph Giuliani stellt den Fall nun anders dar.

Giuliani und Trump (November 2016)
AFP

Giuliani und Trump (November 2016)


US-Präsident Donald Trump hat nach Angaben seines neuen Anwalts Rudolph Giuliani seinem Rechtsvertreter Michael Cohen die Zahlung von 130.000 Dollar an die Pornodarstellerin Stormy Daniels erstattet. Das Geld sei von Trumps Anwalt gezahlt worden, der Präsident habe es über mehrere Monate hinweg zurückerstattet. Das sagte Giuliani am Mittwoch im Interview mit dem Sender Fox News. Die Zahlung habe keinen Verstoß gegen das Gesetz zur Wahlkampffinanzierung dargestellt.

Stephanie Clifford - so der bürgerliche Name der Pornodarstellerin - hatte zwölf Tage vor der Präsidentschaftswahl 2016 eine Vereinbarung mit Cohen unterzeichnet, in der sie sich verpflichtete, nicht öffentlich über eine angebliche Affäre mit Trump zu sprechen. Im Gegenzug zahlte Cohen ihr 130.000 Dollar (nach heutigem Wert 105.000 Euro). An die Schweigevereinbarung fühlt sich Clifford inzwischen nicht mehr gebunden, sie liegt darüber mit Cohen im Rechtsstreit.

Der US-Präsident hatte zunächst jegliche Kenntnis von einer Zahlung an Daniels abgestritten. Zuletzt räumte er ein, dass Cohen einen "Deal" mit Clifford gemacht habe. Als Trump von Journalisten an Bord der Air Force One gefragt wurde, ob er über die Zahlung informiert gewesen sei, sagte er: "Nein." Und er wisse auch nicht, woher das Geld gestammt habe.

Giuliani sagte nun, Trump habe womöglich nicht gewusst, wofür genau Cohen die 130.000 Dollar gezahlt hatte. Er habe aber gewusst, dass sich Cohen um "solche Dinge" kümmere. "Genauso, wie ich mich um solche Dinge für meine Klienten kümmere. Ich belaste sie nicht mit jeder kleinen Einzelheit."

Video: Trump will nichts von Zahlungen an Stormy Daniels gewusst haben

Die Zahlung ist vor allem deshalb brisant, weil es sich um eine mutmaßliche Wahlkampfhilfe für Trump und damit womöglich auch um eine nicht deklarierte und somit illegale Wahlkampfspende gehandelt haben könnte. Cohen führte bislang stets an, das Geld aus eigener Tasche gezahlt zu haben.

Giuliani fordert Ende der Mueller-Ermittlungen

Giuliani ist Jurist und arbeitete als Bundesstaatsanwalt für den südlichen Distrikt von New York. Von 1994 bis Ende 2001 war er Bürgermeister von New York City. Im vergangenen Monat schloss er sich dem Anwaltsteam des US-Präsidenten in der Russlandaffäre an.

Der 73-Jährige gilt schon lange als Anhänger und Unterstützer Trumps. Auch im aktuellen Interview mit Fox-News-Moderator Sean Hannity lobte Giuliani den US-Präsidenten: Er sei der beste, an den er sich erinnern könne.

Giuliani forderte zudem ein Ende der Russlandermittlungen, "im Interesse der Gerechtigkeit". Der US-Justizminister und sein Stellvertreter sollten die Untersuchungen von Sonderermittler Robert Mueller stoppen, sagte Giuliani. Mueller untersucht eine Einflussnahme Russlands auf die Präsidentschaftswahl, inwiefern es Absprachen zwischen Moskau und dem Trump-Lager gab und auch den Verdacht der Justizbehinderung durch den heutigen Präsidenten.

In Trumps Anwaltsteam gab es zuletzt mehrere Abgänge: Wie das Weiße Haus am Mittwoch mitteilte, geht der 68-jährige Ty Cobb zum Ende des Monats in den Ruhestand. Er war erst im August als Rechtsberater des Präsidenten angeheuert worden. Im März hatte bereits der Leiter des Anwaltsteams, John Dowd, das Handtuch geworfen.

aar/AP/AFP

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g.eliot 03.05.2018
1. Nicht White House...
...Madhouse. Giuliani bestätigt de facto, dass Trump ein Lügner ist. Er sitzt bei Sean Hannity, beim gemeinsamen Freund von Trump in der Sendung, in welcher er das Statement macht. Danach richtet er die üblichen Schimpftiraden gegen die Clintons und sagt als Anwalt in national TV, Hillary sei eine Kriminelle. Das ist irre. Die Republikaner haben in diesem Jahr 5.000 TV Spots und 12.000 Anzeigen gegen Hillary Clinton geschaltet, für die special elections und Midterms. LIegt das Verhalten noch innerhalb der Norm? Wäre so etwas überhaupt heilbar? I don't think so.
der_k 03.05.2018
2. Ein typischer Trump...
Hat er es gewusst, hat er nicht! Hat er selbst gezahlt, hat er nicht! Mal weiß er von nichts, jetzt doch! Hat er gezahlt, jetzt doch! Es ist schon fast peinlich sich dazu zu äußern, aber dieser Präsident ist der verlogenste Mensch, der je im Amt war, und vermutlich je sein wird! Wenigstens den Rekord hat er definitiv für sich! Der Rudi fordert nach so einer „Enthüllung“ die Minister auf, „im Namen der Gerechtigkeit“, die Ermittlungen einzustampfen? Wenn man noch dazuaddiert, dass sich Trumps Anwaltsteam selbst dezimiert, was könnte noch auffliegen? Rudi hält den Donald für den besten Präsident, an den er sich erinnern kann? Offensichtlich ist er „geistig verwirrt“, wie man so schön sagt... Man kann sich auf das nächste Kapitel in der Trump-Soap freuen... Lügen, Intrigen, Macht und Sex! Die Geschichte geht weiter!
susuki 03.05.2018
3.
Der Unterhaltungswert der Präsidentschaft Trump wird, einmal glücklich überstanden, einen abendfüllende Satire / Dokumentation hergeben. Wieso plappert ein Anwalt, öffentlich und ohne Not, das Gegenteil seines Vorgängers? Debilität?
carlitom 03.05.2018
4.
Ach, jetzt ist endlich alles klar. Trump hat also den Schweigebetrag für die Affäre, die er niemals hatte, dem Anwalt, von dessen Aktionen er nichts wusste und der behauptete, das Geld aus eigener Tasche bezahlt zu haben, in Raten (!) erstattet - und zwar ohne zu wissen, wofür der das haben wollte? Und danach hatte er das Ganze total vergessen, weil... er sonst so viel zu tun hatte. Zum Glück ist ihm das jetzt wieder bei Sichtung der Bücher und bei der Eintragung "130.000 Dollar an Anwalt für - unbekannt" eingefallen. Na, dann ist ja endlich Licht auf die ganze Szenerie gefallen. Bin ich froh, dass wir das geklärt haben. Warum nicht gleich so?
lordofaiur 03.05.2018
5. Immer wieder Donald
Tur mir echt leid, liebe SPON Redatktion. Aber ob Trump mit irgendeiner Pornodarstellerin geschlafen und ihr Schweigegeld gezahlt hat, interessiert mich einen feuchten... Ist für mich Privatsache des Donald T. Kein anderer Mensch kam dadurch zu Schaden oder handelt es sich um Bestechung, Vorteilsnahme etc.? Ich erwarte sachliche Recherchen und Berichte über Dinge, die mich als Einwohner dieses Landes interessieren. Viel interessanter sind so Sachen wie die, die gerade in Ellwangen passieren. Der völlige Kontrollverlust des Staates durch 200 Migranten. Da bekommt man es mit der Angst zu tun. Das beschäftigt mich als Vater, deutscher Staatsbürger und Steuerzahler. Berichtet lieber viel intensiver über diese Dinge als über Donald Trumps Sexgelüste.
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