Trumps verdiente Kandidatur Schlimm, aber demokratisch gewählt

Donald Trump ist gefährlich. Aber er wird von Millionen Amerikanern gewählt. Sollten die Republikaner versuchen, seine Kandidatur auszuhebeln, wäre das undemokratisch.

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US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump
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US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump


Eins vorweg: Dieser Mann ist böse. Auf dem Rücken der Schwachen der Gesellschaft zieht er eine Ego-Show ab, die ihn ins Weiße Haus tragen soll. Sein "Programm" ist eine Farce, seine Verachtung für den politischen Anstand erschreckend. Donald Trump wäre als Präsident ein Sicherheitsrisiko für Amerika und den Rest des Planeten.

Aber jetzt, da Trump mit großen Schritten der Präsidentschaftskandidatur der Republikaner entgegenläuft, sollte man sich auch das klarmachen: Der Milliardär ist nicht mit Panzern vor der Zentrale der Republikaner vorgefahren, um gegen die Parteiführung zu putschen. Er mag antidemokratische Züge zeigen, aber er hat sich die Stellung, die er jetzt hat, demokratisch erarbeitet.

Donald Trump ist von Millionen Amerikanern gewählt worden und wird am Ende dieser Primary-Saison aller Voraussicht nach mit den meisten Delegiertenstimmen in den Parteitag gehen. Er hat sich die Kandidatur verdient, so schwer das auch auszusprechen sein mag.

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US-Vorwahlen: Die Sieger, die Verlierer
Trump veranschaulicht wie kaum jemand vor ihm die Risiken eines Vorwahlsystems. Der Auswahlprozess ist faszinierend und unterhaltsam, keine Frage. Wie viel in Amerika über Politik gesprochen wird und wie sehr politische Fragen den gesellschaftlichen Diskurs beherrschen, ist toll mit anzusehen. Aber die Vorwahlen sind auch ein Wettbewerb der Selbstdarstellung. Im Zeitalter von TV und ungefilterter Kommunikation im Internet sind Kandidaten vom Parteiapparat viel weniger kontrollierbar als früher. Es kann bei solchen Vorwahlen eben so etwas herauskommen wie ein Kandidat Donald Trump.

Die Republikaner sind in Panik und brüten nun über Plänen, wie sie dem Immobilienmogul die Kandidatur auf dem Parteitag doch noch streitig machen können. Ihr Szenario: Trump wird am Ende wahrscheinlich die Mehrheit, aber nicht die nötige absolute Mehrheit der Delegiertenstimmen haben - und dann ist alles offen. Wenn John Kasich und Ted Cruz, die verbleibenden Rivalen, ihre Stimmen zusammenlegen, könnte es reichen.

Das ist ein reizvolles Gedankenspiel. Aber es wäre ein hochgefährliches Spiel, weil es wirkte, als würde die Partei im Zweifel sogar den Wählerwillen übergehen. Trump ist so populär, weil er sich als Gegenentwurf zu einer Politik präsentiert, die ein Eigenleben führt. Nehmen die Republikaner dem Milliardär mit einem Kuhhandel noch die Kandidatur, würden sie das Gefühl vieler Amerikaner nur noch bestätigen und Trumps Basis weiter stärken. Dann würde er mit ziemlicher Sicherheit seine Truppen sammeln und als unabhängiger Kandidat antreten.

Demokratie kann nicht bedeuten, dass man nur Ergebnisse akzeptiert, die einem passen. Das gilt für die AfD im kleinen Sachsen-Anhalt genauso wie für Trump im großen Amerika. Sofern Trump nach der Vorwahlsaison vorne liegt, hat er ein Recht auf die Kandidatur. Seine Nominierung wäre im Übrigen eine große Chance für die Amerikaner: Im November hätten sie die Wahl zwischen Vernunft und Unvernunft. Und bisher hat in den USA meist noch die Vernunft gesiegt.

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Veit Medick
Stephen Voss

Veit Medick ist Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in Washington.

  • E-Mail: Veit.Medick@spiegel.de

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Michael200669 16.03.2016
1.
Da der Präsident nicht direkt, sondern über Wahlmänner gewählt wird. Kann kein Kandidat wirklich sicher sein, das er oder sie wirklich Präsident wird.
chuba-1 16.03.2016
2. Keine Demokratie ohne Bildung
Demokratie funktioniert nur, wenn die Bürger eine ausreichende Bildung haben. Ansonsten ist sie zu anfällig für jede Form der Demagogie. Siehe USA, siehe Arabischer Frühling.
benderious2 16.03.2016
3. Majority rule, dont work in mental institutions
selten war so ein Song-Zitat so passend für die aktuelle Entwicklung im republikanischen Lager.
paul.fisch 16.03.2016
4. Wer weiss das schon?
Ob Trump oder Cruz gefährlich sind würde sich erst zeigen, wenn sie gewählt würden. Immerhin versteht Trump sich mit Putin und das wäre vielleicht besser als Obamas aktuelle Politik, die polarisiert und evtl. noch gefährlicher ist. Wer ist schon gefährlich? Beide Bushs waren gefährlich, weil sie unbedachte Kriege begonnen haben.Netanjahu ist vielleicht gefährlicher als gegen die SiedlungspolitikIsraels bedachte Kandidaten. Vielleicht ist auch Hillary gefährlich wegen ihrer Tendenz zur Korruption. Sicher gefährlich sind Putin und ISIS.
vwl_marlene 16.03.2016
5. Marketing
Trump ist vor allem ein Marketing-Experte. Was er sagt, wie er sich praesentiert, das sagt vor allem etwas ueber die republikanische Waehlerschaft aus. Man sollte sich auch vor Augen halten, dass das new american century eune Erfindung von Kagan ist, der Rubio in aussenpolitischen Fragen beraet. Von daher bin ich jetzt erstmal etwas erleichtert, dass Trump vorne liegt.
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