Trump-Interview in der "New York Times" "Macron liebt es, meine Hand zu halten"

Warum hat er Kanzlerin Merkel nicht die Hand geschüttelt - und Macron gar nicht mehr wieder losgelassen? In einem Interview mit der "New York Times" hat sich Donald Trump diversen Fragen gestellt. Nur einer wich er vehement aus.

Macron, Trump in Paris
AFP

Macron, Trump in Paris


Die Fehde zwischen US-Präsident Donald Trump und den Medien ist keinesfalls ausgestanden - gerade gibt es wieder Kritik an der Praxis, bei einigen Pressekonferenzen des Weißen Hauses keine Kameraaufnahmen zuzulassen. Trotzdem hat sich Trump am Mittwoch mit drei Redakteuren der von ihm oft gescholtenen "New York Times" zusammengesetzt. Die Zeitung veröffentlichte nun eine Mitschrift des Gesprächs, bei dem es um Themen wie G20, Russland, Hitler und Napoleon und die vermeintlichen Russland-Verbindungen des Präsidenten geht. Einem Faktencheck unterzogen sie seine Aussagen nicht, sondern bildeten sie ohne weitere Einordnung ab.

Die Mitschrift gibt einen Einblick in die Argumentationsweise des mächtigsten Mannes der Welt, der seine Enkeltochter am Rande des Interviews für ihre "guten Gene" lobte. Ein Überblick über die wichtigsten Passagen daraus in deutscher Übersetzung (das englische Original finden Sie hier):

  • Trump über seine Rede in Polen: "Ich habe den meisten Zuspruch im Ausland bekommen. Also bin ich nach Polen gefahren und habe eine Rede gehalten. Meine Feinde in den Medien, meine Feinde sagen, es war die beste Rede die jemals von einem Präsidenten auf ausländischem Boden gehalten wurde."
  • Zu seinem sehr langen Handschlag mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron: "Er ist ein großartiger Kerl. Klug, Stark. Liebt es, meine Hand zu halten." - Interviewer: "Das habe ich gemerkt." - Trump: "Die Leute wissen gar nicht, dass er es liebt, meine Hand zu halten. Und das ist gut so."

Der Handschlag im Video:

  • Zu seinem ausgebliebenen Handschlag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Ich habe eine sehr gute Beziehung zu Merkel. Wissen Sie, was mit Merkel passiert ist? Ich saß also in einem Stuhl. Wir haben da seit zwei Stunden gesessen. Also ist es nicht so nach dem Motto: 'Hallo, schön dich zu sehen'. Dann kommt die Presse herein. Ich glaube, jemand rief: 'Schüttle ihre Hand, schüttle ihre Hand!' Ich habe das nicht einmal gehört. Ich habe ihre Hand nicht geschüttelt, weil wir da schon so lange saßen."
  • Zu Napoleon, Hitler und den russischen Streitkräften: "Mit Napoleon ist es nicht gut zu Ende gegangen. Aber ich habe danach gefragt [bei seinem Besuch in Paris, Anm. d. Red.]. Ich habe den Präsidenten gefragt, was hat es mit Napoleon auf sich? Er sagte: 'Nein, nein, nein. Was er getan hat, ist unglaublich. Er hat Paris erschaffen.' Das Straßenraster, die Art und Weise, wie sie arbeiten, Sie wissen schon. Er hat noch so vieles darüber hinaus geschaffen. Und sein Problem war, dass er nicht nach Russland einmarschiert ist an diesem einen Abend, weil er etwas anderes machen musste, und dann sind sie erfroren. Wie oft hat das Wetter die Russen gerettet? (...) Das Gleiche ist Hitler passiert. Zwar nicht aus dem gleichen Grund. Hitler wollte konsolidieren. Er war bereit, einzumarschieren. Aber er wollte konsolidieren, aber dann fiel die Temperatur auf minus 35 Grad, und das war dann das Ende seiner Armee. (...) Aber die Russen haben großartige Kämpfer in der Kälte. Sie nutzen die Kälte zu ihrem Vorteil. Ich meine, sie haben fünf Kriege gewonnen, bei denen ihre Gegner erfroren sind. Das ist ziemlich großartig."
  • Über die G20-Sitzordnung während des Abendessens in der Elbphilharmonie: "Ok, wir sitzen also an diesem großen Tisch. Und die Ehefrauen sind getrennt von ihren Ehemännern, das machen sie manchmal, und manchmal nicht. Aber sie [die G20-Planer, Anm. d. Red.] haben es getan. Es ist immer einfacher, wenn sie es nicht machen, weil man dann jemanden hat, mit dem man reden kann, richtig? Und ich saß neben der Frau des argentinischen Präsidenten - eine nette Frau, die Englisch spricht. Und die Frau des japanischen Präsidenten, Mister Abe. Großartige Beziehungen. Also ich sitze da. Es gab nur einen Übersetzer für Japanisch, weil es sonst noch schwieriger gewesen wäre. Aber ich habe den Abend mit ihr wirklich genossen, sie ist eine liebenswürdige Frau - und alles zusammengenommen war gut."
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Konzert: G20 goes Elbphilharmonie
  • Zu seinem zweiten Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin während des G20-Essens: "Sie [Melania Trump, Anm. d. Red.] saß neben Putin und noch jemandem, und so war das. Das Essen war im Gange, und bevor das Dessert kam, bin ich rübergegangen, um ihr Hallo zu sagen, und da habe ich auch Putin begrüßt. Wirklich nur anstandshalber. Es war kein langes Gespräch, wissen Sie, es könnten so 15 Minuten gewesen sein. Wir haben einfach über Sachen gesprochen. Tatsächlich war es sehr interessant, wir haben über Adoptionen gesprochen."
  • Zur Kündigung des Ex-FBI-Chefs James Comey: "Ich glaube, ich habe eine großartige Sache getan für das amerikanische Volk."
  • Zu den Russland-Verbindungen: "Ich mache kein Geld in Russland. (...) Ich habe keine Immobilien in Russland. Sie sagen, ich habe Gebäude in Russland. Das habe ich nicht. Sie sagen, ich habe in Russland Geschäfte gemacht. Das habe ich nicht. Das ist nicht mein Ding."

Zudem distanzierte er sich öffentlich von seinem Justizminister Jeff Sessions. Nur bei einer Frage wich Trump vehement aus: Was denn in der E-Mail gemeint gewesen sei, die sein Sohn Donald Trump Jr. veröffentlicht hatte. Darin hieß es, dass das Treffen mit der russischen Juristin, die angeblich Pikantes über Hillary Clinton weitergeben wollte, zu der Unterstützung der russischen Regierung für den Wahlkampf Donald Trumps gehöre. Er habe die E-Mail erst nicht gekannt, setzt Trump an und versucht mehrfach, das Thema zu wechseln. Schließlich sagt er, er sei nie wirklich tief in die Materie eingestiegen.

vks

insgesamt 62 Beiträge
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Seite 1
echtschnell 20.07.2017
1. den 2. Knüller hat SpON weggelassen, ...
... nämlich, dass der Sonderermittler Mueller eine "red line" überschreiten würde, wenn er sich auch die Finanzen von Trump anschauen würde. Die US-Medien diskutieren gerade, ob dass eine eine kaum verschleierte Drohung gegenüber Mueller und somit ein potentiell weiterer Fall der strafbaren "obstruction of justice" ist.
sPeterle 20.07.2017
2. klarer Satz
ist dieser Mensch eigentlich zu einem klaren, zusammenhängenden Satz fähig ? Jeder einfache Sachbearbeiter braucht heute mindestens zwei Sprachen und ein abgeschlossenes Studium und so ein Mensch hat Zugriff auf den roten Knopf...
kopi4 20.07.2017
3. Jetzt macht es Sinn
Ja,die verdammte Kälte die Russland fünf Kriege gewonnen hat. Jetzt macht es auch Sinn das Trump aus dem Pariser Klimavertrag raus will, so eine Erderwärmung nimmt den Russen ja diesen strategischen Vorteil.
der_weisse_wal 20.07.2017
4.
Der Absatz über Napoleon und Co. ist der Brüller.
maipiu 20.07.2017
5. "Einem Faktencheck unterzogen sie seine Aussagen nicht"
Das ist auch gar nicht notwendig, diese Absonderungen stehen für sich. Kein Kommentar nötig.
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