Rauswurf von FBI-Chef Comey Trump tritt nach

Das Echo auf den Rauswurf des FBI-Chefs James Comey ist verheerend für US-Präsident Donald Trump. Der attackiert den Geschassten nun persönlich.

Donald Trump
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US-Präsident Donald Trump hat sich in einem Interview nochmals zur Entlassung des FBI-Direktors James Comey geäußert. Trump beschimpfte Comey: "Er ist ein Blender, ein Angeber, das FBI war unter ihm in Aufruhr. Jeder weiß das."

Die Initiative für Comeys Rauswurf sei von ihm selbst ausgegangen: "Ich wollte ihn unabhängig von Empfehlungen feuern. Es war meine Entscheidung", sagte der Präsident. Das Weiße Haus hatte hingegen am Dienstag zu der völlig überraschenden Entlassung des Direktors der Bundespolizei erklärt, Trump sei einer Empfehlung durch die Leitung des Justizministeriums gefolgt.

Comeys Entlassung hatte in den USA einen politischen Proteststurm ausgelöst.

James Comey war erst drei Jahre im Amt. Die Amtszeit eines FBI-Chefs beträgt üblicherweise zehn Jahre. Der 56-Jährige galt wegen der Russland-Untersuchung eigentlich als unantastbar, hat sich in Washington aber auch viele Gegner in beiden politischen Lagern gemacht.

"Entlassung hat nichts mit aktuellen Untersuchungen zu tun"

In dem Interview mit dem Sender NBC sagte Trump, er habe Comey zuvor mehrfach gefragt, ob gegen ihn selbst ermittelt werde, einmal bei einem Abendessen mit dem damaligen FBI-Chef und zweimal am Telefon. Comey habe ihm versichert, dass dies nicht der Fall sei. Das FBI ermittelt jedoch seit Längerem gegen Personen aus Trumps Wahlkampfteam wegen möglicher Russland-Verbindungen.

Trump bekräftigte in dem Interview nochmals, dass Comeys Rauswurf nicht - wie allgemein vermutet - mit diesen Ermittlungen zu tun habe. Er habe bereits geplant, Comey zu entlassen, bevor ihm dazu geraten wurde. Er habe Comey auch nicht dazu gedrängt, die Ermittlungen einzustellen.

Als NBC-Journalist Lester Holt nachfragte, ob Trump mit der Entlassung Comeys Druck auf dessen Nachfolger ausüben wolle, versicherte der US-Präsident: "Nein, das will ich nicht." Er sei jedoch überzeugt, dass Russland die Wahl in den USA nicht beeinflusst habe.

Zweifel an Trumps Begründung

Die oppositionellen Demokraten und US-Medien vermuten dagegen weiterhin, dass die Russland-Untersuchung des FBI der wahre Grund für die Entlassung sind. Diese Ermittlungen gewannen zuletzt offenbar an Fahrt. Am Dienstag wurde bekannt, dass das FBI erste gerichtliche Vorladungen verschickt und Unterlagen angefordert habe.

Außerdem soll Comey vorige Woche um eine "bedeutende Aufstockung von Geld und Personal" gebeten haben, um das Russland-Verfahren auszuweiten. Der Adressat war Vizejustizminister Rod Rosenstein - ausgerechnet der Mann, der Trump am Dienstag Comeys Entlassung empfahl.

Auch die Darstellung, Trump habe seit Monaten kein Vertrauen mehr in Comey gehabt, wirft Fragen auf. Erst in der vergangenen Woche sagte Trumps Sprecher Sean Spicer, der US-Präsident habe volles Vertrauen in Comey.

Trump lässt angeblichen Wahlbetrug untersuchen

Am Donnerstag wurde auch bekannt, dass Trump per Dekret eine Kommission eingesetzt hat, die einen angeblichen Betrug bei der US-Wahl 2016 untersuchen soll.

Trump behauptet seit November 2016, bei der Wahl habe seine Konkurrentin Hillary Clinton zwischen drei und fünf Millionen Stimmen erhalten, die nie hätten abgegeben werden dürfen. Die Kommission soll binnen 30 Tagen ein Ergebnis vorlegen.

Insgesamt stimmten für Clinton fast drei Millionen Amerikaner mehr als für Trump. Trump hatte die Wahl trotzdem gewonnen, weil die Verteilung auf die Bundesstaaten entscheidend ist und die damit verbundene Anzahl der Wahlmänner. Ein Betrug in der behaupteten Größenordnung wird von Experten ausgeschlossen. Die Wahl wird von den Bundesstaaten organisiert. In der Mehrzahl von Republikanern geführt, hätten diese sich aktiv gegen Trump stellen müssen.

Videoanalyse zur Comey-Affäre:

SPIEGEL ONLINE

koe/AFP/dpa

insgesamt 169 Beiträge
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tbline67 11.05.2017
1. Der Antidemokrat hat viele Namen....
Trump, Erdogan ..... man kann nur noch hoffen, dass irgendwann auch in den USA die Menschen wieder ihr Hirn benutzen
otto_lustig 11.05.2017
2. Wer ist hier der Blender?
Das Trumpeltier Donald Trump! Null Ahnung, aber große Klappe
veritas31 11.05.2017
3. Typisch Trump mal wieder
Ist es nicht schön, wie klug, selbstsicher und vor allem rational der neue "Präsident" im Weißen Haus auf Kritik reagiert? Wie lächerlich und dünnhäutig kann ein erwachsener Mann eigentlich noch sein? Die Geheimdienste rund um den Erdball jubeln und kommen vor lachen nicht in den Schlaf weil man nun weiß, dass man den "mächtigten Mann der Welt" nur ein bisschen kritisieren muss, damit er völlig die Fassung verliert und wie ein kleines Kind agiert...wenigstens darin ist er berechenbar- Es wird wirklich Zeit, dass die eigentlich Mächtigen in den USA diesen Trottel endlich entfernen
Cluedo 11.05.2017
4.
.... Beschreibung - von Trump selbst. So nachzutreten ist allerunterste Schublade und eine weitere Stufe auf Trumps vorzeitigem Weg aus dem Amt, denn geballte Unfähigkeit hat seit einigen Monaten einen Namen - Trumpismus.
Augustusrex 11.05.2017
5. Ja, der Donald
"Er ist ein Blender, ein Angeber" - damit hat Trump sich selbst exakt beschrieben.
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