Donald Trump in Israel und Palästina Schöne Bilder, leere Worte

Dauerhafter Frieden zwischen Israelis und Palästinensern? Für US-Präsident Donald Trump ist das ein "Deal", den er schon hinbekommen wird, da ist er sicher. Doch sein Besuch vor Ort war eine Luftnummer.

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"Man kann sich an Sehenswürdigkeiten genau wie an Süßigkeiten überessen", schrieb Mark Twain, als er 1867 in Jerusalem war. Bereits ein Tag in der Stadt reiche aus, so der große amerikanische Erzähler, um "Stoff zum Nachdenken für ein ganzes Jahr" zu sammeln.

Sein Landsmann Donald Trump hat bei der Reise nach Jerusalem in jedem Fall eines gemacht: 150 Jahre nach Twain und zwei Tage nach dem Säbeltanz in Saudi-Arabien absolvierte der US-Präsident bei dem mit Spannung erwarteten zweiten Stopp auf seiner ersten Auslandsreise ein strammes Reiseprogramm.

Der Besuch in Yad Vashem? Für Trump "amazing"

Der 70-Jährige besuchte die Grabeskirche und die Klagemauer in der Altstadt von Jerusalem, reiste nach Bethlehem und sprach innerhalb von kaum mehr als 24 Stunden mit Israels Präsident Reuven Rivlin, Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Palästinenserchef Mahmoud Abbas.

Bis dahin leistete er sich keine Patzer. Beim halbstündigen Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am Dienstagnachmittag kam indes der gefürchtete und oftmals belächelte Donald im Präsidenten wieder hervor.

Für seinen Eintrag in das Gästebuch wählte er Worte, die unpassender nicht hätten sein können: Der US-Präsident schrieb in der für ihn so typischen Ausdrucksarmut, es sei "amazing", in Yad Vashem gewesen zu sein - ein Begriff, den man im amerikanischen Englisch vor allem benutzt, um überschwänglich und oberflächlich von etwas zu schwärmen.

Bei seiner mit Spannung erwarteten Grundsatzrede im Israel-Museum hielt er sich dann wieder an das vorbereitete Skript. Aber auch das hatte es in sich.

"Nicht mit Donald J. Trump"

Wie schon bei seinem Besuch in Riad warf er der Regierung in Iran vor, "Terroristen und Milizen" im gesamten Nahen Osten zu unterstützen und damit die Instabilität in der Region zu fördern. Mit dieser Einschätzung steht Trump nicht allein.

Einzig: Die Verbündeten, die er sich am Wochenende unter den arabischen Autokraten für den Antiterrorkampf ins Boot geholt hat, sind nicht viel besser - allen voran der "weise Mann", von dem er auch am Dienstag immer wieder sprach: König Salman von Saudi-Arabien.

"Diese Reise soll Nationen zusammenbringen, um gegen den Terrorismus zu kämpfen", sagte Trump. Er sehe die Chance für Frieden im ganzen Nahen Osten, um Sektierertum zu überwinden. Das Gegenteil dürfte der Fall sein: Trump fachte mit seiner Schwarz-Weiß-Rhetorik den Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten im Nahen Osten weiter an.

"Ich habe Gott gebeten, dass er mir Weisheit gibt"

In Jerusalem erhielt er dennoch großen Applaus von den versammelten Würdenträgern und Politikern, vor allem von seinem "guten Freund Benjamin" Netanyahu. Der Grund: Trump warnte die Machthaber in Teheran davor, weiter mit der Zerstörung Israels zu drohen. Trump versprach, Iran werde niemals Nuklearwaffen besitzen. "Nicht mit Donald J. Trump", sagte er.

Markige Worte.

Welche Taten darauf folgen, bleibt abzuwarten. Und genau das ist das Problem des Donald J. Trump. Er verspricht viel, ohne konkret zu werden. Falls er wirklich vorhatte, seinem vielfach angekündigten "ultimativen Deal" bei dieser Reise wenigstens einen Zentimeter näher zu kommen, dann hätte er anders vorgehen müssen.

Er hätte, erstens, nie das Wort "ultimativ" in den Mund nehmen sollen, denn das schürt nur unerfüllbare Erwartungen. Auch hätte er, zweitens, einen seiner zahlreichen Fototermine auslassen und stattdessen die Gespräche auf höchster Ebene hinter verschlossenen Türen ausgeruhter führen können. Die Themen wären da gewesen: 50 Jahre israelische Besatzung, palästinensischer Terror.

So gab es außer großen Gesten und schönen Bildern nur leere Worte für seine Gastgeber in Jerusalem und Bethlehem. Trump gab sich damit zufrieden, dass die beiden Antipoden Netanyahu und Abbas in ihren Reden ebenfalls vage blieben.

Immerhin erklärte Trump in seiner Grundsatzrede, er habe bei seinem Besuch an der Klagemauer "Gott gebeten, dass er mir Weisheit gibt".

Die wird er brauchen. In diesem Land, von dem Mark Twain in seinem Reisetagebuch mit dem Titel "Die Arglosen im Ausland" geschrieben hat, es sei "Erde anderer Art". Israelis und Palästinenser würden das sofort unterschreiben, sie streiten um jedes Stück dieser Erde.

Wie oft Trump noch über seine Reise und über das, was er dort gesehen und gehört hat, nachdenken wird, ob gar ein ganzes Jahr, das bleibt bis auf Weiteres sein Geheimnis. Sein nächstes Ziel: Rom.

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