Donald Trump im Wahlkampf Zorniger alter Mann

US-Präsident Trump steht unter Druck: Kurz vor den Kongresswahlen in gut sechs Wochen brechen seine Umfragewerte ein. Doch bei einem Auftritt im Bundesstaat Nevada wird deutlich, wie offen das Rennen ist.

SPIEGEL ONLINE

Aus Las Vegas berichtet


In Las Vegas treten sie alle auf, die Stars der Siebziger- und Achtzigerjahre. Barry Manilow, Pia Zadora, David Copperfield. Ja, und Donald Trump. Nur: Der ist jetzt Präsident.

"Es läuft super. Noch nie hat eine Regierung in zwei Jahren so viel geschafft wie meine", ruft Trump. Vor ihm stehen gut 2000 seiner treuesten Anhänger und rufen: "USA, USA, USA."

Trump ist nach Las Vegas gekommen, um seiner Basis einzuheizen. Natürlich sind da die üblichen Fans mit den roten "Make America Great Again"-Mützen. Es gibt Trump-T-Shirts zu kaufen und aus den Musikboxen dröhnen Hits der Rolling Stones, von Elton John und von Luciano Pavarotti. Ganz so wie im letzten Wahlkampf.

Trump-Anhänger in Las Vegas
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Trump-Anhänger in Las Vegas

Trotzdem ist diesmal vieles anders. Trump ist nicht mehr der Außenseiter, der nichts zu verlieren hat. Jetzt sitzt er im Weißen Haus und muss seine Macht verteidigen. Trump steht unter Druck. Die Republikaner müssen bei den Midterm-Wahlen um ihre Mehrheiten im Kongress kämpfen. Es könnte knapp werden: In den Umfragen stehen Trumps Beliebtheitswerte im Durchschnitt bei etwa 40 Prozent. Mehr als 50 Prozent der Amerikaner geben an, mit seiner Arbeit unzufrieden zu sein. Die Abfolge von Affären wie dem Stormy-Daniels-Skandal, das Enthüllungsbuch von Bob Woodward oder die Russlandermittlungen hinterlassen ihre Spuren.

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Trump in Las Vegas: Wahlkampf im Glücksspielparadies

Deshalb könnten die Midterms zu einer Denkzettel-Wahl für Trump werden. Es droht ein Fiasko. Aber Trump will die Stimmung in den verbleibenden Wochen quasi im Alleingang drehen. Er will es wieder allen zeigen und einen Überraschungssieg erzielen. Deshalb reist er durch das ganze Land, absolviert pro Woche mindestens zwei große Wahlkampfauftritte. Er will seine Basis motivieren, auf jeden Fall zur Wahl zu gehen. Zumindest in Las Vegas gelingt ihm das. Die Menge ist begeistert.

"Ein Präsident, der für Amerika kämpft"

Trump setzt auf die typische populistische Mischung aus hemmungsloser Prahlerei und Attacken gegen seine Gegner. Mal gibt er den souveränen Sieger, dann wieder den alten zornigen Mann.

"Wir werden unser Land stärker machen als je zuvor. Wir werden es reicher machen als je zuvor", ruft er. Und: "Wir werden uns nicht bei anderen Ländern für unsere Erfolge entschuldigen. Ihr habt jetzt endlich einen Präsidenten, der für Amerika kämpft." Die Menge jubelt: "Trump, Trump, Trump."

Bei den Midterms wählen die Amerikaner alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses neu. Im Senat geht es um 35 der 100 Sitze. Die meisten Umfragen sagen voraus, dass die oppositionellen Demokraten gute Chancen haben, im Repräsentantenhaus die Mehrheit zu erobern. Im Senat schien die republikanische Mehrheit bislang sicher zu sein. Doch auch dort muss sich Trump nun Sorgen machen. Einige sicher geglaubte Sitze scheinen zu wackeln, das sagen zumindest die Umfragen.

Nevada ist beim Kampf um den Senat für Trump einer der wichtigsten Staaten. Hier steht der Republikaner Dean Heller zur Wiederwahl, ein treuer Freund des Präsidenten. Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit seiner demokratischen Herausforderin Jacky Rosen voraus. Fallen nur drei oder vier Senatssitze wie der in Nevada in die Hände der Demokraten, wäre die Mehrheit der Republikaner wohl auch dort passé.

Für Trump wäre ein Kongress, in dem die Demokraten beide Häuser kontrollieren, ein Albtraum. Die Demokraten könnten dann praktisch jedes seiner politischen Projekte stoppen, alle Neubesetzungen von Top-Posten in der Regierung verhindern und womöglich sogar ein Amtsenthebungsverfahren wegen der Russlandaffäre gegen ihn einleiten.

"Trump macht einen prima Job"

Wie ernst die Lage ist, versucht er seinen Anhängern in Las Vegas klarzumachen. "Geht wählen", ruft er. "Wählt für die Kandidaten der Republikaner. Ich will am 6. November eine große Siegesrede halten. Wir dürfen uns nicht von den Demokraten unsere Arbeit kaputt machen lassen."

Trump in Las Vegas
AP

Trump in Las Vegas

Im Publikum steht Gary Farmer, 62. Er ist ein Fan der ersten Stunde, hat für Trump schon in den Vorwahlen gestimmt. Auf dem Kopf trägt er eine Mütze der "National Rifle Association", dem Verein der Waffenfreunde. Wie sieht er den Präsidenten heute? "Die Leute stehen immer noch zu ihm. Er macht einen prima Job", sagt Gary. Er ist sich sicher: "Trump meint es doch gut. Er will, dass es der ganzen Welt besser geht. Aber viele Leute verstehen das nicht."

Ähnlich sieht es, Michael, 53, Anwalt. Er hat zusammen mit seinem Cousin Brian, 60, fast eine Stunde bei mehr als 30 Grad Hitze angestanden, um Trump zu sehen. "Ich bewundere Trump mehr denn je", sagt er. "Er kämpft wie ein Löwe für ein starkes Amerika. Seine Gegner in den Medien und im FBI wollen ihn mit Lügen zur Strecke bringen. Aber das wird ihnen nicht gelingen."

"Gott schütze den Kapitalismus"

Trump ist fast fertig mit seiner Rede. Jetzt ist er gerade wieder zornig. Er attackiert die " Fake News"-Medien. Das Publikum dreht sich zu den Journalisten um, buht sie aus. "Die Fake News Medien sind die besten Verbündeten der Demokraten", ruft Trump. "Viele sind unehrlich und korrupt." Ein breitschultriger Trump-Fan mit Baseball-Mütze zeigt den Reportern drohend die Faust. Andere schreien wütend: "Verbrecher." Es ist ein unheimlicher Moment.

Trump-Fan in Las Vegas
REUTERS

Trump-Fan in Las Vegas

Dann ist der Auftritt auch schon wieder zu Ende. Trump muss weiter, nach Missouri. Auch dort will er seine Basis in Schwingung versetzen.

Wayne Allyn Root, ein stramm rechter Radio-Kommentator, spricht zur Menge im Saal. Er wiederholt, worum es bei den Wahlen geht: "Wenn wir den Kongress verlieren, ist das das Ende von Trump. Und das Ende von Trump ist das Ende von Amerika. Gott schütze Amerika. Gott schütze den Kapitalismus. Und Gott schütze Donald Trump."



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ficino 21.09.2018
1. Diesen Wahnsinn hatten
wir doch auch schon mal. Und wir wissen im Rückblick, dass er in der Anfangsphase durch nichts zu stoppen ist. Ich bin sicher, dass die Demokraten aufgrund der völlig hemmungslosen Demagogie von Trump die Wahlen nicht gewinnen werden. Den MAGA-Scherbenhaufen darf dann nach 6 weiteren Jahren Trump der Rest der Welt zusammen kehren. Die Menschen lernen halt nichts aus der Geschichte.
Papazaca 21.09.2018
2. Blaupause Nixon: Trump tritt zurück, Pence begnadigt ihn
Wenn Mueller wirklich genug Beweise hat, um Trump nach seiner Präsidentschaft für den Rest seines Lebens hinter Gitter zu bringen, wird es einen "Deal" geben. So, wie Mueller schon Deals mit vielen Trump-Getreuen gemacht hat. Der Charakter des Deals ist ziemlich einfach: "Kooperiere mit mir und ich erspare Dir den Knast." Watergate scheint ja für vieles, was im Moment passiert, die Blaupause zu sein. So wenig wie bisher die dicksten Trump-Getreuen im Knast verschwinden wollen, wird Trump eine dicke Anklage und anschließenden Knast riskieren. Nein. der Lautsprecher der Nation wird - wie vorher auch Nixon - still und leise von der Bühne verschwinden. Mit einem Pardon von Pence. Darauf wette ich 10 Kästen Gerolsteiner ( und einige Kisten Riesling zwecks Riesling-Schorle). Wer bietet mehr?
g.eliot 21.09.2018
3. Verbote für die Wiedergabe der Musik
Es wundert mich etwas, dass auf Trump Rallies Musik von Elton John, Rolling Stones und Pavarotti gespielt wird. Diese Künstler haben ihm das schon 2016 untersagt. Inzwischen hörte ich deren Musik auch nicht mehr, sondern es waren meistens Künstler, die ich nicht kannte. Letztens wurde Elvis gespielt. Elton John hat das z.B. so kommentiert: "I'm not a Republican in a million years. Why not ask Ted f****ng Nugent? Or one of those f****ng country stars? They'll do it for you." https://www.independent.co.uk/news/world/americas/us-elections/musicians-who-want-donald-trump-to-stop-playing-their-music-a7151171.html Inzwischen ist die Liste länger, dazu gehören inzwischen u.a. Bruce Springteen und Adele.
ex_berliner 21.09.2018
4.
Zitat von ficinowir doch auch schon mal. Und wir wissen im Rückblick, dass er in der Anfangsphase durch nichts zu stoppen ist. Ich bin sicher, dass die Demokraten aufgrund der völlig hemmungslosen Demagogie von Trump die Wahlen nicht gewinnen werden. Den MAGA-Scherbenhaufen darf dann nach 6 weiteren Jahren Trump der Rest der Welt zusammen kehren. Die Menschen lernen halt nichts aus der Geschichte.
Man weiss natuerlich nicht, was im November geschehen wird. Es sind noch etwas ueber 50 Tage bis zur Wahl und das ist eine lange Zeit, in der immer noch viel passieren kann. Insofern halte ich mich mit Prognosen eher zurueck. Trump hat nach wie vor die volle und ungebrochene Unterstuetzung seiner harten Basis. Diese ist aber eben nicht genug, um Wahlen, von rein republikanischen Vorwahlen mal abgesehen, zu gewinnen. Diese harte Basis macht hoechstens um die 30% der Waehlerschaft aus. Demokratische Waehler sind sehr motiviert und werden Alles daran setzen, Trump eine legaslative Kontrollinstanz entgegenzustellen, die es derzeit schlechthin nicht gibt. Gegen diese motivierte Basis der Demokraten kommt Trump nicht an, und diese Basis kann er auch nicht knacken. Die wollen den kalt stellen. Die Frage ist dann, was die breite Masse der unabhaengigen Waehler macht und welches Lager - das zu den Republikanern und Trump geneigte oder das zu den Demokraten neigende - sich im November staerker engagiert. Da wird die Wahl entschieden. Die Demokraten haben da natuerlich den schwereren Job, da die Republikaner sich vielerorts durch jahrelanges Gerrymandering enorme Vorteile verschafft haben. Diese zu ueberwinden wird nicht leicht. Im uebrigen war Trump's gestrige Veranstaltung in Las Vegas sehr viel kleiner als seine Veranstaltungen dort in 2016. Damals hatte er mehr als 5,000 Ahaenger, die ihm zujubelten. Gestern waren es weniger als halb soviele - etwa 2,000. Der Lack ist da schon ein bisschen ab...
bigmitt 21.09.2018
5. Das Problem der Demokraten ...
..ist doch das Sie ausser "Impeach 45" und " Russia Russia" ( Selbst das Walk Away Movement wird Russland Bots zugeschrieben) keine wirklichen Themen, keine Agenda , keine Vision anbieten. Sanders ist wenigstens für Single Payer und Wiedereinführung von Glass-Steagall eingetreten , hatte eine Vision einer besseren,gerechteren Gesellschaft, aber die momentane Führung, wofür steht Sie ? Dazu kommt das die RNC eine prächtig gefüllte Wahlkampfkasse ihr eigen nennt, während es bei den Demokraten eher mau aussieht. https://townhall.com/tipsheet/leahbarkoukis/2018/09/20/rnc-fundraising-n2520787
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