Raketenversuch Iran testet Trump

Im Wahlkampf warb Donald Trump mit einem harten Kurs gegenüber Iran. Teherans Raketentest prüft somit auch die Entschlossenheit des neuen US-Präsidenten - dessen Reaktion überrascht.

Hassan Rohani
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Neun Tage ließ sich Iran Zeit für die erste Provokation in Richtung des neuen US-Präsidenten Donald Trump: Am Sonntag testete das Regime eine ballistische Mittelstreckenrakete. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums explodierte die Rakete nach rund tausend Kilometern beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

Erst am Mittwoch bestätigte Teheran den Test offiziell. Das iranische Verteidigungsministerium betonte jedoch, man habe damit weder gegen das Atomabkommen, noch gegen Uno-Resolution 2231 verstoßen. In der Resolution, die im Juli 2015 in Zusammenhang mit dem Nukleardeal einstimmig verabschiedet wurde, heißt es: "Iran ist aufgefordert, keine Tätigkeiten im Zusammenhang mit ballistischen Flugkörpern durchzuführen, die dazu angelegt sind, Kernwaffen zum Einsatz bringen zu können, einschließlich Starts unter Verwendung von Technologie für solche ballistischen Flugkörper."

Iran behauptet, dass das kein striktes Verbot für Raketentests bedeute und bestreitet zudem, dass die getestete Rakete überhaupt mit einem atomaren Sprengkopf bestückt werden könnte.

Iran provoziert, Trump schweigt

Die USA sehen das anders: Der am Sonntag abgefeuerte Flugkörper hätte eine 500-Kilogramm-Last 300 Kilometer weit tragen können, behauptete die von Trump gerade erst eingesetzte US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley. "Das ist mehr als genug, um eine Atomwaffe abzuwerfen." Die USA würden Iran beibringen, dass sie so etwas niemals akzeptierten.

Doch passiert ist seither wenig. Der sonst so mitteilsame Trump hat sich selbst noch gar nicht zu der Provokation geäußert, sein Sprecher Sean Spicer sagte lapidar: "Wir haben mitbekommen, dass Iran diese Rakete abgefeuert hat. Wir gucken uns das jetzt genau an." Der Sicherheitsberater des Weißes Hauses, Ex-General Michael Flynn, reagierte am Mittwochabend schärfer im Ton: Der Test verstoße gegen die Uno-Resolution, der Iran gefährde die USA und deren Verbündete in der Region. Man nehme dies "zur Kenntnis", fügte Flynn nachdrücklich hinzu - was er damit genau meint, ist unklar.

Darüber hinaus reagierte die US-Regierung ähnlich wie Barack Obama nach dem letzten iranischen Raketentest im vergangenen Jahr: Sie berief eine Sitzung des Uno-Sicherheitsrats hinter verschlossenen Türen ein, um über den Test und seine Folgen zu beraten. Kontinuität statt Konfrontation also.

Dabei hatte Trump im Wahlkampf wieder und wieder eine radikale Abkehr von der Iran-Politik seines Vorgängers angekündigt. Obama habe viel zu schwach und nachgiebig agiert und sich von Teheran über den Tisch ziehen lassen. "Meine Priorität Nummer eins ist es, den desaströsen Deal mit Iran aufzulösen", versprach Trump. Später schränkte er ein, dass das Abkommen zumindest in vielen Punkten nachverhandelt werden müsste.

Rohanis Nadelstiche

Mit seinen Äußerungen im Wahlkampf hat Trump dafür gesorgt, dass der Raketentest auch ein erster Test für die außenpolitische Entschlossenheit des neuen Präsidenten ist. Und prompt zeigten sich erste Republikaner enttäuscht.

Sie forderten, den Druck auf das iranische Regime sofort zu erhöhen. Bob Corker, Chef des Ausschusses für Außenpolitik im US-Senat, plädierte dafür, Teheran für den Raketentest zur Rechenschaft zu ziehen. "Iran darf nicht länger einen Freibrief erhalten", so der Republikaner. Er beeilte sich, der Regierung die Unterstützung des Kongresses für weitere Schritte gegen Iran zuzusichern. Doch das Weiße Haus schweigt.

Irans Präsident Hassan Rohani setzte derweil am Mittwoch den nächsten Nadelstich Richtung Trump. Der neue US-Präsident sei unreif und kenne die politische Weltkarte nicht. "Für Leute wie ihn, die nie in der Politik waren und in einer anderen Welt lebten, ist die politische Bühne Neuland", sagte Rohani. Dann schob er eine Warnung in Richtung Washington hinterher: "Er wird lange brauchen, und es wird die USA viel kosten, bis er lernt, was in der Welt vor sich geht."



insgesamt 80 Beiträge
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postatspiegel 01.02.2017
1. Oh Mann,
ich wünsch mir mehr Frauen an der Macht. Das ganze Gehabe ist so erschütternd einfach gestrickt, dass einem Angst und Bange werden kann. Weltpolitik ist doch kein Sandkastenspiel. Kann das mal jemand diesen Typen erklären?
schmuella 01.02.2017
2. Klingt nach Ärger
Das kann heiter weiter werden. Sollten sich die Wogen nicht baldigst glätten, darf man sich auf eine spannende Zeit gefasst machen, und das im sprichwörtlichen Sinne. Man wird es am Ölpreis ablesen können, wie ernst die Provokationen genommen werden. Noch sind es "nur verbale Schamützel".
chico 76 01.02.2017
3. Trumps Reaktion überrascht nur
seine Gegner, wäre zu schön, wenn er irrational reagiert hätte. So wie Obama, als er mit Datum den Rückzug aus dem Irak verkündete, zum Entsetzen seiner Berater und Schaden der Bevölkerung.
Josef B 01.02.2017
4. Ich würde....
...mit den Nadelstichen gegen Trump bzw. die USA vorsichtig sein. Es könnte sein, das es eine schallende Ohrfeige gegen den Iran setzt.
St.Baphomet 01.02.2017
5. Warum sollte Trump
dieser Test aufregen? Die USA sind deutlich weiter als 300 Kilometer entfernt vom Iran. Wer "America first" propagiert den interessiert der Rest des Planeten doch nur am Rande.
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