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10. Oktober 2017, 15:53 Uhr

Bei weiteren Trump-Drohungen

Iran will USA "neue Lektionen" erteilen

Das Atomabkommen mit Iran will Donald Trump wohl kündigen, die iranischen Revolutionswächter als Terroristen einstufen. Nun gab es gleich mehrere Drohungen aus Teheran in Richtung US-Präsident.

Donald Trump kritisiert das Atomabkommen mit Iran schon lange, zuletzt wandte sich der US-Präsident auch gegen die iranischen Revolutionswächter. Darauf hat die Islamische Republik nun umfassend und scharf reagiert.

Iran hat Trumps Vorwurf zurückgewiesen, die iranischen Revolutionswächter (IRGC) seien Terroristen. Ganz im Gegenteil hätten die Milizen in den vergangenen Jahren effektiv Terroristen etwa des "Islamischen Staats" (IS) bekämpft. "Trump und die Welt sollten den IRGC dafür dankbar sein", sagte der Regierungssprecher Mohamed Bagher Nobacht laut der Nachrichtenagentur Tasnim.

Es wird erwartet, dass US-Präsident Trump diese Woche bei der Vorstellung seiner Strategie gegenüber Iran die Revolutionswächter als terroristische Vereinigung einstuft. Die Revolutionswächter sind neben der regulären Armee der zweite Teil der iranischen Streitkräfte. Sie verfügen über Heer, Luftwaffe und Marine sowie Spezialeinheiten und haben großen politischen Einfluss. Außerdem spielen sie eine große Rolle in der iranischen Wirtschaft, wo sie in allen wichtigen Sektoren aktiv sind.

Revolutionswächter sind "Stolz der Nation"

Außenminister Mohamed Javad Zarif nannte die IRGC den "Stolz der Nation". Sie hätten jahrzehntelang die Grenzen gesichert. Trump sollte "keinen strategischen Fehler" machen, sonst werde Iran konsequent antworten. Der IRGC-Kommandeur Mohamed Ali Dschafari hatte zuvor bereits erklärt, sollten die USA "so dumm" sein und die IRGC zu einer Terrorgruppe erklären, würden die Revolutionswächter die US-Truppen im Nahen Osten auf eine Stufe mit dem IS stellen. Für Iran gilt der IS als Kriegsfeind, der in Syrien und im Nordirak auch direkt bekämpft wird.

Auch Masoud Jazayeri, ein Sprecher der iranischen Streitkräfte, wandte sich gegen Trump und warnte den US-Präsidenten davor, weitere Drohungen auszusprechen. Jazayeri sagte weiter, dass die iranischen Truppen die USA "neue Lektionen" lehren würden. "Es scheint, als würde die Trump-Regierung nur Schimpfwörter verstehen und als würde sie ein paar Schocks benötigen, um die neue Bedeutung von Macht in der Welt zu verstehen", sagte Jazayeri laut der Nachrichtenagentur Isna.

In seiner Rede zu Iran wird auch erwartet, dass Trump Irans Einhaltung des Atomabkommens von 2015 nicht bescheinigen werde. Bereits mehrfach hat er angedeutet, den Deal aufzulösen. (Lesen Sie hier, wie gefährlich dieser Poker des US-Präsidenten ist).

Auch der Chef der iranischen Atomenergiebehörde befürchtet den Ausstieg der USA aus dem Abkommen. Ali Akbar Salehi sagte, dass Washingtons Haltung nichts Gutes verheiße. Iran wolle den Deal beibehalten. Allerdings stehe weit mehr auf dem Spiel für die internationale Gesellschaft als die nationalen Interessen Irans.

aev/dpa/Reuters/AFP/AP

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