US-Einreisestopp Der IS bejubelt Trumps "gesegneten Bann"

Der von Donald Trump verhängte Einreisestopp findet auch Unterstützer: Der "Islamische Staat", al-Qaida und andere Dschihadisten feiern den Erlass des US-Präsidenten.

Donald Trump mit Anti-IS-Memorandum
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Donald Trump mit Anti-IS-Memorandum

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Bevor Anwar al-Awlaki bei einem US-Drohnenangriff im Jemen getötet wurde, sagte er in seiner letzten Audiobotschaft: "Der Westen wird sich eines Tages gegen seine muslimischen Bürger wenden. Amerika wird morgen ein Land der religiösen Diskriminierung sein." Mehr als fünf Jahre ist das her. Doch dieser Tage ist der Ausspruch des früheren Qaida-Predigers, der in den USA geboren wurde, bei Islamisten in aller Munde. Sie sehen Awlakis Prophezeiung durch das von Donald Trump verhängte Einreiseverbot bestätigt.

Bei Facebook, Twitter und Telegram verbreiten Sympathisanten der Terrororganisationen "Islamischer Staat" (IS) und al-Qaida Awlakis Zitat: "Wenn US-Präsident Donald Trump sagt: 'Wir wollen die hier nicht' und muslimische Einwanderer aus muslimischen Ländern verbannt, dann erinnere ich mich an diese Worte", schreibt einer.

Der IS hofft, dass die staatliche Diskriminierung von Muslimen in den USA amerikanische Muslime dazu verleitet, sich der Terrorgruppe anzuschließen. In dem bei den Islamisten beliebten Kurznachrichtendienst Telegram preisen sie Trump deshalb hämisch als "besten Werber für den Islam".

"Die Muslime im Westen werden bald vor die Wahl gestellt"

Tatsächlich passt der Einreisestopp, der sich zwar nicht nur gegen Muslime, aber gegen Bürger aus sieben mehrheitlich muslimischen Staaten richtet, genau ins Kalkül der Dschihadisten. Der IS hatte schon 2015 in seinem englischsprachigen Propagandamagazin "Dabiq" seine Strategie erläutert: Ziel der Terroristen ist es, die sogenannte Grauzone auszulöschen. So nennt der IS die westlichen Staaten, in denen Muslime als Minderheit friedlich und gleichberechtigt leben. Mit seinen Anschlägen im Westen will der IS die Regierungen dazu provozieren, Muslime zu diskriminieren. Die würden sich dann, verbittert und wütend auf den Westen, dem IS anschließen, hoffen die Dschihadisten.

"Die Muslime im Westen werden bald vor die Wahl gestellt: Entweder sie legen ihren Glauben ab, oder sie schließen sich dem 'Islamischen Staat' an, um der Verfolgung durch die Kreuzzügler-Regierungen und ihre Bürger zu entkommen", schreibt der IS in seinem Propagandablatt.

IS-Sympathisanten bejubeln Trumps Einreisestopp deshalb nun als "gesegneten Bann". Diese Bezeichnung ist eine Anspielung auf einen berüchtigten Ausspruch von Abu Mussab al-Zarqawi. Er hatte den US-geführten Irakkrieg 2003 als "gesegnete Invasion" bezeichnet, weil sie den Aufstieg der Dschihadisten im Irak überhaupt erst möglich machte. Zarqawi hatte nach dem Einmarsch der US-Armee die Terrorgruppe "al-Qaida im Irak" gegründet, aus der zehn Jahre später der IS wurde.

"Ein Sieg für die Dschihadisten"

Sicherheits- und Außenpolitikexperten in den USA halten Trumps Erlass deshalb für fatal. Robert Richer, ehemaliger Chef der Nahostabteilung im US-Auslandsgeheimdienst CIA, bezeichnet die Entscheidung des Präsidenten als "strategischen Fehler". "Das ist ein Sieg für die Dschihadisten und andere US-feindliche Kräfte", sagte Richer der "Washington Post". "Es nährt den Glauben, dass die Amerikaner gegen den Islam sind. Ansonsten erreicht man damit gar nichts."

Ähnlich äußerten sich die beiden republikanischen Senatoren John McCain und Lindsey Graham: "Unsere wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen den IS sind die große Mehrheit der Muslime, die dessen apokalyptische Hassideologie ablehnen", teilten die beiden Senatoren mit. "Wir fürchten, dass die Exekutivanordnung die Rekrutierung von Terroristen fördert anstatt unsere Sicherheit zu verbessern." Daher sei das Dekret "ein Schuss ins Knie" im Kampf gegen den Terror.

Die Dschihadisten hoffen derweil, dass ihnen Trump weiter in die Karten spielt: Der Präsident hat in der vergangenen Woche das Verteidigungsministerium damit beauftragt, binnen 30 Tagen einen Plan vorzulegen, mit dem der IS besiegt werden soll. In den sozialen Netzwerken setzen IS-Sympathisanten darauf, dass Trump die Entsendung von Bodentruppen in den Irak und nach Syrien anordnet. Dann würden die Dschihadisten ihre Schlacht mit den USA bekommen, die ihre Propaganda schon lange herbeisehnt.

Trumps Tag im Video: Entlassung, Empörung und #Resistance

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 187 Beiträge
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schwerpunkt 31.01.2017
1.
Kommt mir vor wie eine Szene aus dem Film"Andromeda - tödlicher Staub aus dem All", in dem die Wissenschaftler hoffen, dass der außerirdische Erreger, welcher auf der Erde eingeschleppt wurde, im Notfall durch eine nukleare Explosion ausgelöscht werden können ... für diesen aber geradezu DER Katalysator für seine explosionsartige Vermehrung wäre. Gratulation Herr Trump, Operation gelungen, Patient tot.
Timo Siedler 31.01.2017
2.
Was tun Populisten nicht alles, um an die Macht zu kommen. Nicht mal vor Gefährdung der eigenen Sicherheit schrecken sie zurück. Hauptsache der Pöbel kann jubelnd die Fahnen schwenken. Das wird sich jedoch rächen.
joke61 31.01.2017
3. Entscheidung ohne Verstand
Trump forciert den Krieg der Religionen. Wie im Mittelalter!
HeisseLuft 31.01.2017
4. Logisch
Nicht weiter verwunderlich. Umgekehrt waren die Bilder aus Europa, als muslimische Flüchtlinge freundlich aufgenommen wurden, das Schlimmste was dem IS passieren konnte. Wirkt mehr als hundert Bombenangriffe.
new_eagle 31.01.2017
5. Nur weil der Is etwas gut findet
ist es noch lange nicht falsch
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