Mögliche Kandidatur 2020 Trump macht Pläne für seine Wiederwahl

Donald Trump hat die Welt wissen lassen, dass er fit genug ist, um noch lange zu regieren. Die Zeichen mehren sich, dass er an die Wahl 2020 denkt. Aber auch einer seiner parteiinternen Gegner bringt sich in Stellung.

Donald Trump
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Von , Washington


Es soll ein ganz besonderer Tag werden, voller Glanz und Prunk. Am Samstag will US-Präsident Donald Trump in seiner Strandresidenz Mar-a-Lago in Florida mit Freunden, Großspendern und Unterstützern feiern. Es ist das einjährige Jubiläum seiner Amtseinführung.

Auch einige "ganz normale" Amerikaner sollen bei dem glamourösen Fest dabei sein dürfen, als Gewinner eines Gewinnspiels. Wer zum Beispiel 200 Dollar an das "Trump Make America Great Again Committee" spendet, nimmt automatisch an der Verlosung von zwei Dinner-Karten samt Flug und Übernachtung teil. Im Kleingedruckten wird erklärt, wofür die Einnahmen verwendet werden sollen - ein Großteil des Geldes geht demnach ohne große Umwege auf das Konto eines Vereins, der Trumps Präsidentschaftswahlkampf 2020 mitorganisiert.

Der Mann sorgt vor: Zwar hat sich Donald Trump bislang nicht offiziell dazu geäußert, ob er 2020 erneut antreten will. Doch die Spendenaktion ist ein Anzeichen dafür, dass es der Präsident noch einmal wissen will.

Ein Arztattest - und das Ende von Gerüchten

Während seine Beliebtheitswerte zum einjährigen Jubiläum im 30-Prozent-Keller feststecken und die FBI-Ermittlungen in der Russlandaffäre für ihn und sein Gefolge von Tag zu Tag unangenehmer werden, denkt der Präsident offenbar schon intensiv darüber nach, wie er den nächsten Wahlkampf gewinnen könnte.

Dazu passt, dass Trump nun dafür sorgt, dass die Welt erfährt, dass er fit genug ist, um noch sehr lange zu regieren. Trump verfüge über eine außergewöhnlich gute Gesundheit, er habe viel Energie, Durchhaltevermögen und zeige auch keine Anzeichen von Alzheimer oder Demenz, teilte der für das Wohlbefinden des Präsidenten zuständige Militärarzt am Dienstag mit. Trump hatte sich in der vergangenen Woche erstmals seit seinem Amtsantritt einer eingehenden Untersuchung unterzogen.

Mit dem offiziellen Befund der Ärzte dürften sich fürs Erste alle Gerüchte und Spekulationen über Trumps vorzeitiges politisches Ende aus gesundheitlichen Gründen erledigt haben. Trump wird es freuen. Es scheint fast so, als wäre jede Anfeindung für ihn nur ein neuer Ansporn, es allen seinen Kritikern erst recht zu zeigen. Selbst die aktuelle Aufregung über seine vermeintliche "Shithole"-Äußerungen oder der Wirbel um den Bestseller "Fire and Fury" können Trumps Glauben an sich selbst kaum etwas anhaben.

Vielen Amerikanern mag das wie eine Drohung erscheinen, aber für Trump und seine Unterstützer scheint klar zu sein: Vier Jahre im Amt sind nicht genug, acht sollten es schon sein.

Diese Demokraten könnten gegen Trump antreten

Laut einem "Politico"-Bericht soll Trump unlängst vor Vertrauten die Liste möglicher demokratischer Gegenkandidaten für die nächste Präsidentschaftswahl durchgegangen sein. Ständig frage er Besucher, wer wohl 2020 gegen ihn antreten werde, heißt es demnach im Weißen Haus.

Gegen Bernie Sanders, den Anführer des linken Flügels der Opposition, könne er leicht gewinnen, soll Trump geprahlt haben. Sanders, 76, habe schlicht nicht die Energie, um ein so anstrengendes Rennen erfolgreich durchzustehen. Auch andere potenzielle Rivalen aus dem Senat seien für ihn keine Gefahr. Elizabeth Warren? Cory Booker? Kirsten Gillibrand? Würde er allesamt sicher schlagen, so Trump.

Doch es gibt auch mögliche Gegenkandidaten, die zumindest bei der Entourage des Präsidenten für Nervosität sorgen. Joe Biden, der frühere Vize-Präsident von Barack Obama, zählt wohl dazu. Biden, ein Kumpeltyp mit sozialer Ader, könne weiße Wähler aus der Arbeiterschaft und der Mittelschicht ansprechen und damit in Trumps Revier wildern, glauben Berater des Präsidenten. Ähnliches gelte für die Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey, die angeblich über eine Kandidatur nachdenken soll.

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Oprah, Johnson, Sanders: Mögliche Trump-Herausforderer

Fest steht, sollten sich Trumps Beliebtheitswerte im Wahlvolk nicht bald erholen, wäre ein erneuter Wahlsieg wohl zumindest eine äußerst schwierige Mission. Ungemach könnte Trump deshalb auch aus einer ganz anderen Richtung drohen: Sehr aufmerksam werden in Washington - sicherlich auch im Weißen Haus - die Zukunftspläne des republikanischen Präsidentschaftskandidaten von 2012, Mitt Romney, verfolgt. Romney denkt offenbar darüber nach, in diesem Jahr für den freien Senatsposten seines Heimatstaats Utah zu kandidieren.

Schon wird deshalb darüber spekuliert, ob er versuche, sich im Senat in Washington unter den Republikanern die Position eines Trump-Widersachers aufzubauen. Selbst eine mögliche Kandidatur Romneys gegen Trump bei den parteiinternen Vorwahlen der Republikaner wird nicht ausgeschlossen. Nach der Satzung der Partei wäre dies durchaus erlaubt.

Zwar hat sich Romney selbst bislang nicht zu seinen Plänen geäußert. Doch offenbar ahnt auch Trump, dass ihm aus dieser Richtung potenziell Gefahr drohen könnte. Trump soll in den vergangenen Monaten mehrfach versucht haben, den bisherigen Senator von Utah, Orrin Hatch, zum Weitermachen zu überreden. So hätte sich die Frage nach einer möglichen Romney-Kandidatur gar nicht erst gestellt. Doch Hatch ließ sich auch von Trump nicht erweichen und kündigte seinen Rückzug an.

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isi723 17.01.2018
1. ob wir wollen oder nicht
und er wird auch zum 2. mal gewählt werden. Da kann die restliche Welt noch so wehement mit dem Kopf schütteln - es wird so kommen!
shakshirak 17.01.2018
2.
Schon im Wahlkampf hat sich Herr Trump von seinem Arzt bestätigen lassen, über außergewöhnliche Ausdauer und Stärke zu verfügen und der vermutlich gesündeste Präsident aller Zeiten zu werden. Das war damals genauso gelogen wie heute. Der Umstand, dass es sich nun um einen Militärarzt handelt, sollt ein gewisses Maß an Neutralität suggerieren, aber es wird wohl kein Militärarzt seinem Oberkommandanten bescheinigen, nicht fit zu sein und dies auch noch öffentlich machen. Ich vertraue lieber meinen Augen und die sehen einen Mann, der nicht in der Lage ist, einen klaren Gedanken zu formulieren, der sich kürzeste Strecken im Golf Cart fahren lässt und der seine Arbeitszeit auf sechs Stunden reduziert hat. Das alles lässt mich vermuten, dass ich vermutlich fitter bin als Herr Trump.
fatal.justice 17.01.2018
3. Also.
Wenn sich Donald Trump nach Meinung der ihn untersuchenden Ärzteschaft völliger körperlicher sowie geistiger Gesundheit erfreut, muss man wohl zu dem Schluss kommen, dass er den ganzen grenzdebilen Unsinn, den er während des letzten Jahres ins Universum geballert hat, wirklich bei vollem Bewusstsein auch ernst meint. Gruselig. Diese Nachricht wird die Weltgemeinschaft noch ratloser und nachdenklicher hinterlassen, als sie es eh schon war...
wokri 17.01.2018
4. No Mercy USA
Nachher jammern sie wieder.
dasmagazin2017 17.01.2018
5. Oprah Winfrey sollte für die Demokraten antreten
Die sollten sie tatsächlich unbedingt aufstellen, denn selbst wenn sie nicht ansatzweise Ahnung hätte, ist schlicht jeder besser als Trump. Die Demokraten haben die Verantwortung dafür, jemanden aufzustellen, der mit absoluter Sicherheit gegen Trump gewinnt, damit der endlich verschwindet und aus 4 nicht 8 Jahre Regentschaft werden.
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