Russland-Affäre Trumps Sohn hoffte auf Kreml-Infos über Hillary Clinton

Die Russland-Enthüllungen überschlagen sich: Um weiteren Berichten zuvorzukommen, veröffentlichte Donald Trump junior einen Mail-Verkehr - doch der wirft mehr Fragen auf, als dass er den Präsidentensohn entlastet.

Donald Trump junior
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Donald Trump junior


Die Präsidentenfamilie versinkt immer tiefer in der Russland-Affäre: Donald Trump junior veröffentlichte nun E-Mails, die bestätigen, was die "New York Times" schon zuvor berichtet hatte. So ging der Sohn auf ein Treffen mit einer russischen Anwältin ein, weil er glaubte, dass diese belastendes Material über die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton besitzen könnte.

Das Treffen mit der angeblichen Vertreterin der russischen Staatsanwaltschaft hatte der britische Publizist Rob Goldstone eingefädelt. In dem veröffentlichten E-Mail-Verkehr mit Trumps Sohn erklärte Goldstone, das Material sei "Teil der Unterstützung der russischen Regierung für Herrn Trump" und enthalte kompromittierende Informationen über Clintons Beziehungen nach Russland. Dieses Material "wäre für Ihren Vater sehr nützlich", schrieb Goldstone laut den Dokumenten. Als Antwort schrieb Trump junior: "If it's what you say I love it" ("Wenn es das ist, was Sie sagen, dann liebe ich es").

Es ist ein weiterer Aspekt in der Russland-Affäre: Moskau wird von den US-Geheimdiensten eine gezielte Wahlbeeinflussung zugunsten von Donald Trump vorgeworfen. Ein Sonderermittler und mehrere Kongressausschüsse untersuchen, ob es dabei Absprachen mit Trumps Wahlkampflager gegeben hat.

Statt Transparenz offene Fragen

Eigentlich wollte der älteste Trump-Sohn mit seinem Tweet weiteren Medienberichten zuvorkommen. Er wolle für Transparenz sorgen, schrieb er auf Twitter. Doch der veröffentlichte Schriftverkehr wirft nur noch weitere Fragen auf - und gibt den Ermittlern in der Affäre neue Ansatzpunkte, dem Verdacht der russischen Einmischung in die Präsidentschaftswahl nachzugehen.

Hintergrund der Berichte ist eine Begegnung zwischen dem 39-jährigen Trump-Sohn und der russischen Anwältin Natalia Veselnitskaja während des Wahlkampfes im Juni 2016. Trump junior hatte eingeräumt, sich mit ihr getroffen zu haben, weil ihm per Mail Informationen für den Wahlkampf versprochen worden waren. Die E-Mail stammte demnach von dem Publizisten Rob Goldstone. Dieser hatte mehreren US-Medien bestätigt, dass er das Treffen zwischen Trump junior und der Anwältin arrangiert hatte.

Ihre Äußerungen seien vage und mehrdeutig gewesen, sie hätten keinen Sinn ergeben, erklärte Trumps Sohn über das Treffen. Einzelheiten oder weitergehende Informationen seien ihm nicht angeboten worden. "Es wurde schnell deutlich, dass sie keine wichtige Information hatte."

Trump senior springt seinem Sohn bei

Donald Trump junior bezeichnete die Berichte über sein Treffen mit einer russischen Anwältin als verzweifelten Angriff der Medien und der Demokraten. Diese hätten es extrem auf die "Russlandgeschichte" abgesehen, schrieb er am Dienstag auf Twitter. Das Treffen mit der Anwältin sei unsinnig gewesen. "Wenn dieses Nonsens-Treffen alles ist, was sie nach einem Jahr haben, verstehe ich die Verzweiflung!"

Der Präsident sprang seinen Sohn am Dienstag bei. Trump junior sei ein Mensch mit großen Qualitäten und er begrüße die von ihm hergestellte Transparenz, ließ Donald Trump über seine Sprecherin mitteilen.

Anwältin dementiert, Informationen über Clinton besessen zu haben

Die russische Anwältin erklärte am Dienstag, sie habe keine Verbindungen zum Kreml. Bei dem Gespräch mit dem Sohn von Donald Trump sei es um die Russland-Sanktionen der US-Regierung gegangen, nicht um Hillary Clinton. "Ich besaß niemals sensible Informationen, die Hillary Clinton hätten schaden können", sagte Natalia Veselnitskaja dem Sender NBC News. "Es war nie meine Intention, solche Infos zu besitzen."

Natalia Veselnitskaja
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Natalia Veselnitskaja

Tatsächlich sind bisher keine Verbindungen der Anwältin zu hochrangigen Vertretern des Kreml oder der russischen Geheimdienste dokumentiert. Auch der Kreml erklärte am Montag, man kenne die Anwältin nicht.

Die Juristin ist im vergangenen Jahr häufig in Amerika gewesen. Sie gehörte zu einem Anwaltsteam, das im Auftrag eines dubiosen Geschäftsmanns gegen US-Behörden prozessierte: Der Geschäftsmann - Sohn eines ehemaligen Transportministers der Regionalregierung des Moskauer Umlands - stand in den USA unter Geldwäscheverdacht. Die Behörden hatten seine Konten bei amerikanischen Banken eingefroren, auf Drängen des britisch-amerikanischen Aktivisten William Browder.

Die Anwälte des russischen Geschäftsmanns um Weselitskaja waren erfolgreich: Im Frühjahr 2017 schlossen sie mit den US-Behörden einen Vergleich. Das Verfahren wurde gegen Zahlung von 5,9 Millionen Dollar eingestellt.

Trump-Sohn verstrickte sich in Widersprüche

Zuvor hatte sich Trump junior in Widersprüche verstrickt: Er bestätigte zunächst lediglich, bei der Begegnung sei es um die Frage von Adoptionen russischer Kinder durch Paare in den USA gegangen, die Russlands Präsident Wladimir Putin zuvor gestoppt hatte.

Bei dem Gespräch im Juni waren auch der Schwiegersohn des Präsidenten, Jared Kushner, und der damalige Vorsitzende der Wahlkampagne, Paul Manafort, anwesend. Sein Vater habe damals nichts davon gewusst, sagte Trump junior.

Er räumte der "New York Times" zufolge den wahren Grund für die Begegnung ein, nachdem unter anderem drei Berater des Weißen Hauses die Zeitung darüber informiert hatten.

Der stellvertretende Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat, Mark Warner, sagte am Montag, er wolle von Trump junior hören, was dieser über das Treffen zu sagen habe.

mho/beb/dpa/Reuters

insgesamt 107 Beiträge
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RalfHenrichs 11.07.2017
1. Und was ist daran nun "belastend"?
Wenn das alles stimmt, kann man folgendes sagen: 1. Trump jr. hat versucht, negatives Material über Clinton zu bekommen. Dass er dieses versucht - und zwar aus allen möglichen Quellen - ist im Wahlkampf schlicht selbstverständlich. 2. Die Russin - wie auch SPON schreibt - hatte kaum echte Kontakte zum Kreml. Und sie hatte kein belastendes Material über Clinton. Über diesen Weg dürfte Russland also sicherlich nicht die Wahlen beeinflusst haben. Wenn man also die bislang bekannten Fakten analysiert, ist das Fazit: Viel Lärm um nichts. Aber es wird gewaltig aufgebauscht, so dass man meinen könnte, wo Rauch da Feuer. Aber tatsächlich gibt es nicht einmal eine klitzekleine Glut.
larsmach 11.07.2017
2. Belastend ist der Versuch, sich russischen Quellen anzudienen
Da fragt Ralf Henrichs, was an dem Vorgang "belastend" sei - ganz so, als könne jemand sich mit der - erklärten! - Absicht mit jemandem treffen, um die Absicht später herunterzuspielen, weil der Plan nicht aufgegangen ist. Wenn z.B. Informationen eines ausländischen Geheimdienstes zu privaten Eskapaden eines Kandidaten in einem politischen Wahlkampf durchgestochen werden, dann beeinflusst tatsächlich eine ausländische Macht den Wahlkampf eines andere Landes. Was ist daran nicht zu verstehen!? Übrigens twitterte (gerade erst!!) ein gewisser Donald Trump, dass eine Präsidentin Clinton das Land (USA) auf dem G20 Gipfel anderen Staaten gegenüber preisgegeben hätte. Ja: Derselbe Donald Trump, der offensichtlich bereit war, in seinem Wahlkampf auch Informationen aus Moskau zu nutzen - und sich entsprechend abhängig und gar erpressbar zu machen.
walter_e._kurtz 11.07.2017
3. habe da andere infos
"Die russische Anwältin erklärte am Dienstag, sie habe keine Verbindungen zum Kreml. ... Tatsächlich sind bisher keine Verbindungen der Anwältin zu hochrangigen Vertretern des Kreml oder der russischen Geheimdienste dokumentiert. Auch der Kreml erklärte am Montag, man kenne die Anwältin nicht." (Artikel) Da sagt ein Artikel der SZ etwas anderes: "Weselnizkaja war mit einem ehemaligen Vize-Verkehrsminister verheiratet." http://www.sueddeutsche.de/politik/usa-und-russland-wer-ist-die-anwaeltin-mit-der-sich-trumps-sohn-traf-1.3582863 Und noch etwas interessantes, ergänzend zum SpOn-Artikel: "Zum Zeitpunkt des Treffens mit den Trump-Mitarbeitern verteidigte sie den Sohn des stellvertretenden Chefs der Russischen Eisenbahn, Denis Kazyw, vor einem New Yorker Gericht. Der Staatsanwalt von Manhattan, Preet Bharara, beschuldigte Kazyw, über seine auf Zypern registrierte Firma Prevezon Holdings Ltd. 14 Millionen Dollar gewaschen zu haben. Dabei handle es sich um einen Teil jener 230 Millionen, die im sogenannten Magnitskij-Fall durch einen Steuerbetrug aus dem russischen Haushalt gestohlen wurden. .... Im Geldwäsche-Fall erzielte die Anwältin einen Teilerfolg: Im Mai stellte das Gericht das Verfahren gegen eine Zahlung von sechs Millionen Dollar ein. Präsident Trump hatte den Staatsanwalt Bharara im März entlassen. Sein Nachfolger stimmte dem Deal zu." Das scheint doch etwas mehr Brisanz zu haben, als aus dem SpOn-Artikel hervorgeht :-)
texhex 11.07.2017
4. Nebelkerzenschmeißer go!
Zitat von RalfHenrichsWenn das alles stimmt, kann man folgendes sagen: 1. Trump jr. hat versucht, negatives Material über Clinton zu bekommen. Dass er dieses versucht - und zwar aus allen möglichen Quellen - ist im Wahlkampf schlicht selbstverständlich. 2. Die Russin - wie auch SPON schreibt - hatte kaum echte Kontakte zum Kreml. Und sie hatte kein belastendes Material über Clinton. Über diesen Weg dürfte Russland also sicherlich nicht die Wahlen beeinflusst haben. Wenn man also die bislang bekannten Fakten analysiert, ist das Fazit: Viel Lärm um nichts. Aber es wird gewaltig aufgebauscht, so dass man meinen könnte, wo Rauch da Feuer. Aber tatsächlich gibt es nicht einmal eine klitzekleine Glut.
1. Der SPON schreibt nicht, dass die Dame keinen Kontakt zum Kreml hatte. 2. Es geht nicht um das Aufspüren kritischer Informationen über den Gegner sondern um den Tatbestand der "collusion", und die nicht enden wollende Weigerung von Ihnen und Ihresgleichen dieses kleine Stückchen Information zur Kenntnis zu nehmen, sagt alles, was man wissen muss, um Ihre Ansichten einzuordnen. 3. Woher wissen Sie dass die Dame kein belastendes Material über Clinton hatte? Weil D Jr und die Dame selbst das sagt? 4. Dass D Jr angesichts der völligen Harmlosigkeit dieses Gesprächs gleich mehrfach darüber log, macht Sie nicht stutzig? 5. Erklärt sich dadurch auch, wieso es Sie nicht stutzig macht, dass dies der fünfte aus Trumps Team ist, dem ein Treffen mit Russen nachgewiesen wurde, obwohl es eingangs seitens der Trumpadministration hieß, dass es KEINERLEI Treffen mit Russen gegeben habe?
horado 11.07.2017
5. Wie kommen Sie denn darauf?
Zitat von larsmachDa fragt Ralf Henrichs, was an dem Vorgang "belastend" sei - ganz so, als könne jemand sich mit der - erklärten! - Absicht mit jemandem treffen, um die Absicht später herunterzuspielen, weil der Plan nicht aufgegangen ist. Wenn z.B. Informationen eines ausländischen Geheimdienstes zu privaten Eskapaden eines Kandidaten in einem politischen Wahlkampf durchgestochen werden, dann beeinflusst tatsächlich eine ausländische Macht den Wahlkampf eines andere Landes. Was ist daran nicht zu verstehen!? Übrigens twitterte (gerade erst!!) ein gewisser Donald Trump, dass eine Präsidentin Clinton das Land (USA) auf dem G20 Gipfel anderen Staaten gegenüber preisgegeben hätte. Ja: Derselbe Donald Trump, der offensichtlich bereit war, in seinem Wahlkampf auch Informationen aus Moskau zu nutzen - und sich entsprechend abhängig und gar erpressbar zu machen.
Sie verwechseln offensichtlich den Sohn mit dem Vater, zumindest im Hinblick auf die Faktenlage. Und ansonsten Sehe ich das ganz ähnlich wie RalfHenrichs in seinem Kommentar: Viel Wind um nichts. Man fragt sich tatsächlich, wie verzweifelt die Demokraten sein müssen, wenn sie einen derartigen gescheiterten Versuch des Sohnes, dem Vater irgendwie anhängen wollen. Und ja, ich kann mir auch einen besseren Präsidenten als Trump und natürlich auch als Obama einer war vorstellen. Letzterer wurde lediglich von der Presse über alle Maßen geschont und vor allem gehypet.
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