US-Präsidentschaftswahl WikiLeaks, Trumps Sohn und die Russlandaffäre

Neue Details in der Russlandaffäre um das Team von Donald Trump. Sein ältester Sohn stand während des US-Wahlkampfs in Kontakt mit WikiLeaks. Was ist über die Rolle der Plattform und ihres Gründers Assange bekannt?

Julian Assange (Archivaufnahme)
Getty Images

Julian Assange (Archivaufnahme)


In der Russlandaffäre rückt Donald Trump junior immer mehr in den Fokus: Der älteste Sohn des US-Präsidenten hatte während des Wahlkampfes Kontakt mit der Enthüllungsplattform WikiLeaks. Das berichtete zuerst das Magazin "The Atlantic", bevor Trump jr. die Kommunikation veröffentlichte.

Im Juli hatte Trump junior bereits zugeben müssen, sich während des Wahlkampfs mit einer russischen Anwältin getroffen zu haben. Aus E-Mails geht hervor, dass der 39-Jährige der Begegnung zugestimmt hatte, weil ihm kompromittierendes Material über die damalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton versprochen worden war.

1. Was ist über die Rolle von WikiLeaks im US-Wahlkampf bekannt?

WikiLeaks spielte während des Präsidentschaftswahlkampfs eine wichtige Rolle: Die Plattform veröffentlichte vertrauliche E-Mails aus dem demokratischen Lager um Clinton. Das schadete der Kandidatin sehr, sie verlor gegen Donald Trump. US-Geheimdienste beschuldigen die russische Regierung, hinter den Hacking-Angriffen auf Clinton zu stehen.

2. Die Rolle von Donald Trump junior

Der Sohn des US-Präsidenten veröffentlichte am Montagabend ein Protokoll der Nachrichten, die ihm der Twitteraccount von WikiLeaks geschickt hat, sowie seine Antworten darauf. Der 39-Jährige war bemüht, die Bedeutung der Mitteilungen herunterzuspielen. Darunter befänden sich "kolossale" drei Antworten von ihm selbst.

       Donald Trump j        unior (Archivaufnahme)
AFP

Donald Trump j unior (Archivaufnahme)

Fest steht: Aus den von Trump junior veröffentlichten Nachrichten geht hervor, dass er mehrmals Anfragen von WikiLeaks bekam - auch noch im Juli dieses Jahres. Einige der Nachrichten stammen aus der Zeit, als die Plattform noch dabei war, gestohlene E-Mails von Clintons Wahlkampfmanager John Podesta zu veröffentlichen.

3. Was wollte WikiLeaks von Trump junior?

WikiLeaks schickte Trump junior am 20. September 2016 zunächst eine Frage zu einem politischen Aktionskomitee. Der Präsidentensohn antwortete, er wisse nicht, wer das sei, wolle sich aber umhören. In der nächsten Nachricht bat WikiLeaks darum, einen Bericht über Clinton öffentlich zu kommentieren. Trump junior entgegnete, er habe dies bereits getan und fügte hinzu: "Es ist erstaunlich, womit sie durchkommt."

In der dritten Nachricht fragte er WikiLeaks, was hinter einer Enthüllung stecke, von der er gelesen habe. Eine Antwort darauf bekam er nicht. Später schrieb WikiLeaks ihm: "Hey Donald, es ist großartig, dass du und dein Vater über unsere Veröffentlichungen sprecht. Empfehle ausdrücklich, dass dein Vater diesen Link twittert, wenn er uns erwähnt." Trump junior verbreitete den Link zwei Tage später.

4. Wie ging es nach der ersten Kontaktaufnahme weiter?

WikiLeaks schlug Trump junior im Oktober 2016 vor, der Plattform eine Steuererklärung seines Vaters zuzuspielen, damit diese sie dann enthüllen könne. WikiLeaks bergründete, den Wunsch damit, dass eine solche Enthüllung das Ansehen der Plattform verbessern und so die Wucht künftiger Clinton-Enthüllungen verstärken könne. Außerdem empfahl WikiLeaks, dass Trump sich im Fall einer Niederlage am Wahltag nicht geschlagen geben dürfe, sondern das Ergebnis anfechten müsse.

5. Welche Rolle spielte Assange?

Im Dezember 2016 wandte sich die Plattform noch einmal an Trump junior: Es sei "sehr leicht und hilfreich für deinen Vater", Australien vorzuschlagen, Assange zum US-Botschafter zu ernennen. Assange war vor einem europäischen Haftbefehl aus Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen in die Botschaft Ecuadors in London geflüchtet, dort sitzt er seit mehr als fünf Jahren fest.

6. Wie reagiert Julian Assange auf den Fall?

Der WikiLeaks-Gründe schrieb zunächst auf Twitter, er könne die Nachrichten über den Kontakt zwischen der Plattform und Donald Trump junior nicht bestätigen. Nachdem der Präsidentensohn diese aber veröffentlicht hatte, verbreitete Assange sie in dem Kurznachrichtendienst weiter.

In einem Interview mit dem SPIEGEL hatte sich Assange schon zuvor gegen Kritik gewehrt, russischen Propagandazwecken und gezielter Desinformation zu dienen: "Das nenne ich umgekehrt Fehlinformation. Nachdem Hillary Clinton die Wahlen verloren hatte, hat sie beim damaligen FBI-Direktor James Comey, bei Russland und uns die Schuld gesucht."

7. Warum wurde über Twitter kommuniziert?

Mancher mag sich wundern, weshalb WikiLeaks ausgerechnet per Twitter mit Donald Trump junior Kontakt aufgenommen hat. Man könnte ja meinen, es wäre viel einfacher, ihm eine E-Mail zu schicken. Außerdem glauben viele, die dieses soziale Netzwerk nicht nutzen, das alles auf Twitter öffentlich sei.

Tatsächlich ist es aber so, dass man auch auf Twitter sogenannte Direktnachrichten von Nutzer zu Nutzer verschicken kann, die nur vom Absender und dem Empfänger gelesen werden können. Eine solche Kontaktaufnahme kann bei Personen wir Trump jr, die viele ihrer E-Mails von Assistenten bearbeiten lassen, schneller zu einem direkten Kontakt führen als eine E-Mail.

als/mak/dpa

insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
Bürger Icks 14.11.2017
1. Hillary Clinton und ihr
"demokratisches" Verhalten gegenüber den Bürgern der "U"SA und gegenüber Bernie Sanders sowie Gott weiß wem noch hat Trump zu verantworten! Wenn es Schmutz zu veröffentlichen gibt, muss jemand den Schmutz erst fabriziert haben! Da sollte man nicht den "Messenger killen"! Trump war dann nur noch das übrig bleibende Übel das man wählen konnte! Aber klar, sobald etwas nicht läuft wie gewollt im Westen, warens die Russen, böse Whistleblower etc...
Caty25 14.11.2017
2. Verdreheung der Tatsachen
Nicht Trump Junior hat sich an WikiLeaks gewandt sondern WikiLeaks hat ihn kontaktiert.WikiLeaks benötigt für seine Recherchen Unterstützung. Und daran ist doch ist nichts Negatives auszusetzen.
taglöhner 14.11.2017
3. Botschafter mit Dachschaden
Wenn ich mir überlege, dass ich den Mann und seinen Laden mal gut fand. Inzwischen glaube ich, dass der am ehesten so Typen wie Steve Bannon und Milo Yiannopoulos geistig nahesteht. Nur nicht so intelligent. Der würde seine Großmutter an den IS verkaufen, wenn es ihm nutzt.
123Valentino 14.11.2017
4. Wikileaks..,,,,
ist nicht mehr und nicht weniger, das Spielzeug eines pathologischen Profilneurotikers, sehr ähnlich einem Herrn Trump nur mehr Hirn. Ich habe die Hype um Wikileaks nie wirklich verstanden.
steingärtner 14.11.2017
5. Jeder will sie
Die halbe Journalistenwelt ist hinter der Steuererklärung von Trump hinterher. Und das auch oder gerade heute noch. Und wer sie hat, der wird sie zu nutzen wissen. Je nach politischer Ausrichtung.
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