Donald Trumps Präsidentschaftskandidatur Ich, ich, ich

Mit einer bizarren Rede ist der Immobilienmogul Donald Trump in den US-Präsidentschaftswahlkampf eingestiegen. Diesmal meint er es offenbar ernst - zum Schrecken der Republikaner.

Von , New York


New Yorks Trump Tower ist purer Achtzigerjahre-Kitsch. Der Skyscraper an der Fifth Avenue steht für eine Fantasiewelt aus Gold, Marmor und Schulterpolstern. Unten tapsen Touristen durch meist leere Luxusläden, oben wohnen Millionäre, Milliardäre, saudische Prinzen - und natürlich Donald Trump, der Hausherr selbst, in einem diamantenverkrusteten Hundert-Millionen-Dollar-Penthouse über den Wolken.

Von dort bequemte sich der Immobilienmogul und Reality-Star an diesem Dienstag herab ins monumentale Atrium. Dort stand eine Bühne, darauf ein Podium, dahinter acht Sternenbanner. Ein paar hundert Fans warteten, viele in T-Shirts mit dem Schriftzug "Trump" darauf. Sie brachen in schrilles Juchzen aus, als er huldvoll winkend die Rolltreppe herabstieg.

Denn sie wussten, was kam: Nach jahrelangem Kokettieren und zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag würde sich "The Donald" endlich zum Retter der Nation aufschwingen - und das Feld der republikanischen Präsidentschaftskandidaten um seinen schillernden Namen bereichern.

Déjà-vu: Schon mehrfach hatte der schamlos-selbstverliebte Trump ja mit einer Kandidatur geflirtet, zuletzt 2011, als sein Programm daraus bestand, US-Präsident Barack Obamas Geburt auf amerikanischem Boden anzuzweifeln. Doch jetzt meint er es offenbar ernst.

Wie Trumps Programm aussieht

Er erklärte sich mit der üblichen Bravade, die nur Superlative, Ausrufzeichen und das Adjektiv "großartig" kennt und diesmal nicht nur an Parodie grenzte, sondern weit darüber hinausschoss: "Ladies and Gentlemen", rief er, "ich bewerbe mich offiziell" - Pause, Jubel -, "für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten" - Pause, mehr Jubel - "und wir werden dieses Land wieder großartig machen!"

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US-Wahlkampf: Donald Trump for President
Es war der Höhepunkt eines fast einstündigen atemberaubend bizarren Auftritts. Trumps PR-Leute hatten vorab ein Manuskript verteilt, das eine wirklich ernstzunehmende Polit-Ansprache enthielt, knapp fünf Minuten lang. Leider war es nicht die Rede, die Trump hielt.

Trumps aktualisiertes Wahlprogramm fußt demnach auf der in rechten Kreisen populären Wahnvorstellung, dass die USA völlig kaputt seien und, so die Trump-Doktrin, dass er der einzige sei, der sie reparieren könne: "Der American Dream ist tot - ich werde ihn wiedererwecken!"

Ein Vermögen von 8.737.540.000 Dollar

"Ich" war denn auch das häufigste Wort. "Ich bin wirklich reich", beschrieb Trump zum Beispiel seine Top-Qualifikation. Dazu hielt er ein Blatt hoch mit einer Übersicht seines Vermögens. Gesamtsumme, inklusive Immobilien, Investments und den Schönheitskonkurrenzen Miss Universe, Miss USA und Miss Teen USA: 8.737.540.000 Dollar.

Geld macht alles gut, also auch das: "Unser Land hat ernste Probleme", proklamierte Trump. "Wir siegen nicht mehr."

Keine Siege über China, das den Amerikanern die Jobs klaue. Keine Siege über Japan, das die USA mit "Millionen Autos" flute. Keine Siege über Mexiko, das seine übelsten Gestalten über die Grenze schicke: "Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität, sie sind Vergewaltiger, und einige, nehme ich an, sind auch nette Leute."

Wahllos wanderte Trump, von einer Gruppe enthusiastischer Zwischenrufer ermuntert ("Wir wollen Trump!"), durch Amerikas reale und fiktive Problemzonen. "Islamischer Staat", Iran, Kriegsinvalide ("Ich liebe sie, sie sind toll."), Bruttoinlandsprodukt ("unter Null"), Arbeitslosigkeit ("18 bis 20 Prozent"), Atomarsenal ("funktioniert nicht"), Obamacare ("eine große Lüge"): alles gleich, alles schlecht, alles Zeichen einer schwachen Nation, "die keinen Schimmer hat".

Keine Scham, kein Sinn für Proportionen

Es waren altbekannte Parolen, ohne Filter, Scham und Sinn für Proportion. Die Lösung: Ich, ich, ich. Er, Trump, sei ein "wahrhaft großartiger Führer", der "die Marke Amerika" großartig machen werde. "Ich habe die besten Golfplätze der Welt", fügte er hinzu, eine weitere Qualifikation fürs Präsidentenamt. "Einen direkt am Weißen Haus."

Ist diese Groteske ernst zu nehmen? Die meisten TV-Kommentatoren lachten sich jedenfalls erst mal schief.

Doch war es das erste Mal, dass Trump sein angebliches Vermögen offenbarte - als fast doppelt so hoch wie bisher von "Forbes" geschätzt. Es wäre zugleich ein erster Schritt zum offiziellen Antrag bei der US-Wahlkommission FEC, die finanzielle Transparenz verlangt. Diesen Antrag müsste er nun innerhalb von 30 Tagen einreichen.

Ein weiteres Zeichen, dass Trump diesmal nicht spaßt: Nach dem Auftritt im Trump Tower flog er gleich zu einer Kundgebung nach Iowa und von dort nach New Hampshire - die beiden ersten Vorwahlstaaten.

Die Republikaner dürften sich über den jüngsten Kandidaten in ihrer Mitte aber kaum freuen: Trump macht den Vorwahlkampf vollends zum Zirkus - und könnte seriöse Wähler der Mitte damit verschrecken.

Ihre Hoffnung ist, dass er an den Hürden scheitert, die die Networks für die TV-Debatten verordnet haben. So muss er in den Umfragen wenigstens in den Top Ten rangieren.

Trumps letzter Durchschnittswert laut der Website "RealClearPolitics": 3,6 Prozent - Platz acht.

Video-Überblick: Das sind die Bewerber für die nächste US-Wahl



insgesamt 99 Beiträge
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Bontainer 16.06.2015
1. Cool,
noch einer. jetzt werden wir monatelang erleben dürfen wie sich die republikanischen Anwärter gegenseitig zerfleischen, damit der letzte Überlebende dann Hillary gegenübersteht....
13wahlstratege 16.06.2015
2. Donald Trump der Trumpf mit ...
... selbst verdienten $$. Endlich mal jemand, der versorgungsmäßig autark zu sein scheint. Weismann oder auch nicht. Er kam mir schon immer näher an sein Vorbild heran. Mit der Hand signiert: Donald Duck !!
marthaimschnee 16.06.2015
3.
Lächeln, es könnte schlimmer sein. Und er lächelte und es WURDE schlimmer!
rainbow-warrior999 16.06.2015
4. Wow...what a greatfullness Men...:-)
Ich habe mich auch erstmal schlapp gelacht bei diesem Video. Donald Duck im Weißen Haus - der würde ja noch die Witzfigur (und Kriegsverbrecher) Schorsch Dabbeljuh um Längen schlagen. "Nobody will be tougher than Donald Duck" Bei der GOP ist scheints noch vieles "steigerungsfähig" bis zum abwinken. Oh poor America - was für Leute kommen da auf Dich zu... Möchtergern-Präsident Number Twelve oder ? Naja, schätze mal, der wird die Primaries nicht überstehen, was auch völlig okay ist. Ansonsten wohl nicht weiter erwähnenswert, außer für "Satisfaction". Und da haben die REPs mittlerweile ja einiges an "Trash im Programm".
fl-gg_1 16.06.2015
5.
Hatte ich mich verhört oder hat er es wirklich bedauert, daß das irakische Öl nicht in die USA geht, sondern angeblich in den Iran? ("Iran owns Iraq now!") Das Wort "leader" fiel sehr oft. Von der Loge kamen dann auch immer die richtigen Anfeuerungen. Aber wenigstens sagt er klar, was er will und redet nicht jedem nach dem Mund wie Hillary Clinton. Er will alle rechts überholen. Trump als US-Präsident wäre eine Katastrophe für den Rest der Welt.
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