Trumps Umgang mit Freund und Feind In Kims offene Arme

Auf dem G7-Gipfel fühlte sich Donald Trump sichtlich unwohl. Ganz anders war das bei seinem Termin mit Diktator Kim Jong Un in Singapur. Ein direkter Vergleich.

Der nordkoreanische Machthaber Kim und US-Präsident Trump beim Gipfel in Singapur
REUTERS

Der nordkoreanische Machthaber Kim und US-Präsident Trump beim Gipfel in Singapur


"Er ist sehr talentiert", attestierte Donald Trump dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un auf einer Pressekonferenz nach dem Gipfeltreffen in Singapur. Und als er nach den Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea gefragt wird, sagt der US-Präsident, Kim sei nicht nett, sondern "tough", knallhart eben. Offenbar bewundert Trump den Diktator, mit dem er gerade verhandelt hat.

Der US-Präsident ist schon lange fasziniert von autokratischen Herrschern. Ein Berater von Trump sagte der "Washington Post" im vergangenen Jahr: "Wer sind die drei Typen, die er auf der Welt am meisten bewundert? Präsident Xi aus China, Erdogan und Putin."

In dieser Woche konnte man Trumps Faible für Autokraten besonders genau beobachten: Er zog seine Zustimmung zum Abschlussdokument der G7 zurück, weil er sich vom kanadischen Premier Justin Trudeau hintergangen fühlte. Der hatte auf einer Pressekonferenz gesagt, die Kanadier ließen sich nicht herumschubsen. Trudeau bekräftigte seine Absicht, an den angekündigten Gegenmaßnahmen als Reaktion auf die US-Strafzölle festhalten zu wollen. Trump twitterte prompt:

Trudeau habe sich während des Gipfeltreffens "zahnlos und sanft" verhalten, nur um eine Pressekonferenz zu halten, auf der er sagte, dass die US-Zölle "ein bisschen unverschämt" gewesen wären und er sich "nicht herumschubsen ließ". "Sehr unehrlich & schwach", twitterte Trump.

Ganz anders klang der Präsident, als es um sein geplantes Treffen mit Kim ging: "Ich bin auf dem Weg nach Singapur, wo wir die Chance haben, ein wahrlich wunderbares Ergebnis für Nordkorea und die Welt zu erreichen. Es wird mit Sicherheit ein aufregender Tag und ich weiß, dass Kim Jong Un sehr hart arbeiten wird, um etwas zu erreichen, was es selten zuvor gab..."

"...Frieden und Wohlstand für sein Land zu schaffen. Ich freue mich darauf, ihn kennenzulernen und habe das Gefühl, dass diese einmalige Chance nicht vergeudet werden wird!"

Und auch die Bildsprache war im direkten Vergleich Trump-Trudeau zu Trump-Kim ziemlich eindeutig. Einmal der US-Präsident mit dem Kanadier:

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Und Tage später mit dem nordkoreanischen Machthaber:

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Trudeau ist der Posterboy der aufgeklärten Demokratien - Sozialdemokraten auf der ganzen Welt wünschen sich einen wie ihn. Kim ist einer der grausamsten Diktatoren der Welt. Wo aber Trumps Sympathien liegen, ist nicht eindeutig. "Ich habe eine gute Beziehung zu Justin", sagt er auf der Pressekonferenz in Singapur. Zu seinen Tweets von zuvor passt das nicht so recht. Und dann: "Ich denke, ich habe zu dem Vorsitzenden Kim momentan eine sehr gute Beziehung. Habe ich wirklich."

Als ehemalige TV-Persönlichkeit ist Trump mit der Macht der Bilder durchaus vertraut, versucht immer wieder, sie für seine Zwecke zu nutzen. Umso drastischer fällt da dieser Gegenschnitt aus einer außenpolitisch aufregenden Woche aus.

höh

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insgesamt 13 Beiträge
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jufo 12.06.2018
1. Interessante Beobachtungen
Demokratie ist die Kunst des Machbaren und der Abstimmung. Diktatur ist entscheiden und die Entscheidungen mit Propaganda im Nachhinein begründen. Wahre Herrscher halten Parlamente für Quasselbuden, so wie Kaiser Wilhelm. Trump sieht sich offenbar in der Rolle des Entscheiders und Macher der Verbündete wie Südkorea auch schon einmal übergeht. Ein Produkt unserer Zeit, die Alphatiere höher schätzt als kluge Diplomaten. Doofe Zeiten, sowas geht fast immer tragisch aus.
andreika123 12.06.2018
2. So ein Blödsinn
Freunde? Welche Freunde? Der Rest der Welt sind für Amerika nur Partner oder Lakaien die das tun sollen was den gesagt wird. Die anderen Prisidenten hatten das ganze durch die Blumen gemacht, Trump nimmt ein direkten weg mehr nicht. Wann hat Amerika auf irgendwas verzichten nur um den anderen nicht zu schaden? Gab es nicht. Mit Kim muss er noch eine Weile zusammen arbeiten, die Raketen sind noch da, den kann er nicht einfach komandiren wie die NATO oder EU. Das ist dir realistisch Welt, nicht das was gewünscht wird.
ulrich-lr. 12.06.2018
3. Relation
Bei jedem anderen hätten wir von Durchbruch geredet, dass Geschichte geschrieben wird und-und-und. Ist schon lustig, wie nun das Haar in der Suppe gesucht und die Sache relativiert wird. Durchbruch mit Nordkorea erreicht? Zählt nicht richtig, weil nichtssagendes Kommuniqué der G7-Selbstbeweihräucherer nicht unterschrieben.
peterpretscher 12.06.2018
4. Was ist Trump‘s Doktrine?
Zitat von andreika123Freunde? Welche Freunde? Der Rest der Welt sind für Amerika nur Partner oder Lakaien die das tun sollen was den gesagt wird. Die anderen Prisidenten hatten das ganze durch die Blumen gemacht, Trump nimmt ein direkten weg mehr nicht. Wann hat Amerika auf irgendwas verzichten nur um den anderen nicht zu schaden? Gab es nicht. Mit Kim muss er noch eine Weile zusammen arbeiten, die Raketen sind noch da, den kann er nicht einfach komandiren wie die NATO oder EU. Das ist dir realistisch Welt, nicht das was gewünscht wird.
Auf diese Frage einer Reporterin bekam Sie die Antwort:‘America First, you b..ch‘ Das sagt wohl alles über die USA Regierung!
kleinstaatengegner 12.06.2018
5. Man schaut auf das Foto und denkt,
wie konnte das passieren? Wie konnte dieser Mensch amerikanischer Präsident werden? Warum haben Leute kein soziales Bewusstsein und wählen gegen ihre Interessen einen Milliardär und seine Sippschaft? Sehnen sie sich nach einem König? Evtl. würde Trump ja gern nordkoreanische Verhältnisse in Amerika einführen. Allerdings würden das seine bewaffneten Bürger nicht zulassen. Was sagen eigentlich Anthropologen und andere Fachleute zu dieser Misere? Wie konnte Trump passieren?
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