Russland-Connection Kreml vergleicht Affäre um Trump-Sohn mit TV-Serie

Die Russland-Affäre zieht größere Kreise: Donald Trumps Sohn hoffte, von einer russischen Anwältin belastende Infos über Hillary Clinton zu bekommen. Der Kreml nimmt diese Nachrichten kaum noch ernst.

Donald Trump Junior in einem Interview bei Fox News
AP

Donald Trump Junior in einem Interview bei Fox News


Während das Umfeld von Donald Trump in den USA heftig unter Druck gerät, verfolgt Russland die Affäre um den Sohn des US-Präsidenten betont gelassen. Die Debatte über eine mögliche Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Trump-Team im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 könne mit den besten Serien in den USA konkurrieren, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

Donald Trump junior, der älteste Sohn des Präsidenten, hatte am Dienstag eingeräumt, dass es 2016 zu einem Treffen mit einer russischen Anwältin gekommen war. Der Trump-Sohn ging darauf ein, weil er offenbar darauf hoffte, belastende Informationen über die Demokratin Hillary Clinton zu erhalten (mehr zu dem Treffen und Hintergründe zu der Anwältin lesen Sie hier). Das geht aus einem E-Mail-Wechsel hervor, den Trump junior selbst auf Twitter veröffentlichte.

Moskau wird seit Monaten von den US-Geheimdiensten eine gezielte Wahlbeeinflussung zugunsten Trumps vorgeworfen. Ein Sonderermittler und mehrere Kongressausschüsse untersuchen, ob es dabei Absprachen mit Trumps Wahlkampflager gegeben hat. Der Kreml dementiert: "Wir haben bereits gesagt, dass wir nichts über diese Geschichte wissen", sagte Kreml-Sprecher Peskow laut Nachrichtenagentur Interfax. Der Kreml habe auch keinen Kontakt zu der Anwältin gehabt.

"Wo ist das Problem?"

Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte zu dem Fall, er habe noch keinen einzigen Beleg zu den Vorwürfen gesehen. "Es ist erstaunlich, wie ernst zu nehmende Leute aus Mücken einen Elefanten machen", sagte er bei einem Besuch in Brüssel. "Was ist eigentlich das Problem?", fragte er.

Mit Überraschung habe er festgestellt, dass eine russische Anwältin hinter Trumps Verbindungen nach Russland stecken soll - und auch nicht der Präsident selbst, sondern sein Sohn. "Für mich ist das wild", sagte Lawrow. Denn wenn irgendjemand mit einem Anwalt spreche, sei das doch kein Thema.

US-Präsident Donald Trump verteidigte derweil seinen ältesten Sohn. "Mein Sohn hat gestern einen guten Job gemacht. Er war offen, transparent und unschuldig", schrieb Trump nach dem Auftritt von Donald jr. beim Sender Fox News auf Twitter. Doch sein Geständnis warf auch zahlreiche weitere Fragen auf.

apr/mho/dpa/AP/Reuters

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