Nach Fund mutmaßlicher Paketbomben Trump gibt Medien Mitschuld

Bei einer Wahlkampfveranstaltung hat sich der US-Präsident zu den verdächtigen Postsendungen geäußert, die an seine Kritiker adressiert waren. Trump rief zu mehr Anstand in der politischen Debatte auf - und legte gegen die Medien nach.

Donald Trump in Mosinee
AP

Donald Trump in Mosinee


Nach dem Versand mehrerer mutmaßlicher Rohrbomben an Politiker der oppositionellen Demokraten hat US-Präsident Donald Trump zu mehr Anstand in der politischen Debatte aufgerufen. "Diejenigen, die sich in der politischen Arena befinden, müssen damit aufhören, politische Gegner als moralisch fehlerbehaftet zu behandeln", sagte er bei einem Wahlkampfauftritt in der Stadt Mosinee im Bundesstaat Wisconsin. "Wir sollten Menschen im öffentlichen Raum nicht anpöbeln oder öffentliches Eigentum zerstören."

Trump betonte zudem die Mitverantwortung der Medien und nahm Journalisten in die Pflicht. "Die Medien stehen auch in der Verantwortung, einen zivilisierten Ton zu setzen und die endlosen Anfeindungen sowie die ständigen negativen und oft falschen Angriffe und Geschichten zu stoppen."

Trump selbst hat ihm unliebsame Medien, die kritisch über ihn berichten, wiederholt als "Feinde des Volkes" bezeichnet. Am vergangenen Donnerstag lobte er einen Kongressabgeordneten für dessen gewaltsamen Angriff auf einen Journalisten. Zudem tut er sich regelmäßig mit heftigen Attacken auf Demokraten und andere Kritiker hervor, vergreift sich dabei häufig im Ton oder wird beleidigend. Zuletzt bezeichnete er die Demokraten mehrfach als "Kriminelle" und "Mob".

Kurz vor den Kongresswahlen Anfang November hatte der Fund der verdächtigen Postsendungen am Mittwoch für Aufruhr gesorgt (mehr Hintergründe zu dem "Bombenschock" erfahren Sie hier). Sie waren an prominente demokratische Politiker und Trump-Kritiker wie Ex-Präsident Barack Obama, dessen frühere Außenministerin Hillary Clinton und Ex-CIA-Direktor John Brennan adressiert, wurden aber rechtzeitig abgefangen. Es wurde niemand verletzt.

Video: Secret Service fängt "verdächtige Pakete" an Obama und Clinton ab

Eine der mutmaßlichen Bomben wurde im Briefzentrum des Senders CNN entdeckt, sie war an Brennan adressiert. Der Präsident von CNN Worldwide, Jeff Zucker, warf dem Weißen Haus anschließend "völliges Unverständnis" über die Ernsthaftigkeit der Angriffe auf Medien vor. "Der Präsident und besonders die Pressesprecherin des Weißen Hauses sollten verstehen, dass ihre Worte von Bedeutung sind. Bisher haben sie kein Verständnis dafür gezeigt", sagte er.

Trump hatte in einer ersten Reaktion auf die Funde von "abscheulichen Taten" gesprochen und das Land zu Geschlossenheit aufgerufen: "In diesen Zeiten müssen wir uns vereinen." Das war wenige Stunden vor seinem Wahlkampfauftritt in Mosinee.

Hochrangige Demokraten hatten Trumps erste Erklärung als unglaubwürdig kritisiert: "Der Präsident hat immer wieder physische Gewalt geduldet und die Amerikaner mit seinen Worten und seinen Taten gespalten", teilten der demokratische Vorsitzende des Senats, Chuck Schumer, und die Repräsentantin des Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi, mit.

aar/dpa/AFP

insgesamt 51 Beiträge
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DJ Bob 25.10.2018
1. natürlich sind die Medien schuld Mr Trump! *zynisch*
Trump rief zu mehr Anstand in der politischen Debatte auf? Wenn der GOP Mitglied Abraham Lincoln diesen Spruch von Trump noch hören könnte wurde er sich im Grabe umdrehen!
Darl 25.10.2018
2.
Seien wir mal ehrlich. Das klingt fast so als wolle er sagen "Seid doch selbst dran schuld wen ihr so schlecht über mich berichtet. Hört damit auf und sowas passiert nicht mehr." Ich denke mal kaum man muss hier wirklich breit aufführen wie oft Trump in seinen Reden zu Gewalt aufgerufen und die Medien direkt zu Staatsfeinden erklärt hat. Dafür braucht man sich nur ein paar seiner Ansprachen anzuhören. Und jetzt hat er vermutlich einen soweit aufgestachelt das er so etwas macht. Und nun sollen seine Kritiker schuld daran haben weil sie ihn kritisiert haben. Den seinen wir mal ehrlich bei seinen genannten Beispielen meint er eher Artikel wo über ihn negativ berichtet wird und nicht die wo seine netten Freunde bei Fox News mal wieder einen seiner Kontrahenten propagandistisch auseinandernehmen. Aber sowas wie Verantwortung hat dieser Mann anscheinend nie gelernt.
fschaffer 25.10.2018
3. An die eigene Nase fassen, bitte
Trump sollte gefälligst vor seiner eigenen Tür kehren. Bereits in seinem Präsidentschaftswahlkampf hat er zur Gewalt gegenüber Gegnern aufgerufen, hat sich vollkommen indifferent gegenüber dem Rassistenmarsch in Charlottesville, VA, gezeigt, bezeichnet die Presse als Feinde des Volkes, lobt des gegenüber einem Journalisten handgreiflich gewordenen Abgeordneten Gianforte aus Montana, verbreitet Lügen, Angst und Verschwörungstheorien. Auf seinen Rallies skandieren seine Anhänger immer noch(!) „lock her up“, zuerst gegen Hillary Clinton und jüngst gegen Nancy Pelosi. Trump suhlt sich in dieser Atmosphäre, dort ist seine Komfortzone. Und so einem sollen wir jetzt salbungsvolle Sprüche von Einheit und Versöhnung abnehmen?
sven2016 25.10.2018
4. Mal ernsthaft
Trump hätte ehrlicherweise sagen müssen, dass er Kritik und Angriffe verurteilt, die ihn betreffen. Alles andere ist gerechtfertigt, das zeigt er bei seinen täglichen Wahlkampfauftritten. Von denen in den nächsten zwei Wochen noch 10 folgen sollen. Gewalt gegen Andere hat ihn bisher nicht gestört, eher amüsiert.
dreiimweckla 25.10.2018
5. Biedermann, der Brandstifter
"In diesen Zeiten müssen wir uns vereinen." Ist es nicht, je nach Charakterstruktur und Gemütsverfassung, belustigend /erschütternd/widerwärtig /abstoßend /ekelerregend ... zu sehen, wenn sich der Brandstifter als Feuerwehrmann geriert? Noch vorgestern hat er bei einer Wahlkampfveranstaltung in Texas allen Ernstes behauptet, der mittelamerikanische Elendstreck, der zur Zeit durch Mexiko zieht, sei von den bösartigen Demokraten bestellt und finanziert, da sie das Land mit Kriminellen fluten wollten! Verschlägt es einem nach dieser einen von seinen vielen täglichen Lügen, trotz Gewöhnungseffekt, dennoch beinahe den Atem, so wird man völlig sprachlos angesichts der Reaktion seiner Fans: die 18000 haben getobt und sind ausgeflippt, sie nehmen das für bare Münze! Und jetzt appelliert er an nationale Einheit und Fairness!?! Merke: die Geister die ich rief ... Aber er kann, wenn überhaupt, nur kurz die Maske des Biedermanns überstülpen: schon wenige Stunden danach hetzt er wieder in altbekannter Weise gegen die Presse!
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