Putins "interessante Idee" Trump lehnt Vernehmung von US-Bürgern durch Russen nun doch ab

Darf Moskau US-Bürger befragen, die in Russland illegaler Tätigkeiten verdächtigt werden? Putin hatte das auf dem Helsinki-Gipfel vorgeschlagen, Trump schien nicht abgeneigt. Das Weiße Haus hat das nun zurückgewiesen.

Donald Trump
AFP

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Donald Trump will die Vernehmung von US-Bürgern durch russische Justizvertreter nicht erlauben. "Dies ist ein Vorschlag, der in aller Aufrichtigkeit von Präsident Putin gemacht worden ist, doch Präsident Trump ist nicht einverstanden", sagte Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders. Die Vorstellung einer solchen Befragung war in Washington auf Empörung gestoßen.

Putin hatte während der Pressekonferenz nach dem Gipfeltreffen mit Trump in Helsinki Anfang der Woche der Vernehmung von zwölf russischen Geheimdienstagenten zugestimmt - allerdings nur, wenn das auf "Gegenseitigkeit" erfolge. Gegen die Agenten wird in den USA wegen Einmischung in die US-Präsidentschaftswahl 2016 ermittelt. Moskau will im Gegenzug mehrere US-Vertreter vernehmen, die "illegaler Tätigkeiten" in Russland verdächtigt werden.

Kritik über Parteigrenzen hinaus

Trump hatte den Vorschlag auf der gemeinsamen Pressekonferenz als "interessante Idee" und "unglaublichen Vorschlag" bezeichnet. Als am Mittwoch das Weiße Haus mitteilte, dass Trump den Vorschlag weiter prüfe, stieß dies über Parteigrenzen hinweg auf Kritik.

Der US-Senat lehnte in einer nicht bindenden Resolution mit 98 zu 0 Stimmen ab, dass amtierende oder frühere Diplomaten, Offizielle oder Vertreter der US-Streitkräfte von der russischen Regierung vernommen werden dürfen.

Insbesondere der ehemalige US-Botschafter in Moskau, Michael McFaul, den die russische Justiz zusammen mit zehn weiteren US-Vertretern vernehmen will, hat empört darauf reagiert, dass das Weiße Haus ihn nicht verteidigen würde. Er bedankte sich nach der Resolution des US-Senats, dass Demokraten wie Republikaner ihn unterstützt hätten. McFaul war von Trumps Vorgänger, dem demokratischen Präsidenten Barack Obama ernannt worden.

Laut Sanders hofften die USA nun, dass Putin die zwölf angeklagten Russen in die USA kommen lassen werde, damit sie ihre Unschuld beweisen oder sich schuldig bekennen könnten.

Die russischen Spione waren kurz vor dem Helsinki-Treffen der beiden Staatschefs von einer Grand Jury in den USA angeklagt worden. Sie sollen sich in Computer-Netzwerke von Trump-Rivalin Hillary Clinton eingehackt und Informationen über das Internet verbreitet haben. Damit sollen sie versucht haben, die Präsidentenwahl zugunsten von Trump zu beeinflussen.

cop/Reuters/AFP/dpa

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