Trumps Propagandavideo für Kim Mit besten Grüßen aus Hollywood

Für sein Treffen mit Kim Jong Un ließ Donald Trump einen Trailer im Hollywood-Stil produzieren. In den Hauptrollen: Nordkoreas Machthaber und der US-Präsident. Oder, wie es im Video heißt: "Zwei Männer. Zwei Anführer. Ein Schicksal."

JIM LO SCALZO/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Das Weiße Haus hat den Videoclip veröffentlicht, den US-Präsident Donald Trump Vertretern aus Nordkorea bei dem Gipfeltreffen in Singapur auf einem iPad vorspielte. Auch bei einer Pressekonferenz im Anschluss an die Gespräche wurde das Filmmaterial gezeigt, Anwesenden dachten laut "Washington Post" zunächst, es handele sich um einen Propagandafilm aus Pjöngjang. Das Video ist rund vier Minuten lang - und erinnert von vorne bis hinten an den Trailer eines Hollywood-Films.

In den Hauptrollen: US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim, "bei einem Treffen, um Geschichte neu zu schreiben, um in der Sonne zu glänzen", wie eine Erzählerstimme im Video sagt. "Zwei Männer. Zwei Anführer. Ein Schicksal."

Nach Angaben des Weißen Hauses wurde die Produktion des Videos von der Regierung in Washington in Auftrag gegeben, Zielgruppe sei nur ein Zuschauer gewesen: Kim sollte demnach mithilfe des Trailers davon überzeugt werden, einen Deal mit Trump abzuschließen.

Kim wird in dem Video aufgezeigt, wie die Zukunft seines Landes aussehen könnte. Es gebe nur zwei Wege. Einer führe zurück - dazu sind im Clip Schwarz-Weiß-Aufnahmen von leerstehenden Supermarktregalen, von Raketenstarts und Kampfjets zu sehen. Der andere Weg führe nach vorne - dazu gibt es Farbbilder von boomenden Großstädten, Fabriken, Paket-Drohnen, Motorjachten und Pferden, die in Zeitlupe durchs Wasser laufen. "Ein großartiges Leben oder mehr Isolation - welcher Weg wird es sein?"

Im Video heißt es, die Produktionsfirma "Destiny Pictures" sei für den Trailer verantwortlich. In Los Angeles gibt es tatsächlich ein Unternehmen mit diesem Namen, Inhaber Mark Castaldo sagte allerdings: "Wir hatten mit diesem Film nichts zu tun. Propaganda, all diese Sachen, das ist nichts, was wir machen würden."

Der ehemalige Reality-TV-Star Trump gab sich in Singapur überzeugt, dass das Video die gewünschte Wirkung entfaltet habe. "Ich glaube, er hat es geliebt", sagte er über den Moment, als er Kim den Film präsentierte. "Ich habe es gezeigt, weil ich wirklich will, dass er was tut."

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Trump und Kim in Singapur: Ein bisschen Frieden

Trump und Kim hatten bei dem Gipfel am Dienstag eine gemeinsame Vereinbarung unterzeichnet, in der sich der nordkoreanische Machthaber grundsätzlich zu einer "vollständigen" atomaren Abrüstung bereit erklärte. Ein Zeitplan oder spezifische Schritte wurden in dem eher vage abgefassten Dokument nicht erwähnt. Trump erklärte sich im Gegenzug zu Sicherheitsgarantien bereit.

Video: So verlief das Treffen zwischen Trump und Kim

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Kim nimmt offenbar Einladung Trumps in die USA an

Nordkoreas Staatsagentur KCNA sprach am Mittwoch von einem "historischen Gipfel": Das Treffen sei durch den "festen Willen" der beiden Staaten zur Beendigung der feindschaftlichen Beziehungen zustande gekommen. Kim habe die Einladung Trumps in die USA angenommen und wolle den US-Präsidenten "zu gegebener Zeit" nach Pjöngjang einladen, heißt es in dem Agenturbericht.

Trump bedankte sich am Mittwoch via Twitter bei Kim dafür, dass er den "ersten mutigen Schritt in eine glorreiche Zukunft für sein Volk" gewagt habe. "Unser beispielloses Treffen - das erste zwischen einem amerikanischen Präsidenten und einem Führer Nordkoreas - beweist, dass echter Wandel möglich ist." Es habe zur Verhinderung einer "atomaren Katastrophe" beigetragen.

aar/Reuters/AP

insgesamt 25 Beiträge
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demokroete 13.06.2018
1. Das Video war gar nicht nötig
Da Kim in der Schweiz zur Schule gegangen ist, hat volle Supermärkte noch gut in Erinnerung, und Hochhäuser gibt es auch in NK. Vielleicht sollte man mal bedenken, dass auch Kim nicht machen kann, was er will. Bevor großen Reformen in Angriff genommen werden können, mußte oder muß er erst einmal die alten Hardliner in Nordkorea ausschalten. Diplomatisch völlig unerfahren, ist Kim dennoch geschickt vorgegangen: erstmal ein paar Potemkinschen Dörfer in Form einer scheinbaren nuklearen Bedrohung amerikanischen Westküste aufbauen, und diese dann gegen ein ( von China stillschweigend garantiertes ) Sicherheitsversprechen und wirtschaftliche Vorteile tauschen. Man ist jetzt ins Geschäft gekommen, und das ist gut für alle !
mustermann76 13.06.2018
2. Realist Show ohne inhalt
Immerhin kommen jetzt mal ein paar durchdachte Kommentare auf spon. Dennoch gehen die Medien Trump auch auf den Leim da er für jeden Tweet und jeden Unsinn den er von sich gibt extrem viel Aufmerksamkeit bekommt. Dabei hat die trumpshow auch etwas langweiliges. Ich hätte gerne mehr Inhalte statt immer nur Geschwätz...
GerhardFeder 13.06.2018
3. Lichtenberg wusste es
Dank Lichtenberg können wir den Titel "Zwei Männer. Zwei Anführer. Ein Schicksal." übersetzen: Zitat: Es macht den Deutschen nicht viel Ehre, daß "einen anführen" so viel heißt wie "einen betrügen". Georg Christoph Lichtenberg
fig123 13.06.2018
4. Kim ein Indianer?
Es ist unglaublich, diese ganze Seifenkomödie erscheint wie ein schlecht gemachter Film. Ich frage mich, wer Trump noch Ernst nehmen kann? Die Geschichte wiederholt sich tatsächlich. Trump ist der Siedler, der Kim, dem Indianerhäuptling, Glasperlen anbietet. Nur, dass Kim nicht, wie behauptet, kindlich staunend davor sitzen wird. Der nächste Tweet wird es schon zeigen...
effisworld 13.06.2018
5. Mind nuked!
Also auf so was kann kein Satiriker kommen... ?
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