Ärger um US-Sanktionen Trump schwärmt von Putin

"Ich wusste immer, dass er smart ist": Donald Trump lobt Wladimir Putin in den höchsten Tönen. Grund ist die russische Reaktion auf die jüngsten US-Sanktionen.

Donald Trump
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Zunächst schien es, als würde Russland auf die jüngsten US-Sanktionen mit ähnlichen Maßnahmen reagieren. Doch dann kündigte der russische Präsident Wladimir Putin an, vorerst auf eine Ausweisung von US-Diplomaten zu verzichten. Damit punktet er offensichtlich beim künftigen US-Präsidenten Donald Trump.

Das sei ein großartiger Zug, schrieb Trump auf Twitter. "Ich habe immer gewusst, dass er sehr smart ist." Putin hatte angekündigt, die Politik des künftigen Präsidenten abzuwarten, bevor er über Gegensanktionen gegen die USA nachdenken werde.

Am Donnerstag hatte der scheidende US-Präsident Barack Obama mit ungewöhnlich harten Sanktionen auf mutmaßliche Hackerangriffe während des Präsidentschaftswahlkampfs reagiert. Die US-Behörden werfen Russland vor, mit Cyberattacken auf Computer der demokratischen Partei dem späteren Wahlsieger Donald Trump geholfen zu haben.

Die neuen Strafmaßnahmen richten sich unter anderem gegen die russischen Geheimdienste GRU und FSB. Zudem wurden 35 russische Diplomaten angewiesen, das Land zu verlassen.

Putin reagierte darauf mit einem PR-Coup. Er lud "alle Kinder von in Russland akkreditierten US-Diplomaten" ein, "die Neujahrs- und Weihnachtsfeiern im Kreml" zu besuchen. Außerdem könnten die 35 aus den USA ausgewiesenen russischen Diplomaten nun "die Feiertage mit Freunden und Verwandten in ihrem Vaterland verbringen", fügte Putin hinzu.

Sollten die russischen Geheimdienste tatsächlich Einfluss auf die amerikanische Präsidentschaftswahl genommen haben, wäre Trump der Profiteur gewesen. Der Kreml weist die Vorwürfe zurück.

Trump hat mehrfach erklärt, er wolle die Beziehungen der USA zu Russland verbessern. Die geheimdienstlichen Erkenntnisse zu den mutmaßlichen russischen Hackerangriffen zieht er öffentlich in Zweifel. Über Putin hatte er sich schon in der Vergangenheit lobend geäußert.

Trump könnte die Sanktionen nach seinem Amtsantritt am 20. Januar umgehend aufheben. Allerdings hätte er dabei wohl mit erheblichem Widerstand in seiner Partei zu kämpfen. Senator John McCain forderte eine lückenlose Aufklärung der Affäre und sagte, Russland müsse für die Hackerangriffe zahlen. Außerdem drohte er mit weiteren Sanktionen gegen Moskau. Er bezeichnete die Cyberangriffe als "Kriegsakt" gegen die USA.

asc/dpa/AFP

insgesamt 143 Beiträge
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Mundil 30.12.2016
1. Mir graut es
bei der Vorstellung wie Putin mit dem lieben Donald Schlitten fahren wird. Und noch mehr graut es mir bei der Vorstellung was passiert wenn der tumbe Trump erkennt dass dem so ist. Putin ist erfahrener Diktator und ausgebildeter KGB- Offizier. Trump Immobilienmakler. Und beide sind unberechenbar. Gute Nacht.
hugahuga 30.12.2016
2.
Die Welt kann froh sein, dass Putin erst nachdenkt, ehe er handelt. Dieses ist bei so mancher westlichen Führungsperson noch lange nicht die Norm. Und - meines Wissens - wird daran auch nicht einmal gearbeitet.
naja1u1 30.12.2016
3. obama
Der Aspekt, dass Obama durch Putins gelassene Reaktion auf die Sanktionen nun ziemlich doof dasteht, fehlt in der Berichterstattung. Eigentlich der interessanteste Aspekt an der Geschichte.
canUCme 30.12.2016
4. Exzellenter Schachzug ...
... von Putin. Kein Mensch redet mehr vom Russen-Hack. Nur noch davon, dass Obama im letzten Rundumschlag das Verhältnis der Supermächte gefährdet, aber der große, noble Zar Putin ersteinmal großzügig abwartet. Bis in drei Wochen sein neuer Freund in der anderen Schaltzentrale sitzt und die beiden das Ganze über Wirtschaftsmittel begleichen . Der Stand der Dinge Anfang 2017 ...
xberg99 30.12.2016
5. Trump
Putin, Erdogan, Le Pen. Das sind ganz tolle Politiker. Leute sieht Euch warm an. Es wird ungemütlich!
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