Prügelvideo Medienorganisationen besorgt nach Trumps Twitter-Ausraster

Journalisten-Vertreter haben sich nach Donald Trumps jüngster Twitterattacke schockiert und bestürzt gezeigt. Der US-Präsident untergrabe die Medien und ermutige Autokraten auf der gesamten Welt.


Der Clip ist nur 28 Sekunden lang, aber er sendet eine gewaltige Botschaft. Der Absender: Donald Trump. Am Sonntag verbreitete er über Twitter ein Video, das ihn vermutlich bei einem Wrestling-Auftritt im Jahr 2007 zeigt. Damals attackierte er einen Mann und schlug diesem mehrmals ins Gesicht - natürlich gestellt. Doch bei dem Clip wurde nun das Gesicht des Mannes mit einem CNN-Logo überblendet. Es ist die nächste Eskalation im Streit zwischen dem US-Präsidenten und den Medien, insbesondere dem TV-Sender CNN.

Verschiedene Medienorganisationen zeigten sich schockiert und besorgt angesichts der Botschaft, die das Video transportiere. Für Bruce Brown, Vorsitzender der Organisation Reporters Committee for Freedom of the Press, wird Journalisten in dem Clip physische Gewalt angedroht. "Das ist unter der Würde seines Amtes", so Brown.

Der Direktor der Organisation Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) sagte, dass die aufgeladene Online-Rhetorik des Weißen Hauses "die Medien in den USA untergräbt und Autokraten auf der ganzen Welt ermutigt". Außerdem schaffe Trump ein Umfeld, in der weitere Schikane oder sogar Gewalt als akzeptabel erachtet würden.

CNN teilte mit, es sei ein trauriger Tag, wenn der US-Präsident zu "Gewalt gegen Reporter ermuntere". Statt sich den komplexen politischen Fragen im In- und Ausland zu widmen, verhalte er sich "kindisch".

Heimatschutzberater verteidigt Trump

Auch etliche Abgeordnete aus dem Kongress, vor allem Demokraten, kritisierten Trump. Frank Pallone etwa schrieb bei Twitter, es sei eine Schande und eine Gefahr für das Präsidentenamt und die Demokratie, dass Trump für Gewalt gegen die Medien werbe. Nancy Pelosi, die führende Demokratin im Repräsentantenhaus, twitterte: "Gewaltbilder, um die Presse einzuschüchtern, müssen zurückgewiesen werden." An diesem 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag, müsse die Freiheit der Presse gefeiert werden, den Wächtern der Demokratie.

Der republikanische Abgeordnete Mike Coffmann schrieb, genau das habe er gemeint, als er gefordert habe, dass Trumps Ausraster auf Twitter aufhören müssten. Sein Parteifreund, Senator John Kasich, sagte beim TV-Sender ABC, er hoffe, dass Trumps Familie diesem sage, dass er damit aufhören solle. Auch Senator Ben Sasse kritisierte Trump, dieser würde Misstrauen gegenüber Medien als Waffe einsetzen.

Trumps Heimatschutzberater Thomas Bossert verteidigte ihn kurz nach der Videoveröffentlichung in einer Fernsehtalkshow: "Er ist ein aufrichtiger Präsident, und er drückt sich aufrichtig aus." Er glaube, niemand würde das Video als Aufruf zu Gewalt werten - er hoffe das jedenfalls. "Der Präsident muss von dem TV-Sender viel einstecken und er hat das Recht, darauf zu reagieren."

Aus dem Weißen Haus gab es zunächst keine Stellungnahme.

Trump liegt seit Langem mit den Medien im Streit und hat seine Angriffe in den vergangenen Tagen weiter verschärft. Insbesondere schoss er sich dabei auf zwei Moderatoren des Senders MSNBC und auf CNN ein. Er warf dem Sender "Müll-Journalismus" vor und twitterte dann am Sonntag das Video.

max/AP/dpa



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