US-Vorwahlen Mexikos Präsident vergleicht Trump mit Hitler

Donald Trump pöbelt seit Monaten gegen Mexikaner, nun kontert Mexikos Präsident: Enrique Peña Nieto sieht im Aufstieg des US-Präsidentschaftsbewerbers Parallelen zu Hitler.

Von , Mexiko-Stadt

REUTERS

Lange hat der mexikanische Präsident geschwiegen, für viele Menschen in Mexiko zu lange. Aber am Montag startete Staatschef Enrique Peña Nieto eine Medienoffensive und äußerte sich erstmals explizit zu den Attacken des US-Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump auf sein Land. Mit einer ähnlichen Rhetorik seien schon Adolf Hitler und Benito Mussolini an die Macht gekommen, sagte Peña Nieto in einem Interview mit der Tageszeitung "Excelsior".

Es habe in der Geschichte der Menschheit "bedauerliche Episoden gegeben, die viel Unheil brachten", sagte der Präsident. Sowohl Hitler als auch Mussolini hätten historische Gegebenheiten ausgenutzt, damals sei es eine Wirtschaftskrise gewesen.

Mit großer Hingabe holt der Republikaner Trump im Vorwahlkampf gegen das südliche Nachbarland und seine Menschen aus, vergangenes Jahr beschimpfte er sie pauschal als Vergewaltiger, Verbrecher und Drogenschmuggler. Peña Nieto sagte der Zeitung "El Universal", er bedauere "diese Art von Ausdrücken, die Mexiko und die Leistung seiner Menschen verkennen". Trump beleidige Mexiko und schade damit der bilateralen Beziehung. Sein Land habe zu keiner Zeit auf den Bruch der Beziehungen gesetzt, fügte Peña Nieto hinzu.

Vermutlich kein Land müsste einen US-Präsidenten Trump mehr fürchten als Mexiko. Sollte er die Wahl im November gewinnen, will Trump die ohnehin schon hermetisch gesicherte 3200 Kilometer lange US-mexikanische Grenze mit einer Mauer verstärken. Dafür zahlen soll Mexiko. Und die elf Millionen Mexikaner ohne Papiere will er alle aus den USA abschieben.

Bereits vor einigen Tagen hatte Finanzminister Luis Videgaray versichert, Mexiko werde unter keinen Umständen öffentliche Gelder für Trumps Mauer einsetzen. Dies sei eine "äußerst schlechte und absurde Idee", sagte der Minister. "Sie fußt auf einer Ignoranz, die nichts mit der Wirklichkeit und dem Zusammenwachsen Nordamerikas zu tun hat." Im Übrigen sei die Migration von Mexiko in die USA seit über fünf Jahren rückläufig. Tatsächlich belegen Untersuchungen des Pew Research Center in Washington, dass zwischen 2009 und 2014 rund 870.000 Mexikaner versuchten, in die USA zu gelangen. Im gleichen Zeitraum kehrten aber rund eine Million Mexikaner aus den USA in ihre Heimat zurück.

Auch die Ex-Präsidenten Felipe Calderón (2006 bis 2012) und Vicente Fox (2000 bis 2006) hatten Trump scharf attackiert. Calderón nannte Trump einen "Rassisten", dessen Ideologie mit der von Adolf Hitler zu vergleichen sei.

Den Mexikanern dämmert allmählich, dass ein Wahlsieg Trumps kein schlechter Scherz mehr ist, sondern Realität werden kann. Persönlichkeiten wie der Intellektuelle und Ex-Außenminister Jorge Castañeda fordern daher eine gemeinsame Reaktion des Landes gegen den rumpelnden Milliardär. "Schweigen und Passivität sind die falschen Rezepte", mahnt Castañeda. Vor dem Super Tuesday vergangene Woche hätten in der Regierung viele aus Angst geschwiegen, sagt der Ex-Minister. Andere hätten Trump nicht noch zusätzlich Aufmerksamkeit bescheren wollen. Aber jetzt sei klar: Gleichgültigkeit bringe den radikalen Politiker nicht zum Schweigen.

"Trump ist kein Ignorant, Trump ist ein Schuft", sagt Castañeda in einem Video, das auf der Seite proudtobemexican.com (Stolz, ein Mexikaner zu sein) verlinkt ist. Auf der Website werden Geschichten von Mexikanern erzählt, die es in den USA zu großem beruflichen Erfolg gebracht haben. So liest man von Migranten ohne Papiere, die zu Neurochirurgen aufstiegen, erfolgreichen Jockeys, Investmentbankern oder auch Politikern mexikanischer Herkunft. Das alles passt tatsächlich nicht in das Weltbild von Trump. "Auf seine Ausfälle brauchen wir eine ambitionierte und raffinierte Antwort", betont Castañeda.

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