Enthüllungsbuch über Trump Ultrarechte Milliardärin lässt Bannon fallen

Ihr Geld und ihr Einfluss auf Trump halfen Stephen Bannon ins Weiße Haus. Doch nun setzt sich die Milliardärin Rebekah Mercer von dem Rechtspopulisten ab - auch wegen des Enthüllungsbuchs "Fire and Fury".

US-Milliardärin Rebekah Mercer, wichtige Wahlkampfhelferin Donald Trump
Getty Images/ The Washington Post

US-Milliardärin Rebekah Mercer, wichtige Wahlkampfhelferin Donald Trump


Das Enthüllungsbuch "Fire and Fury" über Donald Trumps Wahlsieg und sein Wirken im Weißen Haus versetzt die extreme Rechte in den USA in Aufruhr.

Rebekah Mercer, Milliardärstochter und mit ihrem Vater eine wichtige Unterstützerin ultrarechter Politik in den USA, hat sich vom rechtspopulistischen Medienunternehmer Stephen Bannon distanziert - und sich zu Präsident Trump bekannt.

Seit "vielen Monaten" habe ihre Familie Bannon weder Geld gegeben, "noch unterstützen wir seine jüngsten Handlungen und Aussagen". Vielmehr stehe sie zum US-Präsidenten und seinem Team, teilte Mercer mit.

Der Bruch zwischen Bannon und dem Mercer-Clan ist bemerkenswert. Es war Mercer, die als wichtige Geldgeberin seiner Kampagne Trump ermutigt hatte, den Chef der ultrarechten Nachrichtenseite Breitbart in sein Wahlkampfteam zu holen. Von dort führte Bannons Weg bis ins Weiße Haus, wo er nach Trumps Amtsantritt dessen Chefberater wurde.

Enthüllungsautor Wolff: Trump war vom Sieg schockiert, Melania weinte

Das ist vorbei, Bannon wurde im Sommer 2017 von Trump entlassen. Mittlerweile haben sich die beiden öffentlich zerstritten: Am Donnerstag waren Passagen eines Enthüllungsbuchs vorab veröffentlicht worden, in denen Bannon den US-Präsidenten schwer belastet. In dem Buch "Fire and Fury" zeichnet Autor Michael Wolff ein desaströses Bild des Weißen Hauses unter Trump und von den Tagen nach seinem Wahlsieg. Viele Informationen stammen von Bannon.

"Fire and Fury"-Cover
AFP/ Henry Holt and Company

"Fire and Fury"-Cover

Demnach habe Trump nicht Präsident werden wollen und auch nicht mit einem Erfolg gerechnet. Nach dem Wahlsieg sei er zunächst schockiert gewesen, seine Frau Melania habe vor Schreck geweint. Außerdem wird Bannon mit den Worten zitiert, ein Treffen dreier hochrangiger Trump-Mitarbeiter in Trumps New Yorker Firmenzentrale mit einer russischen Anwältin sei "verräterisch" und "unpatriotisch" gewesen.

Als Kopf der Nachrichtenseite Breitbart hatte Bannon nach seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus erklärt, die extreme Rechte in den USA jenseits von Trump aufzubauen und einen "Trumpismus ohne Trump" schaffen zu wollen. Nachdem sich die Familie Mercer nun von Bannon distanziert, dürfte das nun schwieriger werden.

Trump-Attacken gegen den "schludrigen Steve" - Buch "voller Lügen"

Trumps Verteidigungsstrategie gegen das neue Buch läuft derweil auf mehreren Ebenen: Über Bannon sagte Trump, sein ehemaliger Chefstratege habe mit seinem Job auch "den Verstand verloren"und nannte ihn "Sloppy Steve" ("schludrigen Steve").

Dem Autor Wolff wirft er vor, sein Buch sei "voller Lügen", verdrehe Tatsachen und berufe sich auf "Quellen, die nicht existieren". Wolff ist ein bekannter und gefragter New Yorker Kolumnist. Ihm wurden aber auch wiederholt ungenaues Zitierenund sogar erfundene Szenen vorgeworfen.

Zugleich verschickten Trumps Anwälte juristische Drohungen gegen Wolff und Bannon. Wolff reagierte mit dem Hinweis, er habe viele Stunden Interviewmaterial für sein Buch aufgezeichnet. Sein Verlag zog den Veröffentlichungstermin vor.

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Bannon erklärte in seiner eigenen Radio-Sendung am Donnerstag eher kleinlaut, Trump sei noch immer "ein großartiger Mensch", den er "Tag und Nacht" unterstützte. Allerdings dementierte Bannon die Aussagen, die Wolff in seinem Enthüllungsbuch zitiert, nicht.

cht/AP/AFP

insgesamt 70 Beiträge
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Harald Schmitt 05.01.2018
1. Konsequensen ziehen
Ist doch klar zu wem die Spenderin steht, zu dem Mann, der ihr und ihresgleichen die Steuergeschenke macht. Bannon kann den nicht mehr Steuern und ist aus dessen Dunstkreis entsorgt worden. Sie hat ihr Ziel erreicht und wird ihren Reichtum reichlich vermehren und behalten, während die unteren Schichten bluten müssen. Zum Schluss sind wieder die Mexicaner, die Inder, die Chinesen, die nordkoreaner, die Muslime oder die Europäer Schuld, wenn es denen immer schlechter geht. Wie dumm ist eigentlich die amerikansiche Bevölkerung, die selbst von irgendwelchen Einwanderen abstammen? Hauptsache sie dürfen mit Waffen spielen egal wie dämlich, krank oder blind sie sind und es wird an Gott geglaubt.
creme 05.01.2018
2. Entertaiment
Trump ist mit Abstand der lustigste und unterhaltsamste Präsident aller Zeiten. Seine Politik dagegen ist nur ein laues Lüftchen, ich bin gespannt, ob er der erste Präsident seit Bush, sr. sein wird, der nach einer Amtszeit aus dem Rennen geht.
LUAP 05.01.2018
3. Welch erbärmlicher Sumpf...
und welch nerviges schmieriges Possentheater an das man sich auch nach einem Jahr nicht gewöhnt hat. Lass uns alle aus diesem permanenten Alptraum aufwachen. Ob Bannon, Trump oder irgendwelche Milliadärstöchter, keiner würde sie vermissen sondern es gäbe ein globales Durchatmen, wenn der Spuk endlich vorbei wäre.
aurichter 05.01.2018
4. Ja passt,
die enormen Steuergeschenke für diese Klientel müssen jetzt durch Danksagungen an Mr.President abgegolten werden. Und die armen Schlucker bezahlen durch weitere Kürzungen in sozialen Ressorts diese "kleinen Vergünstigungen" noch, rennen aber dem First Clown noch immer hinterher. Dann warten wir mal ab, was von der Unterstützung noch übrig bleibt, wenn Bannons erst die richtigen Brandbomben in den Medien platziert.
hardeenetwork 05.01.2018
5. Bannon
Bannon ist nicht leicht zu durchschauen, aber das Geld dieses Milliardärstöchterchen wird er kaum brauchen. Sein offener Kampf gegen Trump gefällt mir. Bannon selber definitiv nicht. Warten wir mal ab was passiert.
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